Tag Archive: Rassismus

Ernst Moritz Arndt erregt auch Bürger in Velbert

Die Ernst-Moritz Arndt Straße nach der Umbenennung

Die Ernst-Moritz Arndt Straße nach der Umbenennung

Und noch eine Nachreichung: Bereits im März 2010 hatten Bürger der Stadt Velbert für einige Tage sich des Namenspatrons „Ernst Moritz Arndt“ im Straßenbild entledigt und die Straße eigenmächtig umbenannt. Die Ernst-Moritz-Arndt-Straße wurde  in Sophie-Scholl-Straße umgetauft. Die Aktivisten in Velbert änderten gleich ein paar andere Namen mit: Umbenannt wurde auch der Ina Seidel-Weg (Autorin und Unterstützerin des Nationalsozialismus) in Gertrud-Koch-Weg und der Agnes-Miegel-Weg (Unterstützerin Adolf Hitlers) in Georg-Elser-Weg umbenannt. In einem Schreiben erklärten die Aktivisten dazu:

„Es ist für uns unerträglich, dass auch im Jahr des 65. Jahrestages der Befreiung von Ausschwitz den geistigen Tätern von einst die Ehre zuteil wird, Namensgeber für eine Straße zu sein. Rechtsradikale und antisemitisches Gedankengut rückt durch solche Praktiken immer weiter in die Mitte der Gesellschaft und wird Alltag.“

Die gesamte Aktion wurde hier kurz dargestellt. Wir danken für die kreative Aktion aus Velbert!

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Rassismus an der Universität Greifswald weiter ein Problem

Ein Plakat des Rechtspopulisten Jörg Haider soll im Bürozimmer des Professors in Rostock gehangen haben, berichten uns Rostocker Studenten

“Migration und Einbindung sind Verrat an der eigenen Kultur”. Solche Sätze kennen wir bisher (ähnlich) nur von unserem „verehrten“ Namenspatron Ernst Moritz Arndt. Nun gibt es jedoch einen Jura-Professor, der an der Universität Greifswald genau solche Thesen verbreitet.

Es ist der Lehrstuhlinhaber für Arbeitsrecht, Professor Ralph Weber. Doch er vertritt nicht nur diese Position. Während eines Referats mit dem Thema “Brauchen wir eine Partei rechts der CDU?”, das er im Rahmen einer Veranstaltung des Vereins Deutscher Studenten hielt, fielen noch ganz andere Sätze.

Nach Angaben der Ostsee-Zeitungvom 30. Juni strebt der Rechtswissenschaftler an, eine Partei rechts der CDU zu gründen. Den Nährboden hierfür sollen Mitglieder der NPD und DVU bilden. Zu diesem Zweck traf er sich bereits mit Udo Voigt (NPD), welcher Hitler für einen “großen Staatsmann” und die BRD für ein “illegitimes System” hält. Matthias Faust von der DVU unterbreitete der Gelehrte ebenfalls seine Idee.

Der Rektor macht, was er am besten kann: Todschweigen!

Spannender jedoch als diese Äußerungen, ist die Reaktion der Universitätsleitung gewesen: Wie schon bei der Debatte und den Rassisten und Antisemiten Ernst Moritz Arndt, schwieg der Rektor. Und schwieg und schwieg. Öffentliche Dementi? Distanzierung? Ordnungsrufe? Nichts dergleichen geschah.

Es bedurfte erst der Ermahnung des Bildungsministeriums bis der Rektor 21 Tage später überhaupt reagierte. Man wolle die Vorwürfe „prüfen“. Die Prüfung dauert heute – fast zwei Monate später – immer noch an. Konsequenzen irgendwelcher Art wurden bis heute nicht gezogen.

