Tag Archive: Ostsee-Zeitung

„Westprofessoren“ und gezielte Meinungsmache – eine nicht hinnehmbare Diskussionskultur

„Westprofessoren“ und gezielte Meinungsmache – eine nicht hinnehmbare Diskussionskultur für zwei Greifswalder Studenten. Sie nahmen sich der Probleme an und publizierten das Ergebniss in einem wissenschaftlichen Band.

Der 17. März dieses Jahres [2010] verlief relativ alltäglich und unscheinbar: Das Wetter in Greifswald war grau, viele Prüfungen waren erledigt, die Semesterferien näherten sich dem Ende. Was an diesem Tag hinter den Türen des Universitätshauptgebäudes passierte, in dem der akademische Senat tagte, war eine der lang erwarteten Entscheidungen. Zwei Lager haben sich beim Rubenowplatz eingefunden. Die einen sind für, die anderen gegen die Beibehaltung des Namenspatrons „Ernst Moritz Arndt“, der 1933 eingeführt wurde.

Eine fast einjährige Debatte mit vielen Höhen und Tiefen, insbesondere in der (Hochschul-)Politik, ging diesem Tag voraus. Durch eine Inszenierung Arndts von Sebastian Jabbusch und dem Vortragen von antisemitischen Zitaten wurde wieder eine ganze Welle an Streitgesprächen und manchmal auch Anfeindungen zwischen Studierenden, Bürgern der Stadt und anderen Beteiligten ausgelöst.

Bei der Vollversammlung der Studierendenschaft im Juni 2009 stimmte eine klare Mehrheit der Anwesenden dafür, dass die studentischen Gremien den Namen „Ernst Moritz Arndt“ ablegen sollten, und das Studierendenparlament (StuPa) sich dem Antrag anschließen solle. Noch dazu kam eine Entscheidung, die bisher einmalig in der 550-jährigen Geschichte der Universität war: Eine studentische Urabstimmung sollte her.

Unter anderem auf Initiative von studentischen Senatoren – darunter Fabian Freiberger und Thomas Schattschneider – gründete sich wegen der Debatte auch im akademischen Senat eine Kommission. Diese sollte erarbeiten, welche Argumente für und welche gegen Arndt als Namenspatron der Universität sprechen. Der Senat entschied sich – unabhängig vom Ergebnis der Urabstimmung – am 17. März 2010 für den Namenspatron. Die Senatsvorsitzende Maria-Theresia Schafmeister erklärte nach der Entscheidung in einem Beitrag von moritzTV: „Uns ist durch diese Entscheidung der Auftrag gegeben worden, sich kritisch mit der Person Arndt auseinanderzusetzen. Die Debatte um den Namenspatron wird nicht aufhören.“ Weiterlesen

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Die selektive Wahrnehmung / Hetze der OZ

Wie der Fleischervorstadt-Blog feststellte, ist die Frage, wie die Greifswalder Öffentlichkeit – insbesondere ihre Lokalzeitung – mit dem Problem „Ernst Moritz Arndt“ umgeht inzwischen viel spannender, als die eigentliche Debatte über Arndt, die so (bewußt oder unbewußt) verdrängt wird. Ein neues Paradebeispiel lieferten die OZ mit der verzehrten Veröffentlichungen der Kommentare der Professoren Klüter und Baumgartner:

Schritt 1 – Selektion:

Das Statement von Prof. Baumgartner suchte nach einem harmonischen Weg, wie die Uni  nun mit der Krise an der Universität umgehen könnten. Für die OZ offenbar zu harmonisch und daher bis heute nicht mal erwähnt. Stattdessen wird nur die berechtigte, aber deutlich schärfere Kritik von Prof. Klüter abgedruckt.

Schritt 2 – Verkürzung & Polarisierung:

Aus Klüters Statement (23 Sätze) nimmt die OZ nur die drei schärfsten (Teil-)Sätze  heraus. Von 4093 Zeichen bleiben nur 537 übrig, die Zeitung verkürzt so das Statement um ~ 87 %.

Schritt 3 – negativer Kontext:

Das Statement lag der Ostsee-Zeitung bereits seit über zehn Tagen als Leserbrief bzw. Statement vor. Die OZ veröffentlichte das Statement jedoch nicht. Also taten wir das auf unserer Seite. Erst als Axel Hochschild (CDU) eine Pressemitteilung auf MV-Regio gegen Klüter veröffentlichte, erschienen eben die stark verkürzten Zitate aus Klüters Statement in der OZ – nun natürlich eingebettet in scharfer Kritik von Hochschild.

