Antisemitismus

pfeil1_Was ist Antisemitismus?

Judenfeindlichkeit bezeichnet eine pauschale Ablehnung der Juden und des Judentums. Juden werden oft bestimmte unveränderliche (negative) Eigenschaften zugeschrieben. Während manche dieser Judenklischees gleich blieben, änderten sich die Gründe und Ziele ihrer Ablehnung. Sind diese überwiegend religiös, spricht man von Antijudaismus, der stark katholisch geprägt war (Juden sollen Jesus gekreuzigt haben). Sozialökonomisch, ethnisch-nationalistisch und rassistisch begründete Judenfeindschaft nennt man Antisemitismus. Arndt gehört bereits zu den ersten Vertretern der zweiten Sorte. Er warnte vor der Vermischung des germanischen Blutes mit dem der Juden… (Mehr?)

pfeil1_Arndt zitiert:

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„Mann sollte die Einfuhr der Juden aus der Fremde in Deutschland schlechterdings verbieten und hindern. […] Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt und in diese Staaten hinein, und darum will ich nicht, daß sie auf eine ungebührliche Weise in Deutschland vermehrt werden.

Ich will es aber auch deswegen nicht, weil sie ein durchaus fremdes Volk sind und weil ich den germanischen Stamm so sehr als möglich von fremdartigen Bestandteilen rein zu erhalten wünsche. „

Arndt, Ernst Moritz: Blick aus der Zeit auf die Zeit“, Germanien [vielm. Frankfurt a. M.: Eichenberg], 1814.

pfeil1_Die Wissenschaft über Arndts Antisemitismus:
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herzig70„Prof. Dr. Arno Herzig aus Hamburg führte aus, wie sehr Arndts Judenhass sowohl christlich-antijudaistische als auch bereits rassenbiologisch-antisemitische Elemente zu einem Plädoyer für den Ausschluss der Juden aus dem ‚teutschen‘ Volk funktionalisierte.“

Abschlussbericht über das Kolloquium „Ernst Moritz Arndt – Eine kritische Würdigung im Jahre 2001“. Eingesetzt von der Universtiät Greifswald zur wissenschaftlichen Ergründung des Namenspatrons der Universität.


„Wie kein anderer hatte er [Arndt] zur Verwechslung von Religion und Nation beigetragen. Da stand also Ernst Moritz Arndt als Wegweiser am Anfang eines Irrweges.“

Prof. Dr. Manfred Wichelhaus im Festvortrag am 16. Juni 1979 am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Remscheid (Quelle)

prof_berding„Für den Ausbruch der ‚Hep-Hep-Krawalle‘ (Info) gab es eine Reihe von Gründen. […] Wichtiger sind schließlich, die judenfeindlichen Schriften, die in den Jahren vor dem Ausbruch der blutigen Unruhen das Land überschwemten. […] Doch stellten die Freiheitsdichter und patriotischen Schriftsteller neben den Franzosen als äußeren Feind auch die Juden als Feind im Inneren an den Pranger. Sie propagierten eine Judenfeindschaft, die teils an den traditionellen Antijudaismus mit seinen religiösen und wirtschaftlichen Vorurteilen anknüpfte, teils neuartige Anschuldigungen enthielt. […] Niemand vertrat diese Auffassung mit so großer Überzeugungskraft wie Ernst Moritz Arndt. Er, der populärste politische Publizist und Lyriker der Befreiungskriege, betrachtete die Juden als nationale Feinde und Verräter der Deutschen.“

Prof. Dr. Helmut Berding, Vortrag zum „Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar 2003 an der Universität Greifswald, Titel: Volksbegriff und Frühantisemitismus, in: Greifswalder Universitätsreden, Ausgabe 104, S. 7.

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_Ernst Moritz Arndt begrüßte Judenpogrome

Nach neuen Erkenntnissen hat Arndt Kontakt mit Heinrich Eugen Marcard – einem Militärrichter aus Minden – gehabt. Dieser entwickelte als einer der ersten ein antisemitisches Parteiprogramm und war selbst Initiator des Mindener Judenpogroms von 1843. Arndt stimmte Marcards Programm / Buch „in allen Punkten zu“.

Zudem drohte Arndt 1848 sogar selbst  den Juden in einem Buch selbst mit „neuen“ Pogromen. All dies wurde auf einer Podiumsdiskussion mit drei Geschichtswissenschaftlern aus Greifswald und Hamburg zusammengefasst.

Die Aufzeichnung (Audio) & die Verschriftlichung  der Debatte in Bezug auf Arndts Antisemitismus finden Sie hier.

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_Aber es gab doch auch andere Antisemiten damals?

Unsere ausführliche Antwort finden Sie genau hier auf unserer Seite „Oft gestellte Fragen“.

(Bildquellen_ Arndt: gemeinfrei; Herzig: grafschaft-glatz.de; Berding: Uni Giessen)

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