Tag Archive: Nazis

NPD pro Arndt

Wenn es nicht so bitter wäre, könnte man ironisch titeln, dass „Ernst Moritz Arndt immer mehr Unterstützung“ erhält – nämlich aus dem rechtsextremen Spektrum. Schon mehrfach haben wir darüber berichtet, dass sich so ziemlich alles was in der rechtsextremen und deutsch-nationalen Szene Rang und Namen hat für die Beibehaltung des Namenspatrons ausspricht. Nun hat auch die NPD Oberhausen dem Rassisten Arndt eine Hommage gewidmet. Um nicht auf diese Seite verlinken zu müssen, hier ein Screenshot:

Die NPD Mecklenburg-(Vor)Pommern hat sich bereits indirekt durch ihr Mitteilungsblatt „Greifswalder Bote“ für Ernst Moritz Arndt stark gemacht. Nachlesen kann man das hier.

Edit:

Die Initiative Uni ohne Arndt weist darauf hin, das wir die Arndt-Befürworter nicht alle in die rechtsextreme Ecke stellen wollen. Denjenigen, die sich für Arndt ausprechen, wollen wir keine NPD-Nähe vorwerfen.

Da wir aber schon häufig aus dem rechtsextremen Spektrum wegen unseres Engagements bedroht wurden, wollen wir deren Aktivitäten nicht unerwähnt lassen. Außerdem zeigt dies einmal mehr, dass die Namensgebung nicht zu einer kritischen Beschäftigung mit dem Namenspatron führt. An dessen 150. Todestag bleibt die „politische Mitte“ weitgehend stumm, während der rechte Rand der Gesellschaft Arndt ehrt.

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Peter Petersen: Schulen distanzieren sich von antisemitischem Namenspatron

Durch das vor kurzem von Benjamin Ortmeyer (Universität Frankfurt) veröffentlichte Buch über Erziehungswissenschaftler in der NS-Zeit wurde eine Debatte um den Reformpädagogen Peter Petersen ausgelöst. Petersen, Namenspatron einiger deutscher Schulen, den man bisher mit seinen Errungenschaften in der Pädagogik in Verbindung brachte, hat jedoch noch eine zweite Seite. Diese wurde nun durch Ortmeyer näher beleuchtet und die Tatsache, dass Petersen Rassist, Antisemit und Anti-Demokrat war, ist nicht zu leugnen. Schon ein Gegner der Weimarer Republik, trat Petersen zwar nicht in die NSDAP ein, unterstützte aber die nationalsozialistische Idee und distanzierte sich auch später nicht von seinen Aussagen.

„Der Name ist nicht mehr haltbar, weil Peter Petersen nicht mehr als Vorbild und Orientierungspunkt dienen kann“.

Dies sagte die Schulleiterin der Peter Petersen Gesamtschule in Wellingsbüttel, Hamburg, dem Hamburger Abendblatt. Andere Schulen haben den Titel bereits abgelegt.

Natürlich sind Petersen und Arndt nicht gleichzusetzen, da sie beide in einen anderen zeitlichen Kontext zu setzen sind und auch weitere Unterschiede bestehen. Doch grundsätzlich gilt: Obwohl Petersen die Gesellschaft durch seine Arbeit bereichert hat, überwiegen die Gegenargumente und er ist inzwischen als Namenspatron moralisch nicht mehr tragbar – da werden doch Parallelen deutlich! Die Distanzierung von einer Person als Namenspatron ist also in so einigen Fällen nötig – und wie sich zeigt – auch möglich!

Lest mehr im Hamburger Abendblatt

Quelle: Hamburger Abendblatt, Artikel vom 1.12.2009

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Quellen belegen: Arndt war „im Sinne des Führers“

Wie wurde eigentlich die Namensverleihung „Ernst Moritz Arndt“ 1933 begründet? Falls sie jetzt denken, dass das doch angesichts der Jahreszahl und Hermann Görings Unterschrift völlig klar ist, liegen Sie nicht ganz falsch. Aber die Historiker schauen lieber genau in die Quellen.

Das hat Prof. Werner Buchholz für die Amadeu Antonio Stiftung getan und uns eine Kopie geschickt. Herausgesucht hat Prof. Buchholz die Rede, die der damalige Rektor, Prof. Dr. Heinrich Laag, am 28. Juni 1933 anlässlich der Verleihung des Namens „Ernst Moritz Arndt“ hielt. Daraus der folgende Auszug:

„Noch lastet der Schandvertrag [=Frieden von Versailles 1919] auf un­se­rem deutschen Volke. Wir alle, liebe Kommilitonen, sind dazu berufen, die Fesseln zu spren­gen. Niemals wird das ein Volk erreichen, das nicht tief in der Heimat verwurzelt ist,… das glaubensmatt dem Alltag verfällt. Nur dann wird es dem deutschen Volke gelingen und uns an unserem bescheidenen Teil, wenn wir so denken, fühlen, handeln und glauben wie Ernst Moritz Arndt.