Im Artikel behauptet die Lokalzeitung, dass das Statement auf der „Seite der Initiative“ veröffentlicht wurde. Das ist zwar richtig, verschweigt aber, dass das Schreiben ursprünglich an die OZ ging. Stattdessen könnte der Hinweis der Veröffentlichung auf unsere Seite auch gewisse Ressentiments beim Leser wecken – alá „Ach aus der Ecke…!“ Auch die Internetadresse unserer Seite veröffentlichte die Ostsee-Zeitung – wie üblich – nicht. Im schlimmsten Fall könnten die Leser ja den Text von Prof. Klüter im Original und in Gänze lesen!

Schritt 4 – verzerrende, reißerische Überschrift:

Mit der Überschrift „Arndt-Debatte: Klüter vergleicht Entscheidung mit Nazi-Beschluss“ hat die OZ die scharfe Kritik von Prof. Klüter absurd übertrieben. Faktisch hat Prof. Klüter die Entscheidung des Senats nicht mit dem Nazi-Beschluss verglichen. Dies ist schlicht falsch. (Orginaltext hier lesen!) Klüter selbst hat sein Statement bei der OZ mit der Überschrift „Der rechte Ungeist“ eingereicht.
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Schritt 5 – Verweigerung einer Richtigstellung:
Sofort forderte Prof. Klüter die OZ schriftlich auf, die Behauptung richtig zu stellen. Einer Richtigstellung kam die OZ – wie auch schon bei Prof. Buchholz – nicht nach. Stattdessen veröffentlichte sie nach guter alter Tradition keine eigene Richtigstellung, sondern lies nur den Betroffenen erst zwei Tage später in Form eines Leserbriefes den Fehler der Redaktion berichtigen. Um es jedoch klar zu sagen: Das ist keine Berichtigung! Zudem wurde die „getarnte“ Richtigstellung mit den Worten eingeleitet „Prof. Klüter fühlt sich missverstanden„. Dass es eigentlich die OZ war, die mit ihrer Überschrift schlicht falsche Tatsachen behauptet hat, wird bewusst heruntergespielt.
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Schritt 6 – Verächtlichmachung über (teils gefälschte) Leserbriefe:

