Tag Archive: Kampagne

Humanistisches Forum für die Umbenennung

humanistischesForum

Arik Platzek, vom Humanistischen Forum Greifswald,  bezieht in einem ausführlichen Kommentar klar Stellung zum Fatalen Namenspatron der Universität Greifswald:

„Zahlreiche Äußerungen Ernst Moritz Arndts waren nicht nur rassistisch und fremdenfeindlich, also politisch inkorrekt. Sie waren in erster Linie unhumanistisch und sollten zu unhumanitären Taten inspirieren. Weil vielen Menschen die Ebene der politischen Auseinandersetzung oft präsenter ist als die der weltanschaulichen, litt die Debatte bisher an dieser wesentlich grundsätzlicheren Klarstellung: Arndt war kein Humanist. […]

Befürwortern von Ernst Moritz Arndt, ob Studierende oder andere, muss man widersprechen, denn sie machen  Grundsätze verhandelbar, die für ein kultiviertes Miteinander wesentlich sind, besonders für eine moderne philosophische Institution: Ein klares Bekenntnis zu Toleranz, Gleichberechtigung, Friedfertigkeit, Solidarität und selbstständiger Menschenwürde.“

Die Initiative freut sich über diese Solidaritätserklärung.

Share

Debattierclub sagt Arndt-Diskussion ab: Professoren wollten nicht

debattierclubEigentlich hatten wir uns auf eine schöne Diskussion am kommenden Dienstag gefreut. Bereits seit zwei Monaten bereitet der renommierte Debattierclub Greifswald eine offizielle Debatte zum Thema „Ernst Moritz Arndt“ vor. Doch gestern erhielten wir die Absage. Angeblich hätten alle Professoren, die über Ernst Moritz Arndt sprechen wollten, abgesagt.

Die Initiative bedauert das. So entzieht sich die Universität einmal mehr dem offenen und argumentativen Dialog.

*Update 7. November*

Nachdem sich die Professoren zurückgezogen haben, und wir den Debattierclub baten die Debatte trotzdem durchzuführen, ist jetzt erneut Bewegung in die Sache gekommen. Eventuell soll die Debatte nun Ende November doch noch stattfinden – und zwar zwischen der Uni-ohne-Arndt Gruppe und der Pro-Arndt Gruppe des RCDS. Mal schauen…

Share

OZ verhindert konstruktive Debatte

leserbrief_oz_16_10_09

Zum Vergrößern anklicken

Es ist jedes mal das gleiche: Irgend ein zorniger – meist älterer Herr – schreibt einen „wutentbrannten“ Leserbrief, indem er wahlweise alle Studenten  aus der Stadt werfen möchte, oder die Studenten als „Linksbolschewisten“ beschimpft. Jedesmal schreiben wir eine Antworten, die meist erst nach mehreren Drängen und Hinweis auf die massiven Verleumdungen der Studenten abgedruckt werden.

Dieses mal war es jedoch – zu unserer Freude – ein vergleichsweise sachlicher Leserbrief, der am 16.10. abgedruckt wurde. Erneut schrieben wir einen Antwort, erneut wurde unsere Antwort abgelehnt. Schließlich seien wir ja nicht direkt angeschimpft werden, sagte man uns, so dass es keinen Grund für Antwort gäbe. „Die Ostsee-Zeitung ist schließlich kein Forum“, so einer der Redakteure.

Super! Nun gibt es endlich mal die von allen gewünschte „sachliche“ Debatte. Doch „die“ möchte die Lokalzeitung nun dann auch wieder nicht?!

Fast wollten wir uns damit begnügen, doch nun hing genau dieser Leserbrief als Plakat (wie hier eingescannt) an einem schwarzen Brett in der Uni. Daher veröffentlichen wir unsere Antwort auf diesen Leserbrief nun hier im Internet:

