Ich bin gegen Arndt, weil…

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(127) Emilia
Sa, 17 Juli 2010 13:07:

Ich bin gegen Arndt als Namenspatron, weil auch nach der Debatte und der gefällten Entscheidung nichts von einer kritischen Auseinandersetzung zu sehen ist.
Immer wieder wurde gesagt, wir müssten den Namen behalten, um sich auch stets der negativen Seiten bewusst zu bleiben. Es passiert nichts, es ist sicherlich nicht einmal im Interesse der Uni und der Stadt, immer wieder klar zu machen, das Arndt Antisemit und Hetzer war. Der Palaver von der kritischen Auseinandersetzung war und ist ein Farce, eine dreiste Lüge!

(126) Momo

Universität Greifswald reicht als Name für unsere Uni.
Ein anderer Name würde noch weiter einschränken und so kann unsere Uni allein für Weltoffenheit und gegen Fremdenfeindlichkeit stehen.

(125) Patrick

ich der Meinung bin, dass eine Uni weltoffenheit verkörpern sollte und der Name das Bild von M-V nicht gerade verbessert...Es ist Zeit dem Neokonservatismus in der Region entgegen zu wirken!

(124) Catrin Ebbinghaus

Ein anderer Namensgeber für eine wohl weltoffene Universität wird sich hoffentlich leicht finden lassen.

(123) Jan Fluschnik

​Vorab: Ich gebe zu, ich war auch lange Zeit Arndt-Befürworter. Und warum? Weil ich den Kern der Diskussion falsch erkannt habe (wozu auch Uni ohne Arndt beigetragen hat, aber das ist hier kein Thema). Prof. Echternkamp bringt es auf den Punkt: Was bleibt von Arndt in unserer Zeit? Eine auszugsweise Lektüre des deutschtümelnden und germanozentrierten Werkes ,,Pro populo Germanico", das noch zu den harmloseren Arndtschen Werken zählt, tat bei mir ein Übriges. Deshalb hier meine überarbeitete Abwägung:

1. Sicher hatte Arndt Verdienste aufzuweisen: Abschaffung der Leibeigenschaft, Eintritt für Meinungs- und Pressefreiheit bis hin zum Berufsverbot, Militärkatechismus, Einsatz für eine frühdemokratische Verfassung... Aber das ist nicht entscheidend.

2. Entscheidend ist, dass Arndt einen Großteil seines Schaffens als politischer Publizist darauf verwendet hat, den Deutschen jene gefährliche Mixtur aus Überlegenheitsgefühl, Zukurzgekommenseins, (militärische) Stärke demonstrieren, Misstrauen und Abschottung gegenüber anderen Völkern vermitteln wollte. Und darin, genau darin war er lange Zeit sehr erschreckend erfolgreich.

Für was wurde denn Arndt gefeiert im Kaiserreich, im Ersten Weltkrieg, im Dritten Reich, im Zweiten Weltkrieg? Doch nicht für die Verdienste unter 1., die wir heute gut finden. Nein, sondern genau für die Eigenschaften, die ich als 2. aufgeführt habe und die wir heute aus bitterer historischer Erfahrung ablehnen. Man muss sich nur die historischen Fakten anschauen, und man sieht, welche Nummer die Geschichte der jungen deutschen Nation in fataler Weise lange Zeit geprägt hat: Nicht Eintritt gegen Leibeigenschaft, für Meinungs- und Pressefreiheit oder für eine Militärethik.
Nein, sondern geprägt hat Nr. 2: Dieses Gedankengut legte den Grundstein für eine Reichseinheit, die aus einem Krieg und anschließender Demütigung des Arndtschen ,,Erbfeindes" Frankreich entstand. Dieses Gedankengut legte den Grundstein für einen starken Kaiser, der für Deutschlands ,,Platz an der Sonne" ohne Rücksichten eintrat. Es legte den Grundstein für deutschen ,,Nachholbedarf" bei den Kolonien, bei denen man nicht mehr gegenüber anderen Mächten ,,benachteiligt" werden wollte. Das Gedankengut legte den Grundstein für weitgehende internationale Isolation vor dem Ersten Weltkrieg aufgrund von Arroganz. Das Gedankengut legte den Grundstein für den Traum deutscher Hegemonie über Europa und den Ersten Weltkrieg gegen die anderen ,,bösen Völker", die Deutschland seine neue Rolle angeblich ,,nicht gönnen" wollten. Es legte den Grundstein für das erneute Gefühl nach dem Ersten Weltkrieg, als große Nation gedemütigt und schon wieder ,,zu kurz gekommen" zu sein. Und schließlich kamen die Nazis, die dieses Gedankengut noch ins Unendliche pervertierten. Das war alles nicht allein Arndts Schuld. Aber die begeisterte Aufnahme der berüchtigten Arndt-Werke zu den genannten Zeiten zeigt, dass die von Arndt propagierte Ideologie das brauchbare Fundament für diese fatale Entwicklung lieferte. Und dann kann man noch so sehr vom ,,Krieg aus Notwehr" schwafeln - ist solch ein Gefühl verankert, wie Arndt es erfolgreich schaffte, dann findet sich der ,,Notwehrgrund" ohne Probleme. Schließlich waren beide Weltkriege reine ,,Selbstverteidigungskriege, um das ,,ungerecht behandelte deutsche Volk zu erlösen". All das war Arndts übersteigerter ,,Wirkungserfolg" und nicht die Verdienste unter 1. Und genau deshalb ist Arndt in der Bundesrepublik (wie schon im Ansatz in der Weimarer Republik) ziemlich in der Mottenkiste verschwunden. Weil es noch präsent war, was Arndts Ideologie so erfolgreich anrichtete.