Am selben Tag mit der „versteckten“ Richtigstellung von Klüter werden zwei Leserbriefe von – wen wird es überraschen – empörten Greifswaldern veröffentlicht. Einer bezieht sich sogar expliziet auf den von der Ostsee-Zeitung erfundenen „unsäglichen Vergleich„. Auch die Reihenfolge der Leserbriefe ist interessant: Zunächst kommt die Kritik am eben angeblich von Klüter stammenden „unsäglichem Vergleich“, erst dann die Richtigstellung von Klüter. Wie hätte es gewirkt, wenn die Reihenfolge anders herum wäre? Hätte sich dann nicht auch der OZ Leser gefragt, ob sich die Kritik aus anderen Leserbrief nicht erledigt hat? Hmm – also lieber Klüter nach hinter. Das gleiche Spiel in der Überschrift der Leserbriefspalte. Zwar wird dort Klüters Richtigstellung aufgegriffen, allerdings nicht der Satz „Die Überschrift war falsch„, sondern der Satz “ Ich habe die Senatsentscheidung nicht mit einem Nazi-Beschluss verglichen“. Letzteres hört sich wie eine Art „Rückzug“ oder einem „späten Eingeständnis“ an, wie man es von Politikern gewohnt ist, wenn sie merken, dass ihre Position nicht halbar ist. „Ich habe… nicht…“ bezieht das Problem zudem auf Prof. Klüter, nicht auf die Ostsee-Zeitung. „Ich habe… nicht…“ suggeriert außerdem das hier Aussage gegen Aussage steht. Da die Ostsee-Zeitung ja weder eine Richtigstellung noch den Originaltext je veröffentlicht hat, ist es dem Leser auch nicht möglich objektiv nachzuvollziehen, wer Recht hat. War die Überschrift einfach nur frech, ist dies hier echte Verleumdung.
Die zwei Kritik-Leserbriefe sind übrigens sowohl länger als der Prof. Klüter zur Verfügung gestellter Leserbrief-Platz für die „versteckte“ Richtigstellung, aber auch länger als die drei zitierten Sätze von Prof. Klüters Ursprungsstatement. Klüters eigener Leserbrief, den der Professor zusammen mit der Bitte um Richtigstellung einreichte, wurde hingegen überhaupt nicht veröffentlicht. Ihr könnt ihn wieder nur bei uns lesen.
Spannend ist auch ein zweite Kritiker Leserbrief einer gewissen „Simone Paluske“. Den Familiennamen gibt es  nicht im Telefonbuch. Und damit meine ich nicht das Greifswalder Telefonbuch, sondern das gesamte deutsche Telefonbuch. Die Frau scheint also auch keine Verwandte zu haben. Sie hat übrigens auch keine Verwandte wenn man das „l“ und das „u“ umdreht – ein einfacher Schreibfehler scheint es also auch nicht zu sein. Noch spannender aber: Es findet sich kein einziger Treffer über sie im Internet. Es gibt also keine „Simone Paluske“ oder „Paulske“: Weder in Greifswald, noch in Chicago oder Haiti. Zumindest kann man festhalten, dass dies ihre global erste öffentliche Erwähnung in ihrem Leben ist. Schon komisch oder? Uns erinnert der Leserbrief dafür vom Schreibstil und Inhalt einen von uns heißt geliebten Hobby-Rentner und Arndt-Fan… Zumindest früher soll sich die Ostsee-Zeitung aber auch selbst ihre eigene Leserbriefe geschrieben haben. Frau Paluske: Wenn es Sie gibt: Melden Sie sich bitte bei uns. Wir nehmen dann dieses Statement gerne wieder offline: uniohnearndt [at] googlemail.com oder 0176 20336676 oder einfach in den Kommentaren. Jeglicher halbwegs glaubhafter Nachweis über Ihre Existenz wird akzeptiert!
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Unsere Fragen an die Ostsee-Zeitung:
  • Glauben Sie ernsthaft, dass sich noch EIN Arndt-Kritiker öffentlich äußert, wenn Sie eine derartitige Hetzkampagne führen?
  • Ist das der „richtige Umgang“ mit einer so schwierigen und heiklen Debatte?
  • Wann veröffentlichen Sie das Statement von Prof. Baumgartner?
  • Überprüfen Sie die Identität auffälliger Leserbriefen überhaupt?

Nach dem Klick lesen Sie die von der OZ nicht abgedruckte Antwort von Prof. Klüter auf die unsägliche Diffamierung durch CDU-Frontmann Axel Hochschild. Weiterlesen

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Presserat: Dämpfer für die Ostsee-Zeitung

Insbesondere zu Beginn der aktuellen Arndt-Debatte wurde in der OZ sehr einseitig und parteiisch berichtet. Der zuständige Lokalredakteur, Eckhard Oberdörfer, gab sich wenig Mühe, seine politische Haltung zu verbergen und seine Artikel dementsprechend zu gestalten: So bedurfte es erst einer Beschwerde bei der Chefredaktion in Rostock bis auch wir – die Initiative „Uni ohne Arndt“ – nach zwei Monaten Debatte überhaupt erstmal die Chance bekamen, unsere Kritik am Namenspatronat darstellen zu dürfen. Aber auch in diesem Artikel fand sich die verhängnisvolle und schlicht falsche Behauptung wieder, wir seien nicht an einer wissenschaftlichen Debatte interessiert.

Eckhard Oberdörfer hatte auch 2001 – bei der letzten großen Arndt-Debatte – die Artikel geschrieben. Die Germanistin Dr. Monika Schneikart untersuchte zwei Jahre später in einer Diskursanalyse die Berichterstattung der OZ. Sie stellte unter anderem fest:

  • “Inhaltlich reden durften bis auf eine Ausnahme nicht die Wissenschaftler des Kolloquiums. Reden durften nur die von den lokalen Presseverantwortlichen Zugelassenen.”
  • “Es gab Kürzungen und Ausschlüsse. Die Berichterstattung über das Kolloquium selbst muß als Verzerrung, wenn nicht als Verfälschung gekennzeichnet werden.”
  • “Indem einzelne Diskutanten, wohl nicht zufälligerweise alle aus der Arndt-Kritiker-Gruppe, persönlich diffamierend angegriffen wurden, ist auch hier von einem Ausschußverfahren zu reden”.

