Tag Archive: Universität Greifswald

AStA Magazin Hannover begeistert über Arndt-Debatte

Das AStA Magazin „KontrASt“ des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) in Hannover hat unserer Initiative einen vierseitigen Artikel gewidmet über den wir uns sehr freuen. Hier einige Auszüge:

„Die Kampagne Uni ohne Arndt ist nicht nur auf Grund ihres für Studiproteste ungewöhnlichen Aktivitätsfeldes einzigartig. Auch die Aktionen sind dem Thema entsprechend ungewöhnlich. Kundgebungen, Demos, Besetzungen — Fehlanzeige. Die auffälligste Form des Protestes gegen den ungeliebten Autoren Arndt sind Lesungen seiner Werke durch einen Doppelgänger. Das Arndt-Double verliest dabei Ausschnitte aus den Werken Arndts, in denen Antisemitismus, Rassismus, Frankreichhass und völkischer Nationalismus offen zutage treten. Die Auswahl ist erschreckend groß. […]

Die inhaltliche Tiefe, mit der sich die Studierenden mit Arndts Texten beschäftigt haben, ist ein krasser Kontrast zu den flachen Bildungsraubbauparolen, die mensch in Hannover gewohnt ist. Bemerkenswert sind auch die Offensivität mit der das Thema in die Öffentlichkeit getragen wurde und nicht zuletzt das Durchhaltevermögen der Protestierenden, die trotz unverhohlener Drohungen ― teils von Seiten gewaltbereiter Nazis, an der Kampagne festhielten. […]
Bei den Arndtbefürworter_innen sprang die Freude […] sehr schnell in Häme um. Dabei nahmen sie sich weiterhin keine Zeit sich mit ihren eigenen Mitstreiter_innen kritisch auseinander zusetzen und übersahen die „Nationalen Sozialisten“ in ihren
Reihen wohlwollend. Diese nahmen ihren Sieg als Anlass auf ihrem Blog die Kampagne Uni ohne Arndt zu diffamieren.
Es bleibt zu hoffen, dass den konservativen Arndtanhänger aus den bürgerlich-demokratischen Parteien CDU und FDP, mit ihrer Nähe zu offen auftretenden Nazis konfrontiert werden.“
Übrigens auch schön zu sehen, wie sich der AStA Hannover politisch vom Greifswalder AStA unterscheidet 😉 – Das ganze Heft ist beim AStA-Hannover als PDF verfügbar.
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Befürworterparty – warum sich nichts verbessert hat

Am 19. Mai heißt es in der Greifswalder Lokalausgabe der Ostsee-Zeitung: „Wissenschaftler diskutieren über den Unipatron“.

„Greifswald (OZ) – „Ernst Moritz Arndt in der politischen Propaganda des 20. Jahrhunderts“ wird Thema des Vortrags des Kieler Professors Reinhart Staats am 28. Mai im Pommerschen Landesmuseum sein. Zwei Monate nach der Entscheidung des Senats gegen die Ablegung des Greifswalder Universitäts-Namens befasst sich die Historische Kommission auf einer Konferenz aus Anlass des 150. Todestages des Patrons mit dessen „Anstößen und Wirkungen“. Die Konferenz beginnt am 28. Mai um 14 Uhr mit einem Vortrag des Berliner Privatdozenten Olaf Bader über „Gedeutete Helden. Zum Problem historischer Personen als Erinnerungsorte“. Die Konferenz wird am 29. Mai um 9 Uhr fortgesetzt. Professor Reinhard Bach und Doktor Irmfried Garbe sind von der Uni dabei.“

Wer diskutiert dort also über Arndt? Wir wollen hier noch einmal eine Grafik in Erinnerung rufen:

Von allen Wissenschaftlern, die sich öffentlich geäußert hatten, sprachen sich 2009/2010  fünf Vertreter mit sehr zweifelhaften Argumenten für Ernst Moritz Arndt aus. 19 jedoch empfahlen der Uni die Ablegung des rassistischen Namenpatrons.

Das nun die Ewig-Gestrigen (Garbe, Bach, Staats) auch auf dieser Konferenz ihre alten Thesen vertreten werden,  ist kaum überraschend.

Peinlich ist jedoch, dass genau diese Arndt-Befürworter (laut OZ-Artikel) von der Universität auch noch offiziell „geschickt“ wurden! Dies zeigt erneut: Das Rektorat ist nicht bereit, Konsequenzen aus der Debatte des letzten Jahres zu ziehen. Sie bleibt bei der alten Politik des Schweigens und Verharmlosens. Arndts Rassismus und Antisemitismus – für das Rektorat der Uni kein Thema.

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Reclam-Chef: „Eine Uni ohne Arndt finde ich wünschenswert“

Der Germanist und Geschäftsführer des Reclam Verlags, Dr. Frank R. Max, zum Namen der Uniersität Greifwald:

„Eine Uni ohne Arndt finde ich durchaus wünschenswert. In unserem Programm hat er in erster Linie nichts verloren, weil er kein guter Lyriker, geschweige denn ein großer Dichter ist. Auch unter den guten Autoren gibt es gerade zu dieser nationalistisch etwas erregten Zeit bekanntlich leider diverse Antisemiten. Aber prinzipiell ist so ein offensiver Antisemitismus der Arndtschen Art schon ein hinreichender Grund, den Autor nicht im Programm zu haben. Außerdem kräht aber, muß man einfach sagen, auch in der heutigen universitären Literaturwissenschaft, geschweige denn an der Schule, geschweige denn in der lesenden Öffentlichkeit, natürlich kein Hahn mehr nach EMA. Und diese freiheitskriegerischen Franzosenfresser („Der Gott, der Eisen wachsen ließ.“) waren ja damals nicht selten, sind aber alle der Vergessenheit anheim gefallen. Als Nr. 4 von der 1867 gegründeten Reclamschen Universal-Bibliothek kam tatsächlich noch Körners „Leyer und Schwerdt“ – nach Faust I und II und Nathan und vor Shakespeare – muß man sich mal vorstellen.“

Damit haben sich nun 20 Wissenschaftler für eine Umbenennung der Universität Greifswald ausgesprochen. Viele weitere Stimmen gibt es hier.

Foto: Danke für die Freigabe an Ferdinando Iannone. (Kein CC!)

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Ließ sich Hitler von Arndt inspirieren?

Ein Leser unseres Blogs wies uns vor kurzem darauf hin, dass wir einmal in T. W. Ryback Werk „Hitlers Bücher“ schauen sollen. Demnach ist Hitlers ältestes noch vorhandenes Militärbuch von Ernst Moritz Arndt.

Und dies ein „111 Seiten langer Aufruf zum militanten Nationalismus aus dem Jahr 1815 mit dem Titel ‚Katechismus für den deutschen Krieg- und Wehrmann‘, worin gelehrt wird, wie ein christlicher Wehrmann seyn und mit Gott in den Streit gehen soll“. Pikant: Hitlers Ausgabe soll laut Ryback eine persönlichen Widmung von Arndts Urenkelin beinhalten (vergleiche  T. W. Ryback, Hitlers Bücher, S. 234).

Laut dem Historiker und Autor Ron Rosenbaum gewähre „Hitlers Bücher“ einen Einblick in das Denken Hitlers, seine Besessenheiten und seine Entwicklung. Unser Leser glaubt, dass diese Tatsache auch ein neues Licht auf die Namensverleihung 1933 der Universität Greifswald werfe. Leider konnten wir selbst noch keinen Blick in das Buch werfen, freuen uns aber über Eure Einschätzung.

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