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Entsetzt über fehlende Sensibilität der Universität Greifswald

Lea_Grundig

Die Studenten der Initiative „Uni ohne Arndt“ sind über die Ungleichbehandlung der Jüdin „Lea Grundig“ und des Antisemiten „Ernst Moritz Arndt“ entsetzt.

Hintergrund: Die Künstlerin Lea Grundig war Jüdin und flüchtete während des Dritten Reiches ins Exil nach Palästina. Nach Ende des zweiten Weltkrieges kehrte sie in die DDR zurück und gewann hier Anerkennung. Die Künstlerin soll in etlichen Fällen dazu beigetragen, dass engagierte, jedoch nicht „linientreue“ Künstler aus dem DDR-Künstlerverband ausgeschlossen wurden. Beweise dafür soll es bisher jedoch nicht geben.

1972 hatte Lea Grundig, nachdem ihr die Ehrendoktorwürde der Universität Greifswald verliehen worden war, unserer Universität eine »Hans-und-Lea-Grundig-Stiftung« übergeben. Mit dem Preis der Stiftung sollten hervorragende künstlerische Leistungen von StudentInnen anerkannt werden. Das geschah bis 1996. Der Name wird seitdem nicht mehr als „angemessen“ betrachtet. Inzwischen erwägt die Universität eine Namensänderung der Stiftung.

Die Initiative will sich hier weder für noch gegen Lea Grundig aussprechen – dazu kennen auch für ihre Biografie nicht gut genug – aber es gibt hier trotzdem erhebliche Unreimtheiten:

  • Die Umbenennung der Lea Grundig Stiftung wird – nur auf Verdacht möglicher Vergehen – geprüft. Warum geht man bei Arndt nicht genauso vor? Im Gegenteil zu Lea Grundig gibt es bei dem Nationalisten und Rassisten Arndt eine erdrückende Beweislast – nämlich seine Bücher. Sie belegen zweifelsfrei seinen politische Gesinnung, die von den Völkischen und Nationalsozialisten (z.B. Reichspropagandaministers Dr. Joseph Goebbels) auch vielfach rezipiert wurden. Renommierte Historiker belegen und bestätigen all dies. Doch obwohl die Universität dies spätestens seit 2001 weiß, zieht man eine Umbenennung nicht einmal in Erwägung.
  • Arndts Rassismus und Antisemitismus wird von Arndt-Befürwortern (zu unrecht!) als „im Geist der Zeit“ verteidigt. Interessant ist, dass die selbe Argumentation für Lea Grundig (angebliches)  politisches Fehlverhalten scheinbar nicht gelten soll. Wenn es sich um Arndts politische Haltung dreht, heißt es, dass auch andere Denker seiner Zeit antisemitisch gewesen wären. Warum gilt dasselbe Argument nicht für Lea Grundig? War sie die einzige in der SED?

  • Die Arndt-Befürworter argumentieren auch, dass es ‚wichtige‘ Streitthemen gäbe und das man doch nicht so einen Aufriss um historische Persönlichkeiten machen solle. Warum handelt die Universität gerade bei Lea Grundig seit 1996 anders? Ist diese selektive historische Sensibilität nicht seltsam?

Nochmals: Wir begrüßen es, wenn historische Persönlichkeiten geprüft werden, aber:

Es hat insgesamt hat einen schlechten Nachgeschmack, dass die Universität Greifswald eine jüdische Stiftung nur auf Verdacht eingefroren hat, jetzt sogar den Namen ändern will, während die antisemitischen Äußerungen Arndts weder in der Unileitung noch in der Greifswalder Bevölkerung für großes Unbehagen sorgen.

Foto: Lea Grundig 1951. Malerin und Grafikerin. Präsidentin des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands, Nationalpreisträgerin. Fotograf: Rudolf Hesse. Creative Commons Bundesarchiv.

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