Bei der Arndt-Debatte 2009 / 2010 wiederholte sich dies. Erstes Opfer war der Arndt-Kritiker Professor Buchholz. Eckhard Oberdörfer ätzte über den Historiker in diesem Artikel, natürlich ohne den Betroffenen vorher auch nur einmal anzurufen. Im Artikel behauptete der Lokalredakteur, Buchholz hätte bei der Vollversammlung gesagt, dass er „gegen wissenschaftliche Differenzierung“ sei. Auch die spätere Veröffentlichung des Original Redemanuskripts  (hier), das bewies, dass Buchholz das genaue Gegenteil sagte, führte zu keiner Richtigstellung der OZ. Die Behauptung, Herr Buchholz hielte sich nicht sehr häufig in Greifswald auf, grenzte schließlich an „üble Nachrede“ – zumal der Professor ein Haus in Greifswald besitzt.

Während wir auf Beschwerden bei Presserat verzichteten, nahm Professor Buchholz  die manipulative und verzerrende Presseberichte nicht einfach hin. Eckhard Oberdörfer musste schließlich gegenüber dem Presserat zugeben, dass er keine Quellen für seine Behauptungen hatte. Angeblich habe er das Zitat von einem Mitarbeiter des Historischen Instituts „ungeprüft übernommen“. Prof. Buchholz startete daraufhin eine Umfrage.  Ergebnis: Niemand hat mit der OZ gesprochen. Eine exemplarische Antwort (Name bekannt):

„Sehr geehrter Herr Buchholz, ich hatte keinen Kontakt zur OZ. Hätte ich diesen gehabt, wäre das Letzte, was ich gemacht hätte, Ihrem entschlossenen und gut begründeten Eintreten für eine Umbenennung der Universität durch üble Nachrede in den Rücken zu fallen.“

Nun erhielt die OZ immerhin einen sogenannten “Hinweis” vom Presserat für diesen Artikel.

In einem kurzem Gespräche haben wir Benjamin Fischer, seit März neuer Redaktionsleiter der Ostsee-Zeitung Greifswald, dazu befragt. Er machte deutlich, dass er damals noch nicht verantwortlich war.  Zudem wies er darauf hin, dass es nur ein Hinweis, keine Rüge sei und sie sich auch nicht auf alle kritisierten Teile des Artikels bezöge. Er betonte, dass man versuche, ausgewogen zu berichten, es aber mit einer schwierigen Materie zu tun habe. Bei allen Beteiligten würde die Emotionen schnell „hochkochen“.

Wir sind erleichtert, dass mittlerweile zumindest der scharfe Ton gegen die Studenten und („West“)Professoren  gewichen ist. Dieser lebt sich allerdings weiterhin in den Leserbriefen aus. Eine ausgewogene und kritische Darstellung über Arndts Antisemitismus und Rassismus, wie in anderen Lokalzeitungen üblich, fehlt uns in der OZ noch immer. Es ist also wenig verwunderlich, dass viele Greifswalder noch immer fassungslos und ungläubig den Kopf darüber schütteln, dass „Studenten und gar einige ‚fremde‘ Professoren behaupten, der Arndt hätte was gegen Juden gehabt“.

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Diskursanalyse: Verzerrung und Verfälschung

Germanistin Dr. Monika Schneikart, untersuchte anno 2003 in einer Diskursanalyse die letzte große Arndt-Debatte aus dem Jahre 2001. Die Debatte entbrannte sich damals nach einem wissenschaftlichen Kolloquium an der Universität. Für Ihre Untersuchung berücksichtigte sie 24 Debattenbeiträge – meist Leserbriefe in der Greifswalder Lokalzeitung (OZ). Schneikart kam dabei zu interessanten Ergebnissen, die wir Euch hier präsentieren wollen.