„Dr. Michel liegt falsch. Arndts Rassismus war kein „Randphänomen“, sondern liegt im Zentrum Arndts Hinterlassenschaft und findet sich in fast allen Werken seiner 40jährigen Schaffenszeit. Arndts schuf hunderte politische Schriften, die eine „teutsche“ Nation begründen sollten. Und genau hier liegt das Problem. Denn er wollte die Nation durch Abgrenzung gegenüber „dem Fremden“ begründen. Die „teutsche Rasse“ sei höherwertiger, als die französische, die dänische, die slawische oder eben die jüdische „Rasse“ (Für Arndt waren Völker Rassen. Auch Menschen jüdischen Glaubens seien eine Rasse). Der von Arndt erhoffte „Volkshass auf Frankreich“ sollte die Deutschen zusammenführen. Daher wünschte sich Arndt den Hass auf Frankreich „nicht nur für diesen Krieg, sondern für immer“ und, dass er sich „als heiliger Wahn“ in die „Seelen der Kinder brenne“. Anders als andere Nationaldichter seiner Zeit begründet Arndt seinen Nationalismus im Kern nicht auf einer gemeinsamen Sprache, Geschichte oder Kultur (vgl. Weimarer Klassik), sondern auf einen „gemeinsamen Hass“ – ein zutiefst anti-aufklärerischer Ansatz, selbst damals. Der Versuch von Herrn Michel Arndts Kampf für die Nation und Arndts rassistische Begründung für die Nation zu trennen ist unseriös.  Und klar ist doch auch, dass wir Arndt nicht für seine kaum bekannten Gedichte ehren, sondern für sein Hauptwerk: Das sind eben seine politischen Schriften zur  Nationfindung.

Im reaktionären Monarchisten Arndt will Herr Michel zudem einen „Demokraten“ entdecken. Wir würden dafür gerne Belegen sehen. Seine Abrufung als Professor in der Zeit der Restauration hat mit seiner Hetze gegen die kleinstaatlichen Fürsten zu tun. Eine Republik oder gar eine Demokratie hat Arndt stets lautstark abgelehnt.

Arndt Schrift gegen die Leibeigenschaft wird interessanterweise nie in einen historischen Kontext gesetzt: Zur Veröffentlichung war sie in vielen Teilen Europas längst abgeschafft. In Schweden, welches Pommern damals besetzte, gab es nie Leibeigenschaft. Arndt rannte beim schwedischen König offene Türen ein. Erst die DDR-Geschichtsschreibung stilisierte Arndts „Bauernbefreiung“ zur Heldentat.

All diese Informationen sind durch die Geschichtswissenschaft in aller Tiefe ergründet und unter www.uniohnearndt.de zur freien Diskussion verfügbar. Aller Bürger sind eingeladen sich zu informieren und zu diskutieren.

Das wichtigste aber ist, dass der Name einer Universität eine Vorbild-Funktion hat. Egal ob Volkshass, Antisemitismus und rassistischer Nationalismus: Wir Studenten würden gerne wissen, was wir denn an Arndt „ehren“ sollen?! Wir werden die Augen vor den Erkenntnisse der modernden Geschichtswissenschaft nicht mehr länger verschließen.“

*Update 1. November*

Die Ostsee-Zeitung hat nun angekündigt unseren Leserbrief doch noch morgen abzudrucken.

*Update 7. November*

Wenige Stunden später erhielten wir eine E-Mail, dass „ein wichtiger Artikel“ dem Abdruck unseres Leserbriefes dazwischen gekommen sei – wofür wir Verständnis zeigten. Doch auch am übernächsten Tag kam unser Leserbrief nicht. Danach haben wir im Laufe der Woche noch zweimal nach dem Abdruck unseres Leserbrief  gefragt und keine Antwort mehr erhalten. Offenbar hat man es sich ein drittes mal überlegt… Konstruktive und argumentative Leserbriefe sind in der OZ wohl weiterhin nicht erwünscht.

Share

Experimentelle Zeitreise: Ernst Moritz Arndt hält eine Vorlesung im Audimax

2009-24-stunden-vorlesungDen krönenden Abschluss der diesjährigen 24-Stunden Vorlesung an der Universität Greifswald wird eine Vorlesung der Studenten darstellen. Es geht um die Forderung der Juni-Vollversammlung den 1933 verliehenen Beinamen der Uni „Ernst Moritz Arndt“ abzulegen.

Am Anfang steht der wahnsinnige Prof. Dr. Braun vom Institut für reversible Raum-Zeit-Kontinuums Transformationen und angewandte subplasma Quantenchronodynamik (IRRZKTASQ), der ein begeisterter Anhänger des umstrittenen Uni-Namenspatrons „Ernst Moritz Arndt“ ist. Um die Studenten von Arndt zu überzeugen, will er sie mit dem Namenspatron persönlich in Kontakt bringen. Zusammen mit seinen Assistenten Bob und Marti wird er dazu den gesamten Hörsaal mit seiner neuen Zeitmaschine auf Lichtgeschwindigkeit bringen und ihn rund 200 Jahre zurück in die Zeit von Arndt versetzen.