Aufgrund der echten Verdienste unter 1. mag man Arndt einen regionalen Straßennamen oder einen Platz auf dem Rubenowdenkmal zubilligen. Aber keinesfalls den Platz eines Namenspatrons einer Hochschule, die sich ,,Universitas" nennt. Zu dieser besonderen Ehrung passt die von Arndt unter 2. betriebene lebenslange belanglose germanozentrierte Weltsicht nicht, die die Leute über Generationen wie oben gezeigt beeinflusste.

Aber kommt man da nicht wieder raus, indem man sich von Teilen des Arndt-Werkes distanziert? Wieder nein! Wie soll das aussehen? Ein Namenspatron, von dessen - umfangreichen - Werkteilen mit der größten Wirkungskraft man sich distanzieren muss? Einen verzweifelten, fast schon grotesken Versuch in diese Richtung findet sich auf der Uni-Homepage. Dort werden zunächst alle Verdienste und Nicht-Verdienste zusammengewürfelt und zum Schluss heißt es zum ganzen Absatz ganz allgemein: ,,Diese Vorstellungen gehören restlos der Vergangenheit an, andere hatten ihre Zeit, manche sind aktuell, wie das kulturprägende Gedankengut von Romantik und Aufklärung überhaupt." Grammatikalisch ein echter Fauxpas. Was bedeutet denn das? Es liest sich so: Arndts zuvor zusammengefasstes Gesamtwerk hält man zum größten Teil für veraltet, ohne präzise zu werden. Einen Teil seines Werks, wiederum ohne Konkretisierung hält man für aktuell, wobei auffallend allgemein Romantik und Aufklärung ohne direkten Arndt-Bezug gelobt werden. Da bleibt von einem ,,Wertekanon" Ernst Moritz Arndts als Namenspatron irgendwie nichts übrig...

Daher nochmal zum Entscheidenen, die Arndt-Gegner in der Uni-Kommission zitiert:

"Wegen der judenfeindlichen, antifranzösischen und generell xenophoben Parolen, die Arndt mit über 100-jähriger Wirkung verbreitet hat, löst er heute Irritationen aus. Arndts aggressive Parolen waren und sind dazu prädestiniert, aus dem Zusammenhang gelöst in Umlauf gebracht zu werden. Seine historischen Verdienste um die Abschaffung der Leibeigenschaft und die Vertreibung von Napoleons Truppen spielen in der Wirkungsgeschichte eine geringfügige Rolle. Im Kontext neuerer Wissenschaftsparadigmen (Colonial Studies, Gender Studies, Interkulturelle Kommunikation, etc.) und aktueller politischer Probleme gilt Arndt als Paradebeispiel für den exkludierenden Nationsbegriff, der sich in der Abwertung des Anderen konstituiert und fundamentalistische Tendenzen begünstigt."

Jemand, dessen Äußerungen Vorlagen für feindselige Propaganda für zwei Weltkriege lieferte, ist für mich als Namenspatron trotz aller Verdienste fehl am Platz. Von ,,Universitas" ist bei einem Hauptwerk, das den Deutschen ein Überlegenheits- und Übervorteilungsgefühl gegenüber anderen Völkern einimpfen sollte und darin erfolgreich war, keine Rede. Und eine ,,Universität Greifswald" verkörpert in ihrem Namen mehr regionalen Bezug zur Stadt als jeder Ernst Moritz Arndt: Kurz und knackig.

(122) Anja Lehmann

Weil Arndt aufgrund seiner Geschichte (Ansichten, Äußerungen) kein Namespatron einer ernstzunehmenden Uni sein kann.

(121) Lars Heidemann

Ich bin gegen Arndt, weil ich anderen heute und in Zukunft von einem Studium an einer schönen und weltoffenen Universität berichten möchte, ohne, dass ich mich dabei für ihren Namen schämen muss!

(120) Kaspar R.

...Hassprediger nicht als Namenspatrone taugen. Damals nicht und heute auch nicht.

(119) Ninja Fischer
Fr, 19 Februar 2010 22:03:

Ich bin gegen Arndt, weil es endlich Zeit wird, dass der Name aus dem einer deutschen Hochschule verschwindet!

(118) Raiko Hannemann
Fr, 19 Februar 2010 12:24:

Ich bin gegen Arndt, weil die Arndt-Debatte dazu geeignet ist nachzuvollziehen, dass Nationalismus/Patriotismus (zumindest in Deutschland) - im Gegensatz zu den im aktuellen Zeitgeist dominierenden Meinungen - niemals etwas mit "Normalität", "Natürlichkeit" oder "Fortschritt" zu tun hat, sondern vielmehr mit Unmenschlichkeit, Bedrängung und Verschleierung wirklicher gesellschaftlicher Konflikte.

Arndts Gedankenwelt aber auch die Debatte selbst zeigen auf, dass die Durchsetzung der Vernunft gegen Irrationalität, Mystizismus und Scheinwissenschaft eine sich bis heute (trotz Kant, Hegel, Feuerbach, Marx, Cassirer, Kritischer Theorie; trotz der Negativ-Erfahrung Auschwitz) ständig stellende Aufgabe ist.

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