Hier zunächst Ihre Fragestellung:

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Dr. Monika Schneikart

„Als Untersuchungsfeld interessiert mich das diskursive Verhalten in dieser Debatte, m.a.W. die Arndt-Debatte als semantisches und performatives Phänomen des Demokratiediskurses in unserer Gesellschaft. […] Wie gehen die Gruppen miteinander um: offen, sich selbst und ihre Position reflektierend, um im Dialog weiterzukommen oder die Positien dualistisch und naturalisierend im Sinne von „ewigen nicht hinterfragbaren Wahrheiten“

Ihre Analysen:

  • „Inhaltlich reden durften bis auf eine Ausnahme nicht die Wissenschaftler des Kolloquiums. Reden durften nur die von den lokalen Presseverantwortlichen Zugelassenen.“
  • „Es gab Kürzungen und Ausschlüsse, die Berichterstattung über das Kolloquium selbst muß als Verzerrung, wenn nicht als Verfälschung gekennzeichnet werden.“
  • „Indem einzelne Diskutanten, wohl nicht zufälligerweise alle aus der Arndt-Kritiker-Gruppe, persönlich diffamierend angegriffen wurden, ist auch hier von einem Ausschußverfahren zu reden“.
  • „Nach der pars-pro-toto-Figur wurde also zugleich die ganze Gruppe symbolisch ausgeschlossen. Damit entfällt die Grundvoraussetzung für die Klärung von Interessensgegensätzen […]. Demokratisches Agieren ist diese Handlung nicht zu nennen.
  • „Gab es auch „frewillig“ Schweigende? Diese Frage muß sich die Universität, müssen sich ihre Führungsgremien gefallen lassen. […] Die Abstinenz mit der politische Gremien der Universität auf die wissenschaftlichen Ergebnisse des Kolloqiums und auf die ihm zugrundegelegte Frage nach den Werten der von ihnen getragenen und repräsentierten Institution Hochschule reagierten, rückt die Universität nach außen weit weg von einer sich im demokratischen Meinungsprozeß befindlichen […] Institution.“

Zu den Inhalten der sogenannten „Debatte“:

  • Der von Arndt-Befürwortern vielgebrauchte Begriff der „Freiheit“ wurde stets eindimensional verwendet als „Freiheit wovon“. Die Frage „Freiheit wozu“, also ‚wofür‘ Arndt seine Freiheit erkämpfen wollte, diese Antwort wurde jedoch verschwiegen.
  • Die Arndt-Befürworter haben zudem viel von „Einheit“ gesprochen und implizit versucht Arndt-Kritiker als Feinde der Deutschen Wiedervereinigung  darzustellen.
  • Statt über die Namensfunktion der Universität zu sprechen, wurde nur über Arndt gesprochen. Scheikart zitiert das Studentenmagazin „Moritz“ und bezeichnet dessen Analayse als „auf den Punkt gebracht“:  „Statt der Debatte um die Tragbarkeit von Arndt wäre eine andere Debatte von größter Dringlichkeit gewesen: welche Funktion hat ein Name überhaupt? Namen haben Repräsentanzfunktion, stehen für akzeptierte und erwünschte Werte“.
  • Sehr viel Wert legt Schneikarts Diskursanalyse auch auf den Versuch der Arndt-Befürworter eine Verbindung zwischen Arndt und dem Begriff „Demokratie“ und „Menschenrechte“ herzustellen. Außerdem wurden die Arndt-Kritiker als „in der Tradition des linken Totalitarismus“ diffamiert; sie seien „Feinde der Demokratie“.

Prof. Schneikart hält dazu fest:

„[Arndt-Kritiker] werden politisch klassifiziert und negativ konnotiert, statt sich mit der Kritik auseinanderzusetzen; zentrale Werte werden als bedroht hingestellt und so eine positive Assoziationskette zu Arndt bzw. seinen Positionen gezogen. Meinungsfreiheit, Demokratie werden figural in Opposition zu „linke(m) Totalitarismus“ gesetzt, d.h. der Dualismus demokratisch vs. diktatorisch ist das Angebot für die dualistische Nennung der Personen „Arndt“ und „X als Arndt-Kritiker“.“

  • Ihr Fazit:

„[…] Das gegenwärtige Zeichengebungsverfahren „Arndt“ enthält folgende Bestandteile: die Partialwerte Einheit und Freitheit, statt einer argumentativen, selbstreflexiven Auseinandersetzung, die Konservierung „alter“ Bedeutungen (wahrnehmbar an der Abwehr kritischer Bedeutungsfelder)  sowie die Konstruktion und Diffammierung von „Gegnern“.“

Mit der Zustimmung von Frau Dr.  Schneikart veröffentlichen wir hier Ihre Analyse in voller Länge als PDF. Zu finden ist sie auch in der Alten Bibliothek: „Die Arndt-Debatte als Phänomen des gesellschaftlichen Demokratie-Diskurses. In: Hefte der Ernst Moritz Arndt-Gesellschaft, Nr. 8 (2003), S. 220-234“.