In der Zwischenzeit schrieb die Presseabteilung des Rektorats ein paar nette Demokratiefloskeln:

„Wir nehmen die Situation zum Anlass, darauf zu verweisen, dass das Rektorat auch in Zukunft keine Meinungsäußerungen und Aktivitäten dulden wird, die das freiheitlich-demokratische System der Bundesrepublik infrage stellen.“

Keine, außer die von Ernst Moritz Arndt? – Aber zurück zu Weber. Der Satz ist insofern seltsam, da Herr Weber ja gar nichts gegen die Demokratie „als solche“ sagt. Die Gründung einer Partei – wenn auch im rechten Spektrum – ist zunächst einmal ein demokratischer Vorgang – auch wenn die Spaltung des bürgerlichen Lagers aus der Perspektive der CDU ein Verbrechen sein mag. Erst im zweiten Satz der Pressemitteilung kommt der Rektor dann auf eigentlich viel wichtigeren – inhaltlichen – Aspekte zu sprechen:

„Demokratie, Menschenwürde und Toleranz sind gerade für uns als eine der ältesten Universitäten Deutschlands hohe Werte. Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität trägt hier auch eine besondere Verantwortung.“

Soso – seit wann das denn? Einen solchen Satz hätte das Uni-ohne-Arndt-Team auch gerne einmal gehört, als es in den letzten zwei Jahren um die Identität der Universität Greifswald ging. Besonders lustig wird es aber anschließend:

„Nach der friedlichen und demokratischen deutschen Wiedervereinigung ist es uns gelungen, international hohes Ansehen zu erringen.“

Ähm? Wo denn bitte?  Wir erinnern uns eher an die unzählen sehr kritischen  Artikel, die das Image der Universität bis heute belasten.

Übrigens: Greifswalder Studenten berichten vermehrt über rechtsextremistische Äußerungen und diskriminierende Blicke gegenüber Gaststudenten. Weltoffenheit? Doch nicht an der „Ernst Moritz Arndt“ Universität! Auch sonst gibt der Professor sich keine Mühe, seine Einstellung zu verbergen. In der Uni trägt der Professor regelmäßig die Kleidungsmarke Thor Steinar, die als Erkennungszeichen in der rechtsextremen Szene gilt. Im Nordkurier räumte der Professor dies schließlich ein, betonte aber er trage sie „aus praktischen Gründen“. (Na klar – die ganzen anderen Marken halten ja auch nicht warm!!)

Das Bildungsministerium forderte den Rektor daraufhin ebenfalls auf, ein Hausverbot für diese Kleidungsmarke einzuführen, wie es auch im FC Hansa Rostock Stadion gibt. Auch dies befindet sich wahrscheinlich noch „in der Prüfung“.

Und so entsteht in Mecklenburg Vorpommern Stück für Stück ein wunderschönes Rechtsextremismus-Cluster. In Newslettern empfielt die NPD ihren Kameraden bereits in Mecklenburg Vorpommern zu studieren, da es hier soviele „Gleichgesinnte“ gäbe. Die Universität Greifswald drängt sich inzwischen geradezu auf.

Offenbar sind sich die Universität und der Rektor noch immer nicht klar darüber, dass die Kultur des „Wegschauens“ diesen Trend immer weiter verschärfen. Das „Schweigen“ in der Öffentlichkeit über Rechtsextremismus im Kollegium, machen es stets nur noch schlimmer.

Text: Teil des Textes wurde aus diesem CC webMoritz Text von Marco Wagner übernommen.

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Befürworterparty – warum sich nichts verbessert hat

Am 19. Mai heißt es in der Greifswalder Lokalausgabe der Ostsee-Zeitung: „Wissenschaftler diskutieren über den Unipatron“.

„Greifswald (OZ) – „Ernst Moritz Arndt in der politischen Propaganda des 20. Jahrhunderts“ wird Thema des Vortrags des Kieler Professors Reinhart Staats am 28. Mai im Pommerschen Landesmuseum sein. Zwei Monate nach der Entscheidung des Senats gegen die Ablegung des Greifswalder Universitäts-Namens befasst sich die Historische Kommission auf einer Konferenz aus Anlass des 150. Todestages des Patrons mit dessen „Anstößen und Wirkungen“. Die Konferenz beginnt am 28. Mai um 14 Uhr mit einem Vortrag des Berliner Privatdozenten Olaf Bader über „Gedeutete Helden. Zum Problem historischer Personen als Erinnerungsorte“. Die Konferenz wird am 29. Mai um 9 Uhr fortgesetzt. Professor Reinhard Bach und Doktor Irmfried Garbe sind von der Uni dabei.“

