Tag Archive: Kommentar

Gastbeitrag zur Debatte von Alexander Köcher

Alexander  Köcher (27)  war von 2007/08 Referent für politische Bildung im AStA. Er steht kurz vor dem Abschluss seines Magisterstudiums in den Fächern Neuere und Neueste Geschichte, Politik- und Kommunikationswissenschaft. Für den Fleischervorstadt-Blog hat er einen lesenswerten Beitrag geschrieben. Hier ein Auszug:
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„Die Debatte der vergangenen Monate hat eines deutlich gezeigt: Arndt spaltet anstatt zu vereinen. Er spaltet die Geister in drei Lager: Die Gegner, die Bewahrer und die Gleichgültigen. Während die beiden erstgenannten Lager beinahe ausgewogen sind, steht ihnen eine Mehrheit der Gleichgültigen gegenüber, was als weiteres Zeichen für die Dysfunktion des Mythos Arndt zu deuten ist:

Der Patron der Universität stiftet keine Identifikation bei den Studierenden von heute. Arndt vermag uns heute nichts zu sagen; der Antisemitismus und der völkische Nationalismus irritieren und werfen zu dunkle Schatten auf seine anderen, vielleicht positiveren Seiten. […] Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald wird in ihrem stärksten Entscheidungsgremium, dem akademischen Senat, am 17. März darüber zu befinden haben, ob sie ihren Arndt, den „untoten Hund“, wie ihn Professor Werner Stegmaier kürzlich auf der Senatssitzung nannte, im Lichte der beschriebenen Umstände traditionsbewusst behalten oder progressiv ablegen möchte.
Behält sie ihn, wird der Hund auch in Zukunft immer wieder mit der Kette rasseln und die Zähne fletschen, jedenfalls so lange, wie politisch motivierte und gestaltungswillige Studierende die hiesige Universität besuchen und stutzig werden, warum nur eine deutschnationale Burschenschaft seine Geburts- und Todestage feiert.
Entscheidet sich der Senat mittels einer Zweidrittelmehrheit aber dafür den Namen abzulegen und den kernlos gewordenen Mythos Arndt damit zu begraben, kann er damit eine Grundlage zukunftszugewandter Identifikation mit der Universität und ihrer Forschung und Lehre schaffen. Sogar einen neuen Namen könnte sich die Universität dann geben – müsste es aber nicht.

Selbst konservative Geister dürften doch eigentlich damit zufrieden sein, wenn die Universität den Namen behielte, den sie 486 Jahre lang trug: Universität Greifswald.“

Der ganze Text hier.

Foto: webMoritz.de

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Gedanken zum Begriff „Die Juden“

Ein Kommentar von Sven Zeitler, Vorsitzender der StuPa-AG „Namensgebung“

Ich habe mir die Podiumsdiskussion über Ernst Moritz Arndt am Donnerstag vor Ort und auch im Nachhinein mehrmals angehört und möchte hier keine Wertung über etwaige Argumente oder den allgemeinen Verlauf der Debatte abgeben. Im Moment liegt mir etwas ganz anderes am Herzen.

Antisemitische Steriotype in Alltagsbildern

Antisemitische Stereotype in Alltagsbildern

Oft war die Rede von „den Juden“, „den Franzosen“ oder der deutschen Nation („Die Identität als Deutscher trägt ja jeder in sich.“).

Ich empfinde es als viel zu pauschal, von den Bewohner_innen eines Staates als homogene Masse zu sprechen. Es haben doch nicht alle, die innerhalb mehr oder minder fiktiv gezogener Staatsgrenzen leben, die gleichen Eigenschaften und Verhaltensweisen. Stattdessen definiert sich meiner Meinung nach die so genannte Nation erst nach Entstehung des jeweiligen Staates, sie ist also veränderlich und fiktiv.

„Die angelsächsische Nationalismusforschung hat in diesem Zusammenhang immer wieder die Künstlichkeit des Konzepts Nation herausgestellt. So geht B. Anderson (1993) davon aus, dass es nicht die Nationen, d.h. bereits bestehende Gemeinschaften sind, „die Staaten und Nationalismen hervorbringen, sondern umgekehrt“, Nationalismen ,erfinden‘ Nationen.“ (1.) Deswegen halte ich es zum Beispiel für sinnvoller, von Einwohner_innen der BRD zu sprechen, anstatt von Deutschen, oder eben seine Aussage zu konkretisieren.

Ähnliche Bedenken habe ich bezüglich der Formulierung „die Juden“. Das Judentum ist in erster Linie eine Religion und jede_r ihrer Anhänger_innen ist eine individuelle Persönlichkeit. Menschen jüdischen Glaubens als geschlossene und einheitliche Gruppe aufzufassen, ist der erste Schritt zum Antisemitismus. Der offene Antisemitismus, welcher Juden und Jüdinnen als feindliche und minderwertige „Rasse“ ansieht, ist heutzutage in der BRD verpönt und tritt vor allem im rechtsextremen Spektrum auf. Den ganzen Text nach dem Klick lesen…

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