Franzosenhass

pfeil1_Wieso Franzosenhass?

Zur Einordnung muss man wissen, dass Arndt in einer Zeit lebte, in der Frankreich,mit Napoleon an der Spitze, die dominierende Kraft in Europa darstellte. Mit Expansionkriegen bedrängte und eroberte er ganz Europa und betrieb eine Politik, die wir heute sicher als „imperialistisch“ bezeichnen würden. Muss da Widerstand gegen den Unterdrücker nicht erlaubt sein?

Fraglich ist jedoch, ob sich Arndts Franzosenhass nur und / oder  vor allem auf die Besetzung Pommers durch Napoleon erklären lässt. Selbst wenn man zu diesem Schluss käme, wäre immer noch fraglich ob die Schürung von „Volks-Hass“ die richtige Antwort auf eine unrechtmäßige Besetzung ist. Das es Alternativen (z.B. gewaltlosen Widerstand) gibt, haben Menschen wie  Mahatma GandhiNelson Mandela, die mutigen Bürger der DDR oder Martin Luther King gezeigt.

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_Arndt zitiert:

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„Ich will den Hass gegen die Franzosen, nicht bloß für diesen Krieg, ich will ihn für immer. Dann werden Deutschlands Grenzen auch ohne künstliche Wehren sicher sein, denn das Volk wird immer einen Vereinigungspunkt haben, sobald die unruhigen und räuberischen Nachbarn überlaufen wollen.

Dieser Haß glühe als die Religion des deutschen Volkes, als ein heiliger Wahn in allen Herzen und erhalte uns immer in unsrer Treue, Redlichkeit und Tapferkeit.(…)“

Arndt, Ernst Moritz: „Über den Volkshaß und über den Gebrauch einer fremden Sprache“, 1813.

„Ich hasse alle Franzosen ohne Ausnahme im Namen Gottes und meines Volkes […]. Ich lehre meinen Sohn diesen Hass. Ich werde mein ganzes Leben arbeiten, dass die Verachtung und der Hass auf dieses Volk die tiefsten Wurzeln in deutschen Herzen schlägt“.

Arndt, Ernst Moritz: Blick aus der Zeit auf die Zeit“,
Germanien [vielm. Frankfurt a. M.: Eichenberg], 1814.


pfeil1_Die Wissenschaft über Arndts Franzosenhass:

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Napoleon

„Die Kritik Arndts an Napoleon und an der französischen Besatzung ging weit über das Maß seiner patriotischen Kollegen hinaus. Er predigte Haß, und diesen wollte er keineswegs nur auf die napoleonischen Truppen bezogen wissen. Arndt schürte eine Art Volkshaß gegen Napoleon und mit diesem gegen alle Franzosen.

Diesen Haß begründete er nicht etwa aus dem politischen Geschehen heraus, sondern aus dem vermeintlich minderwertigem Volkscharakter der Franzosen. Arndt hatte es sich als Publizist währenden den Befreiungskriegen zum Ziel gemacht die Erfahrung der unmittelbaren Unterdrückung durch die napoleonischen Truppen in das Gefühl einer kollektiven Bedrohung zu übertragen. Diese Bedrohung war für ihn nicht nur Napoleon, sondern auch das französische Volk.“

Batista-Borjas, Studentin der Geschichte: Ergebnis einer exemplarischen Untersuchung zwei Arndt-Flugblätter, Hauptseminars an der TU Dresden, Insitut für Geschichte (Quelle).


wehler„Übertroffen wurden selbst Görres und Jahn durch die geradezu pathologische Besessenheit, mit der Arndt ‚alle Deutschen‘ Jahr für Jahr in immer neuen Schriften, Gedichten und Pamphleten dazu aufrief, ‚das Franzosenungeziefer‘, schlechthin ‚jeden Franzosen… als Scheusal zu vertilgen‘.

Arndt war in jenen Jahren ein weit wirkender Schriftsteller, dessen Frankophobie zahlreiche Menschen erreichte, als er ein gemeindeutsches Bewußtsein mitschaffen half. Seine Spielart des Nationalismus stellte nicht […] primär einen geistigen Auftrag oder […] ein politisches Programm dar, sondern sie beruhte in erster Linie auf überströmendem Gefühl, quasireligiöser Hingabe an eine Gemeinschaft der Gleichgläubigen, Eintauchen des Individuums in den Elan, die Ekstase, auch die Sicherheit gewährende Flug einer Massenbewegung.“

Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, 1. Bd., München 1987.

Das man Nationalgefühl auch ohne Franzosenhass produzieren kann, zeigte das Hambacher Fest:

winkler„Das Nationalgefühl der Hambacher war von ganz anderer Art als jenes, dem die Preußenfreunde Fichte, Jahn und Arndt in der napoleonischen Epoche gehuldigt hatte. Von Wirth abgesehen, […] ließ kein Redner des Festes vom Mai 1832 etwas von Franzosenfeindschaft erkennen. Der erstrebte Nationalstaat sollte nicht gegen Europa entstehen, sondern als Teil eines europäischen Völkerbundes […] Frankreich und Polen wurden in Hambach der Sympathie der deutschen Patrioten versichert, desgleichen alle anderen freiheitsliebenden Völker.“

Professor Dr. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen – Deutsche Geschichte 1806-1933, Darmstadt 2002, S. 82.

pfeil1_FaFazit:

Natürlich wollen wir nicht verschweigen, dass Deutschland damals von Frankreich besetzt war. Aber wie die Wissenschaftler ausführen: Arndt hat überzogen und statt den Besatzer Frankreich zu kritisieren, zum Volkshass gegen die „minderwertige Rasse der Franzosen“ geblasen. Seine Gedichte, Lieder und Hasstiraden finden sich auch im wahnsinnigen Ersten- und Zweiten Weltkrieg wieder. In den Reden der Generäle, auf Postkarten von der Front und in Form von Literatur für die Soldaten.

Vor allem aber stellt sich die Frage: Können wir auf einen solchen Hassprediger stolz sein? Und kann Arndt ein Vorbild sein? Wie helfen uns Arndts Ideen über Volkshass und seine Rachegelüste, wenn wir in der Internationalen Politik vor der Lösung Konflikte der Welt stehen, z.B. zwischen Indien und Pakistan oder Israel und Palästina.  Hier sind Aufrufe zu „Hass“ genauso wenig sinnvoll, wie sie es im frühen 19 Jahrhundert waren.

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(Bildquellen_ Arndt & Napoleon: gemeinfrei; Wehler: Uni-Homepage; Winkler: C.H.Beck-Verlag)

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