Wer diskutiert dort also über Arndt? Wir wollen hier noch einmal eine Grafik in Erinnerung rufen:

Von allen Wissenschaftlern, die sich öffentlich geäußert hatten, sprachen sich 2009/2010  fünf Vertreter mit sehr zweifelhaften Argumenten für Ernst Moritz Arndt aus. 19 jedoch empfahlen der Uni die Ablegung des rassistischen Namenpatrons.

Das nun die Ewig-Gestrigen (Garbe, Bach, Staats) auch auf dieser Konferenz ihre alten Thesen vertreten werden,  ist kaum überraschend.

Peinlich ist jedoch, dass genau diese Arndt-Befürworter (laut OZ-Artikel) von der Universität auch noch offiziell „geschickt“ wurden! Dies zeigt erneut: Das Rektorat ist nicht bereit, Konsequenzen aus der Debatte des letzten Jahres zu ziehen. Sie bleibt bei der alten Politik des Schweigens und Verharmlosens. Arndts Rassismus und Antisemitismus – für das Rektorat der Uni kein Thema.

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Ließ sich Hitler von Arndt inspirieren?

Ein Leser unseres Blogs wies uns vor kurzem darauf hin, dass wir einmal in T. W. Ryback Werk „Hitlers Bücher“ schauen sollen. Demnach ist Hitlers ältestes noch vorhandenes Militärbuch von Ernst Moritz Arndt.

Und dies ein „111 Seiten langer Aufruf zum militanten Nationalismus aus dem Jahr 1815 mit dem Titel ‚Katechismus für den deutschen Krieg- und Wehrmann‘, worin gelehrt wird, wie ein christlicher Wehrmann seyn und mit Gott in den Streit gehen soll“. Pikant: Hitlers Ausgabe soll laut Ryback eine persönlichen Widmung von Arndts Urenkelin beinhalten (vergleiche  T. W. Ryback, Hitlers Bücher, S. 234).

Laut dem Historiker und Autor Ron Rosenbaum gewähre „Hitlers Bücher“ einen Einblick in das Denken Hitlers, seine Besessenheiten und seine Entwicklung. Unser Leser glaubt, dass diese Tatsache auch ein neues Licht auf die Namensverleihung 1933 der Universität Greifswald werfe. Leider konnten wir selbst noch keinen Blick in das Buch werfen, freuen uns aber über Eure Einschätzung.

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Gedanken zur Aktualität der Arndt-Debatte

Der Minarett-Streit in der "BILD" zeigte wie auch heute Vorurteile & Ressantiments gegenüber Moslems und Türken genutzt werden können. Die Geschichte zu diesem Bild im Link am Ende des Textes.

Es ist auffällig, dass Arndt stets von „die Franzosen“ sprach – anstatt Napoleon direkt verantwortlich zu machen.

Diese Redeweise ist der Ausdruck von Arndts Pauschalurteilen: „Die“ Polen, „die“ Iren und „die“ Franzosen gibt es ebenso wenig in der Realität wie „die“ Deutschen oder „die“ Juden. Jedoch kann man an dem Ausmaß, in dem etwa die Redeweise von einer angeblichen „Deutschstämmigkeit“, entsprechend „türkischstämmig“ ermessen, wie weit diese Form des Realitätsverlustes, den Arndt mit seinen Schriften damals bediente heute verbreitet ist.

Das ist bis heute so geblieben, denn wir leben nach wie vor im Zeitalter des Nationalismus, auch wenn viele zu tun, als hätten wir diesen längst überwunden. Die napoleonische Herrschaft bloß als „Unterdrückung“ und „Fremdherrschaft“ hinzustellen, ist ebenfalls eine Ausdrucksform des angeblich „gesunden“ nationalen Volksempfindens und hat nichts mit einer differenzierten Geschichtsbetrachtung zu tun.