Die Initiative weist hier noch einmal auf die Parallelitäten hin:

Übrigens: Dieser Aufsatz stammt aus einer Aufsatzsammlung, die ihr Euch hier als Ganzes (119 MB) downloaden könnt.

Bildquelle: Institut für deutsche Philologie

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OZ verhindert konstruktive Debatte

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Es ist jedes mal das gleiche: Irgend ein zorniger – meist älterer Herr – schreibt einen „wutentbrannten“ Leserbrief, indem er wahlweise alle Studenten  aus der Stadt werfen möchte, oder die Studenten als „Linksbolschewisten“ beschimpft. Jedesmal schreiben wir eine Antworten, die meist erst nach mehreren Drängen und Hinweis auf die massiven Verleumdungen der Studenten abgedruckt werden.

Dieses mal war es jedoch – zu unserer Freude – ein vergleichsweise sachlicher Leserbrief, der am 16.10. abgedruckt wurde. Erneut schrieben wir einen Antwort, erneut wurde unsere Antwort abgelehnt. Schließlich seien wir ja nicht direkt angeschimpft werden, sagte man uns, so dass es keinen Grund für Antwort gäbe. „Die Ostsee-Zeitung ist schließlich kein Forum“, so einer der Redakteure.

Super! Nun gibt es endlich mal die von allen gewünschte „sachliche“ Debatte. Doch „die“ möchte die Lokalzeitung nun dann auch wieder nicht?!

Fast wollten wir uns damit begnügen, doch nun hing genau dieser Leserbrief als Plakat (wie hier eingescannt) an einem schwarzen Brett in der Uni. Daher veröffentlichen wir unsere Antwort auf diesen Leserbrief nun hier im Internet:

„Dr. Michel liegt falsch. Arndts Rassismus war kein „Randphänomen“, sondern liegt im Zentrum Arndts Hinterlassenschaft und findet sich in fast allen Werken seiner 40jährigen Schaffenszeit. Arndts schuf hunderte politische Schriften, die eine „teutsche“ Nation begründen sollten. Und genau hier liegt das Problem. Denn er wollte die Nation durch Abgrenzung gegenüber „dem Fremden“ begründen. Die „teutsche Rasse“ sei höherwertiger, als die französische, die dänische, die slawische oder eben die jüdische „Rasse“ (Für Arndt waren Völker Rassen. Auch Menschen jüdischen Glaubens seien eine Rasse). Der von Arndt erhoffte „Volkshass auf Frankreich“ sollte die Deutschen zusammenführen. Daher wünschte sich Arndt den Hass auf Frankreich „nicht nur für diesen Krieg, sondern für immer“ und, dass er sich „als heiliger Wahn“ in die „Seelen der Kinder brenne“. Anders als andere Nationaldichter seiner Zeit begründet Arndt seinen Nationalismus im Kern nicht auf einer gemeinsamen Sprache, Geschichte oder Kultur (vgl. Weimarer Klassik), sondern auf einen „gemeinsamen Hass“ – ein zutiefst anti-aufklärerischer Ansatz, selbst damals. Der Versuch von Herrn Michel Arndts Kampf für die Nation und Arndts rassistische Begründung für die Nation zu trennen ist unseriös.  Und klar ist doch auch, dass wir Arndt nicht für seine kaum bekannten Gedichte ehren, sondern für sein Hauptwerk: Das sind eben seine politischen Schriften zur  Nationfindung.

Im reaktionären Monarchisten Arndt will Herr Michel zudem einen „Demokraten“ entdecken. Wir würden dafür gerne Belegen sehen. Seine Abrufung als Professor in der Zeit der Restauration hat mit seiner Hetze gegen die kleinstaatlichen Fürsten zu tun. Eine Republik oder gar eine Demokratie hat Arndt stets lautstark abgelehnt.

Arndt Schrift gegen die Leibeigenschaft wird interessanterweise nie in einen historischen Kontext gesetzt: Zur Veröffentlichung war sie in vielen Teilen Europas längst abgeschafft. In Schweden, welches Pommern damals besetzte, gab es nie Leibeigenschaft. Arndt rannte beim schwedischen König offene Türen ein. Erst die DDR-Geschichtsschreibung stilisierte Arndts „Bauernbefreiung“ zur Heldentat.