Nur wenn wir so denken, werden wir auch im Sinne des Führers unseres Volkes [Adolf Hitler] handeln, der es immer von neuem bezeugt hat, dass für den Aufstieg Deutschlands nicht in erster Linie Wirt­schaftsprogramme, Organisationsfragen und äußerliche Dinge entscheiden, sondern dass Deutschland nur dann einer besseren Zukunft entgegengeführt werden kann, wenn eine geis­ti­ge Erneuerung das Volk erfasst. Das, was Ernst Moritz Arndt gewollt hat, geht zum guten Teil in unseren Tagen in Erfüllung. Aus seinem Geist heraus lebt nicht zum wenigsten die Ge­gen­wart.

[Aus: Greifswalder Universitätsreden 37, Greifswald 1933, S. 10 f.]

Die Verleihungsurkunde des Namens trägt das Datum des 16. Mai 1933 und ist unterzeichnet von dem preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring, gleichzeitig preußischer Innenminister, sowie dem Kommissar für das preußische Kultusministerium, Bernhard Rust, als dem Leiter des zustän­di­gen Fachministeriums. Die Urkunde befindet sich im Universitätsarchiv Greifs­wald.

Spannend ist auch, wie der Namensvorschlag begründet wurde. Auch dieser Text spricht deutliche Worte… Weiterlesen

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Deutsch-Nationale organisieren sich im Netz

Vor kurzem hatte wir darüber berichtet, dass die rechtsextreme Szene bundesweit äußert erregt ist, über den Versuch der Umbenennung. In antisemitischen Blogs und rechtsextremen Magazinen wird über die „linksradikalen“ Studenten und den „Akademikerpöbel“ geschimpft (wir berichteten).

Nun geht die Burschenschafts-Szene auch ins Studi-VZ und hat dort in einer Gruppe (Name der Initiative bekannt) immerhin bundesweit fast 140 Mitglieder gesammelt.

Um die politische Kaliber dieser vorgeblichen „Arndt-Verteidiger“ einmal aufzuzeigen, haben wir einige Screenshots von dieser (jedem öffentlich zugänglichen)  Studi-VZ Gruppe gemacht:

Beispiel Beleidigungen / Verleumdungen:

verlogener-heuchler

macht-sonst-nix

krueppel

(Jean Bédel Bokassa war ein brutaler Diktator aus Zentralafrika, der im Exil ein Buch namens „Mein Kampf“ verfasste.)

Neben Burschies sammeln sich auch einige „echte“ Neonazis hier:

die-aula

Bei Thorsten T. handelt es sich um Thorsten Thomsen, der u.a. für die deutschnationale „Aula“ schreibt, sowie für die  vom Verfassungsschutz hier als “rechtsextrem” eingestufte “National-Zeitung”. Er war 2001 Landesvorsitzender der “Deutschen Partei”, die vom Verfassungsschutz ebenfalls als rechtsextrem eingestuft wird. Zuvor war Thomsen Vorsitzender der noch kleineren, rechtspopulistischen Partei “Bund freier Bürge – Offensive für Deutschland “.

Sehr schön sichtbar ist auch, die Interaktion. Vermutlich ein Burschenschaflter („auf Häusle“) freut sich auf die Zeitung. (Name und Bild sind hier anonymisiert, da wir dem Burschenschaftler nicht unterstellen wollen, Nazi zu sein).

Weiter geht es nach dem Klick mit Links zu rechtsextremen Seiten und angeblichen „Systemmedien“…

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Wie die rechtsextreme Szene Arndt verteidigt…

Wir hatten vor kurzem schon einmal erwähnt, dass sich immer mehr Internetseiten und Magazine aus der rechtsextremen Szene sich im „Kampf gegen die bösen Arndt-Gegner“ mit der Universitätsleitung solidarisieren. Den Begriff „Rechtsextremismus“ verstehen wir – wie Wikipedia – als Sammelbezeichnung, um faschistische, neonazistische oder ultra-nationalistische politische Ideologien und Aktivitäten zu beschreiben. Deren gemeinsamer Kern ist die Orientierung an der ethnischen Zugehörigkeit, die Infragestellung der rechtlichen Gleichheit der Menschen sowie ein antipluralistisches / undemokratisches und autoritär geprägtes Gesellschaftsverständnis.