Gegen die Auffassung, bei der napoleonischen Herrschaft habe es sich ausschließlich um „Unterdrückung“ gehandelt, spricht sowohl die Tatsache, dass die französischen Armeen als Befreier begrüßt wurden, als sie nach Deutschland kamen, da sie die feudalen Herrschaftsverhältnisse abschafften (gegen die Arndt ja auch war) und u. a. auch das französische Zivilrecht, den Code Napoleon, einführten. Neben zahllosen anderen Fakten spricht gegen eine solche Auffassung vor allem schon die Tatsache , dass sich die Rheinländer, als das Rheinland 1815 preußisch wurde, die Einführung des preußischen Rechts verbaten und das französische Zivilrecht, den Code Napoleon, den besagter Napoleon dort eingeführt hatte, beibehielten. Arndt wusste das; als Bonner lebte er selbst unter dem Code Napoleon, schreibt aber, so weit wir das wissen, nichts dazu. Wo die Wirklichkeit seine Bilder störte, klammerte er sie aus. Der Code Napoleon galt im Rheinland bis zum Jahre 1900, erst dann akzeptierten die führenden rheinischen Kreise die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

Von daher berührt die kritische Beschäftigung mit Arndt sehr viel grundsätzlichere gesellschaftliche Probleme, als dies unserer Beobachtung nach den meisten bewusst ist. Nicht zuletzt erleben wir fast täglich in der Ostsee-Zeitung, wie das dumpfe Volksempfinden, dass sonst eher zurückgehalten wird, nach oben gespült wird. Darin besteht Arndts Aktualität, denn er bedient die nationalistischen und rassistischen Ressentiments.

Nicht zuletzt wollte Arndt, von dem gewisse Kreise sagen, er sei angeblich für die Meinungsfreiheit eingetreten, alle Schriftsteller, die wie Prof. Kosegarten anderer Meinung als er waren, „in Säcke stecken“ und „ersäufen“. Die Auseinandersetzung zwischen Arndt und Kosegarten ist viel grundsätzlicher, weitreichender und bedeutender, als es zunächst den Anschein hat. Kosegarten sieht auch schon 1813, dass es hier nicht um „Befreiung“ ging, jedenfalls nicht des deutschen Volkes, die auch nicht kam. Die Fürsten traten einfach nur an die Stelle Napoleons. Arndt diente eben auch nicht dem Volk, sondern dem russischen Zaren.

Quelle: Eine E-Mail Zuschrift

Foto & die Geschichte dazu: Bild-Blog

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Peter Petersen: Schulen distanzieren sich von antisemitischem Namenspatron

Durch das vor kurzem von Benjamin Ortmeyer (Universität Frankfurt) veröffentlichte Buch über Erziehungswissenschaftler in der NS-Zeit wurde eine Debatte um den Reformpädagogen Peter Petersen ausgelöst. Petersen, Namenspatron einiger deutscher Schulen, den man bisher mit seinen Errungenschaften in der Pädagogik in Verbindung brachte, hat jedoch noch eine zweite Seite. Diese wurde nun durch Ortmeyer näher beleuchtet und die Tatsache, dass Petersen Rassist, Antisemit und Anti-Demokrat war, ist nicht zu leugnen. Schon ein Gegner der Weimarer Republik, trat Petersen zwar nicht in die NSDAP ein, unterstützte aber die nationalsozialistische Idee und distanzierte sich auch später nicht von seinen Aussagen.

„Der Name ist nicht mehr haltbar, weil Peter Petersen nicht mehr als Vorbild und Orientierungspunkt dienen kann“.

Dies sagte die Schulleiterin der Peter Petersen Gesamtschule in Wellingsbüttel, Hamburg, dem Hamburger Abendblatt. Andere Schulen haben den Titel bereits abgelegt.