All diese Informationen sind durch die Geschichtswissenschaft in aller Tiefe ergründet und unter www.uniohnearndt.de zur freien Diskussion verfügbar. Aller Bürger sind eingeladen sich zu informieren und zu diskutieren.

Das wichtigste aber ist, dass der Name einer Universität eine Vorbild-Funktion hat. Egal ob Volkshass, Antisemitismus und rassistischer Nationalismus: Wir Studenten würden gerne wissen, was wir denn an Arndt „ehren“ sollen?! Wir werden die Augen vor den Erkenntnisse der modernden Geschichtswissenschaft nicht mehr länger verschließen.“

*Update 1. November*

Die Ostsee-Zeitung hat nun angekündigt unseren Leserbrief doch noch morgen abzudrucken.

*Update 7. November*

Wenige Stunden später erhielten wir eine E-Mail, dass „ein wichtiger Artikel“ dem Abdruck unseres Leserbriefes dazwischen gekommen sei – wofür wir Verständnis zeigten. Doch auch am übernächsten Tag kam unser Leserbrief nicht. Danach haben wir im Laufe der Woche noch zweimal nach dem Abdruck unseres Leserbrief  gefragt und keine Antwort mehr erhalten. Offenbar hat man es sich ein drittes mal überlegt… Konstruktive und argumentative Leserbriefe sind in der OZ wohl weiterhin nicht erwünscht.

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Der leichtsinnige Umgang der Ostsee-Zeitung mit Neonazis

8-8-09-unterstuetzung-vom-rechten-randEs ist schon erstaunlich, aber doch erhellend: Nach diesem Artikel aus der Ostsee-Zeitung (OZ) von heute ist der Greifswalder Bote nur ein „als rechtsextrem geltendes“ Blatt. In anderen Regionen hätte man geschrieben „das rechtsextreme Blatt“. Wozu die Relativierung? Heißt diese seltsame Formulierung im Umkehrschluss, dass der Greifswalder Bote in Wirklichkeit gar nicht rechtsextrem ist? Oder ist das für die OZ umstritten?

Weitere Auffälligkeiten im Artikel, nach dem Klick…
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Ostsee-Zeitung manipuliert erneut…

plattdeutschDa fehlen einem einfach die Worte. Wir haben ja schon öfter über die Fehlerhaftigkeit der Ostsee-Zeitung Artikel berichtet. Doch dieser Kommentar treibt es auf die Spitze. Er ignoriert schlicht die komplette Debatte der letzten zwei Monate und fäng erneut im Urschleim der widerlegten Argumente an. Offenbar war Herr Kurt Wulf die letzten zwei Monate im Urlaub oder liest selbst nicht die Zeitung…

  • Der Kommentar behauptet, dass „westliche Professoren“ gegen Arndt gewesen wären. Richtig ist, dass sich damals etliche Professoren aus Ost und West gegen Arndt ausgesprochen haben. Aber: Die Herkunft der Professoren  sollte in einer „seriösen“ Zeitung überhaupt keine Rolle spielen! Ansonsten stellt sich schnell die Frage, ob man einen Ahnennachweis braucht, um sich an der Debatte beteiligen zu dürfen? Prof. Stamm-Kuhlmann wies auch in der Podiumsdebatte darauf hin, dass an Universitäten schon aus der Natur der Sache heraus, oft „Nicht-Einheimische“ sind. Siehe dazu auch hier.
  • Der Kommentar behauptet, dass die Zeit in der Arndt gelebt hat, für die Initiatoren keine Rolle spielen würde. Das wir dies nicht behaupten, haben wir nicht nur mehrfach in der OZ selbst geschrieben sondern ist auch hier auf der Hompage überall erwähnt.
  • Alle weiteren Richtigstellungen hinter dem Klick.

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Ein Ehren-Kranz für Arndt?

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Wieder einmal wird in der OZ auf die Tränendrüse gesetzt. Ein Herr Zilm hat einen Blätterkranz für Arndt gebastelt und auf das Denkmal am Rubennowplatz angebracht. Wieder einmal werden durch die OZ die falsche Informationen verbreitet:

– Wir wollen nicht Arndt beschmutzen oder „in den Dreck ziehen“, sondern lediglich einen Namen für die Universität finden, der nicht mit Antisemitismus und Rassismus in Verbindung steht

– Wir wollen auch nicht Arndt vom Denkmal entfernen, wie zwischen den Zeilen angedeutet wird!