In der Arndt-Debatte sind folgende Blogs und Magazine aufgefallen:

  • Der antisemitische Blog „Fakten – Fiktionen“, der auch eine Rubrik über das Versailler Diktat hat, hetzt gegen den Artikel über die Arndt-Debatte in „DIE ZEIT“. Die Wochezeitung gehöre demnach der „Hamburger Systempresse“ an.  Der Redakteur sei ein „politkorrekter Schmierer aus dem rotgrün versifften Feuilleton“…
  • die-aula

    Zum Vergrößern anklicken!

    Auch die aus Österreich stammende, u.a. in Deutschland in Burschenschaften und rechtsextremen Kreisen verbreitete rechtspopulistische Zeitung „Die Aula“, schrieb über die Arndt Debatte. Die engagierten Studenten werden hier als „Bilderstürmer“ , „linke Studentenfunktionäre“ und als „Einpeitscher einer antideutschen Agitation“ diffamiert. Schon die Diskussion über Arndt bezeichnet der Autor als ein „Kesseltreiben“ – also eine Treibjagd. Autor des Artikels ist Thorsten Thomsen, welcher 2001 Landesvorsitzender der „Deutschen Partei“ war, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Zuvor war Thomsen Vorsitzender der noch kleineren, rechtspopulistischen Partei „Bund freier Bürge – Offensive für Deutschland „. Artikel von Thorsten Thomsen tauchen auch in der, ebenfalls vom Verfassungsschutz hier als „rechtsextrem“ eingestuften, „National-Zeitung“ auf.

    (Alle weiteren rechtsextremen Medien nach dem Klick)

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Neonazis machen sich offen stark für Arndt

greifswalder-boteEs gibt leider wieder einmal eine Ausgabe des rechtsextremen „Greifswalder Boten“. Gleich auf der ersten Seite verleumdet es in scharfem Ton die studentische Initiativgruppe und droht am Ende mit Gewalt.

Dieses angeblich „unabhängiges Mitteilungsblatt“ wird seit einigen Jahren von der rechtsextremen „Initiative für Volksaufklärung e.V.“ herausgegeben. Dahinter steht das „Soziale und Nationale Bündnis Pommern (SNBP). Als Chefredakteur steht im Impressum Mario Kannenberg, der seit 2004 für die NPD im Kreistages des Landkreises Ostvorpommern sitzt saß. Er wurde u. a. bereits zu Geldstrafe verurteilt, weil er seine Hakenkreuz-Tätowierung öffentlich zeigte.

Das Onlineportal Netz-gegen-Nazis.de schreibt über das Soziale und Nationale Bündnis Pommern (SNBP):

„Das SNBP war eines der wichtigsten „Kameradschafts“-Netzwerke in Mecklenburg-Vorpommern. Inzwischen sind die „Kameradschaften“ der Neonazis jedoch fast vollständig in der NPD aufgegangen.“

In Greifswald warnt bereits seit über einem Jahr das „Bündnis Nazisfreie Briefekästen“ vor dem – zuletzt sehr selten erschienen – Boten.

Zum Inhalt:

  • Wir wollen den Inhalt nicht großartig kommentieren. Es sind die üblichen Unterstellungen und Falschbehauptungen, die wir hier bereits ausführlich beantwortet haben.
  • Trotzdem: Wir sind natürlich weder für Karl Marx noch für irgend welche kommunistischen Freiheitskämpfer. Wer auch immer sich all dies ausgedacht hat, war sehr kreativ. Wir setzen uns ausschließlich für eine Ablegung des Namenspatrons Arndt ein. Ein neuer Name soll, wenn überhaupt, in einem Kreativ-Wettbewerb gefunden werden ein, bei dem jeder Student und jeder Bürger sich beteiligen kann. Eine von der Universität eingesetzte Kommission aus Professoren soll dann die Gewinner des Wettbewerbs ermitteln.

Falsche Freunde?

Die Universitätsleitung sollte sich langsam Gedanken machen, wer sich alles mit ihr solidarisiert. Da ist der frühere NPD-Vorsitzende, der schon wegen versuchten Modes verurteilt wurde (Versuch ein Asylbewerber-Heim anzuzünden), dann sind es rechtsextreme Internetseiten, sowie tief  fremdenfeindliche und wissenschaft-ignorierende Leserbriefschreiber der OZ, die zwei rechts-nationalen Burschenschaften Rugia und Markomannia und nun die städtische Neonazi-Zeitung…

Uns beschleicht so langsam das Gefühl, dass die Herman Göring sich 1933 doch nicht den „Falschen“ ausgesucht hat, wie hier ja von den Konserativen immer wieder behauptet wird. Das Arndt für Demokratie und Aufklärung stehe, glauben wir immer weniger…

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