Natürlich sind Petersen und Arndt nicht gleichzusetzen, da sie beide in einen anderen zeitlichen Kontext zu setzen sind und auch weitere Unterschiede bestehen. Doch grundsätzlich gilt: Obwohl Petersen die Gesellschaft durch seine Arbeit bereichert hat, überwiegen die Gegenargumente und er ist inzwischen als Namenspatron moralisch nicht mehr tragbar – da werden doch Parallelen deutlich! Die Distanzierung von einer Person als Namenspatron ist also in so einigen Fällen nötig – und wie sich zeigt – auch möglich!

Lest mehr im Hamburger Abendblatt

Quelle: Hamburger Abendblatt, Artikel vom 1.12.2009

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Aktuelle Forschung: Arndt stand fest „im rassischen Volkstum“

Was sagt eigentlich die aktuelle Forschung zu Arndt? Vor einigen Wochen hat uns der Würzburger Historiker Peter Fasel angeboten einen Auszug aus seinem neuen Buch zu veröffentlichen. Das Buch mit dem Titel „Revolte und Judenmord. Hartwig von Hundt-Radowsky (1780-1835). Biografie eines Demagogen“ soll zwar erst im Herbst erscheinen, doch der Historiker bietet uns schon jetzt einen Einblick. Denn der Autor widmet in dem Buch auch unserem Namenspatron Ernst Moritz Arndt fast ein ganzes Kapitel.

Dies liegt auch gar nicht so fern, denn beide waren Vordenker des modernen Antisemitismus und lebten in der selben Zeit. Hundt-Radowsky wurde im gar nicht so weit entfernten Mecklenburgischen Parchim geboren. Seine wichtigste Hetzschrift „Der Judenspiegel“ veröffentlichte er im November 1819 . Dieses unrühmliche „Hauptwerk“ stellt laut Wikipedia ein außergewöhnliches Beispiel frühen „rassistischen“ Gedankengutes dar. Es verbindet – wie bei Arndt – rassisch-völkische Argumentationslinien sowie „klassische“ religiöse Stereotype. Hundt-Radowsky propagierte u. a. den Verkauf jüdischer Kinder als Sklaven an Engländer, um weitere jüdische Nachkommen zu verhindern, und zuletzt Ausrottung und Vertreibung aller Juden.

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Neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft

Mit der Zustimmung von Verlag und Autor dürfen wir Euch quasi exklusiv einen Auszug aus dem Arndt-Kapitel präsentieren. Die Auszüge bestätigen unsere Kritik: Arndt war ein Antisemit. Herrn Fasel geht in seinem Buch aber viel mehr in die Tiefe als wir dies hier auf unserer Website gehen können. Fasel weist in seinem Buch nach, wie stark Arndt den Frühnationalisten und der antisemitischen Ideologie der Nazis den Weg bereitete. Kein Wunder, dass Herr Fasel uns „viel Erfolg“ bei der Umbenennung der Universität wünscht…

Zur Übersichtlichkeit veröffentlichen wir hier nur einige Zitate. Den Auszug aus dem Kapitel, inklusive aller Zitat- und Quellenangaben, könnt ihr hier als als PDF-Dokument lesen. Das Buch kann bereits jetzt bei der Süddeutschen Zeitung vorbestellt werden.

  • „Arndts ganzes Leben ist so etwas wie Erwachen zum und Leben im Deutschtum“, lobt ihn Bartels (Ehrenmitglied der NSDAP). Seine Geschichtsanschauung sei „schon von Rassenerkenntnis getragen“, fest stehe Arndt „auf der Heimaterde und im rassischen Volkstum“. Er sei der Idealtypus des deutschen Volkstumspolitikers. „In seinem Geiste werden wir siegen.“
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  • Arndt […] propagiert den Glauben, „die Deutschen“ seien rassisch und sprachlich rein geblieben wie kein anderes europäisches Volk. Auf ihrer Urerde hätten sie über Jahrtausende hinweg das, in NS-Diktion, heilige Bluterbe Germaniens bewahrt. Die Überlegenheit der Deutschen beruhe neben der Reinheit ihres Blutes auf einer Ursprache, über die sie allein verfügten. Die Überhöhung der deutschen Nation sei Gottes Wille, der „allweltliche Judensinn“ des Kosmopolitismus (Anm. d. Red.: ~ Weltbürgertum) werde dagegen von Gott abgelehnt.
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  • photo_v_leni_riefental

    Arndts "Idealgermane" - hier verfilmt von Leni Riefenstahl ?