– Der Satz „wir können nicht so schwungvolle Reden wie die Studenten halten“ ist abstrus: Wir haben keine (!) Reden gehalten, sondern lediglich aus Ernst Moritz Arndts Büchern vorgelesen! Wenn die Bürger diese Reden gefährlich fanden, sollten sie evt. auch einmal Arndt lesen.

Ergebnis: Wir bezweifeln weiterhin, dass die durchschnittlichen OZ-Leser die politischen Botschaften Arndts, die wir eigentlich kritisieren, kennen! Mit Arndt wird weiterhin ein „Symbol“ verehrt, dessen Lebenswerk den meisten Bürgern offenbar unbekannt ist.

Liebe Ostsee-Zeitung: Wann beginnen Sie endlich Ihre Leser aufzuklären? Genug Vorschläge, wie man das machen kann, wurden Ihnen unterbreitet!

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Reflexion der Lokalzeitung über das Arndt-Kolloquium

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Unglaublich aber wahr. Die Ostsee-Zeitung veröffentlicht erstmals wissenschaftliche Fakten über Ernst Moritz Arndt. Das Bemühen wollen wir hier hoch anrechnen.

Allerdings kann man die Zusammenfassung der OZ des 2001 vom Rektorat eingerichteten Arndt-Kolloquiums natürlich schon kritisieren. Man achte z.B. wie bemüht der Autor  ist, darauf hinzuweisen, dass Prof. Bach (angeblich) seine Meinung zu Arndt geändert habe. Dabei sagte Bach in der Ikuwo-Debatte vom Donnerstag noch, dass er trotz seiner neuen Forschung, an den Erkenntnisse von 2001 festhalte.

Wie üblich wurde sprachlich an vielen Stellen verharmlost und beschönigt. Zum Kontrast veröffentlichen wir hier Auszüge des „offiziellen“ Abschlussbericht des Kolloquiums von Prof. Buchholz und Prof. Lutz.

Im Vergleich zum Artikel erkennt man die Unterschiede:

  • „Arndt war gleichwohl Schweden und „nordischen“ Menschen zeitlebens begeistert zugetan. Prof. Dr. Gunnar Müller-Waldeck zeigte am Beispiel von „Arndts Bewertung der samischen Minderheit“, dass unser Namenspatron im Falle der Sami, die äußerlich so gar nicht in sein nordisches Ideal passen, die ihm eigene Plattform einer rassistischen Verachtung gegenüber allen „nicht germanischen“ Völkern romantisierend verlässt“.
  • „Nach der Mittagspause macht Prof. Dr. Reinhard Bach in seinem Vortrag, basierend auf einer erschöpfenden systematischen Sichtung der Arndtschen Schriften deutlich, dass Arndts Franzosenhass sich nicht erst als Reaktion auf das napolenische Joch bildete, sondern bereits vorher in seinen antiaufklärerischen Schriften, besonders in seiner Greifswalder Habilitation, artikuliert wurde. Völkischer Nationalismus, Antijudaismus/Antisemitismus, Franzosenhass, chauvinistisches Herabblicken auf slawische und „welsche“ Völker, Kriegsverherrlichung als Selbstzweck und zur Selbstfindung der Nation und andere damals wie heute humanistischen Ideen entgegenstehende Überzeugungen, prägen sein Lebenswerk“.

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Ostsee-Zeitung gesteht Fehler ein… und macht neue

schwierige-debatte

Zum Vergrößern anklicken!

Erstmals hat die Ostsee-Zeitung in einem Artikel am Freitag zwei Fehler in der eigenen Berichterstattung zur Arndt-Debatte eingeräumt. Wir hatten in der letzten Zeit mehrfach auf diese und andere Fehler (die nicht eingestanden wurden) hingewiesen. Durch dieses Nicht-Zugeben von Fehlern entstand bei uns der Eindruck des Versuches einer bewußten Manipulation der öffentlichen Debatte.

Mit der – wenn auch sehr dezenten – Korrektur von zwei Fehlern, ist nun ein erster Schritt für eine bessere Debatte getan.

Schade ist, dass der gleiche Artikel uns vorwirft, dass wir etwas „konstruieren“ würden. Dies ist irgendwie seltsam, räumte man im Absatz zuvor gerade erst zwei Fehler ein… Mehr Infos hinter dem Klick…

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