    Arndts Idealgermane ist der hochgewachsene, kampfgestählte blonde Krieger, der, voll treu-ergebener Einfalt und, wo immer nötig, des Hasses und der Brutalität fähig […]. Die Deutschen der Gegenwart hingegen seien verweichlicht, verwälscht, infiziert von Humanitätsduselei, zerstritten und zersplittert. […]
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  • Nach der Niederlage Frankreichs fordert Arndt die Erniedrigung, zeitweise militärische Besetzung und dauerhafte territoriale Amputation des Erzfeindes. In seiner Zeitschrift „Der Wächter“ propagiert er die Fortsetzung des Krieges und die Ausweitung des deutschen Herrschaftsgebietes. Nach Innen will er ein „heiliges Zensoramt“ einrichten „gegen alles, was in Sitte, Sprache, Art, und Gesinnung unteutsch ist.
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  • […] 1848/49 polemisiert er „gegen demokratisches Ungeziefer“, gegen „kosmopolitische Schelme von Juden und Franzosen“ und fordert, aufständische Demokraten wie „wilde gesetzlose Wölfe“ abzuknallen.
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  • Dem Germanisten Knauer zufolge ist Arndt „vielleicht der erste große Deutsche, der Rassebewußtsein hat“. Und ein anderer Nationalsozialist, Hermann Blome, nennt ihn den „ersten Vorkämpfer für eine rassenhygienische Kulturpolitik.“ Arndts 1803 veröffentlichtes „Germanien und Europa“ wird 1940 neu gedruckt, versehen mit einer Einleitung des Herausgebers Ernst Anrich.

Den ganzen Kapitel-Auszug hier lesen. In einem anderen Abschnitt geht Fasel auf Arndts Hass gegen Polen ein.

Tipp: Einen Artikel über dieses Thema hat Peter Fasel auch hier in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ veröffentlicht. Auch dort geht es neben Hundt-Radowsky um Ernst Moritz Arndt.

Update vom 6. Oktober nach dem Klick:

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Arndt-Lesung: Besorgte Bürger rufen Polizei

(Dieser Artikel wurde aus dem Studentenportal webMoritz.de übernommen!)

Am Montagmittag machten vor der Mensa einige Studenten, darunter auch die Mitglieder des Studierendenparlaments (StuPa) Anne Klatt, Peter Madjarov (beide GHG) und Sebastian Jabbusch, mit einem Info-Stand der etwas anderen Art auf die Problematik rund um Ernst Moritz Arndt, den Namenspatron der Greifswalder Universität aufmerksam.

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StuPa-Mitglied Sebastian Jabbusch zitierte aus Arndt-Texten

Mit Flyern, großen Plakaten und vor allem einer Lesung von Arndt-Zitaten machte man auf die vielen abschreckenden Stellen in Arndts Werken aufmerksam. Das gerade die Lesung einen satirischen Aspekt hatte, wurde dabei nicht jedem klar. Zwischenzeitlich rissen Studenten Plakate mit Arndt-Zitaten von der Mensawand, bis sie darüber aufgeklärt wurden, dass es sich keineswegs um eine Aktion von Rassisten und Antisemiten handelte.

Auch andere Einwohner reagierten schockiert und riefen die Polizei, als sie die Hasstiraden gegen Juden und Franzosen vernahmen. Mangels städtischer Genehmigung musste der Infostand daraufhin in das Mensa-Foyer verlegt werden.

Wirklich zu informieren schienen sich jedoch auch heute wenige. Rund ums Rednerpult sammelten sich lediglich die üblichen Verdächtigen – in Solidarität zu den Organisatoren einige Gremienvertreter, argwöhnisch beäugend die üblichen Verdächtigen aus dem „Pro-Arndt-Bereich“. Weiterlesen

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