Wenn die Raumzeitströmungsentkrümmerantennen den Druck aushalten (das wurde bisher nur theoretisch bewiesen),wird Ernst Moritz Arndt genau zum angestrebten Ziel-Zeitpunkt eine Vorlesung im bereits damals existenten Hörsaal halten.

Ob Ernst Moritz Arndt die Studenten begeistern kann oder entsetzen wird, erfahrt ihr nur, wenn ihr selbst dabei seit: Die öffentliche Vorlesung findet diesen Samstag, den 24.10., von 17-18 Uhr im Hörsaal 5 des Audimax in der Rubenowstr. 5 statt. Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an neue Studenten, aber ausdrücklich auch an Bürger der Stadt, die etwas aus den Werken Arndts kennenlernen wollen. Um rechtzeitiges Erscheinen wird gebeten, da bereits um 17.15 Uhr der gesamte Hörsaal in einer Raum-Zeit-Kontinuumsblase verschwunden sein dürfte.

Mitschnitte, Filmaufnahmen und Presseberichte (sowohl damals als auch heute) sind ausdrücklich erwünscht. Um Herrn Arndt jedoch nicht mit neumodischer Technik zu konfrontieren, die es in seiner Zeit noch nicht gab und damit eine temporale Kettenreaktion auszulösen, die das gesamte Universums vernichten könnte, bitten wir um vorsichtige Verwendung und vorherige Absprachen.

Share

Aktivitäten im neuen Semester!

arndt-bild

Archivbild von letzter Arndt-Aktion

Gleich zu Beginns des Semesters haben wir drei spannende Informationsveranstaltungen für Euch:

Das größte Highlight soll unser Auftritt bei der traditionellen 24h-Vorlesung werden. Ernst Moritz Arndt selbst soll mit viel Tamtam eine besondere „Wiedergeburt“ erleben und Euch von seinen Ideen und Schriften „begeistern“. Termin ist der Samstag, der 24. Oktober um 17 Uhr. Wir empfehlen Euch, sich frühzeitig einen Platz zu sichern 😉

Bereits vorbei sind unser Stand beim „Markt der Möglichkeiten“ in der Mensa und der vom AStA organisierte Workshop zum Thema „Arndt-Debatte“.

Foto: Marco Herzog

Share

Die Urabstimmung kommt: Über 1400 Unterschriften

arndt_unterschriften_uebergabe-550x266-carsten_schoenebeck

Mitglieder der Initiative „Uni ohne Arndt“ übergeben die Unterschriftenliste an StuPa Präsident Korbinian Geiger (r.)

Heute haben wir einen wichtigen Schritt hin zur Urabstimmung über den Namenspatron unter den Greifswalder Studenten getan. 1313 Unterschriften von Greifswalder Studenten und 103 Unterschriften von Bürgern, Professoren und ehemaligen Studenten wurden heute dem StuPa-Präsidenten Korbinian Geiger (RCDS) übergeben. Notwendig für eine Urabstimmung sind die Unterschriften von zehn Prozent der Studierendenschaft, also 1168.

„Es ist schon toll, dass sich durch die ganze Debatte so viele Studierende und auch Bürger mit der Frage auseinandersetzen, wofür Arndt eigentlich steht und welche Bedeutung ein Namenspatron heute noch hat. Ich hoffe, dass diese rege Teilhabe an einer uni-politischen Debatte auch auf andere Themen überschwappt“, so Anne Klatt, ein Mitglied der Initiative.

Korbinian Geiger erklärte, er nehme die Aktion „genauso ernst wie jeder der Unterzeichner der Petition“. Er erläuterte, dass nun anhand von Stichproben die Echtheit der Unterschriften überprüft werden müsse.

„Schon das Zustandekommen der jetzigen Urabstimmung ist etwas Besonderes“, sagt Sebastian Jabbusch, Sprecher der Kampagne: „Dies ist die erste Urabstimmung in der Geschichte der Universität Greifswald. Es zeigt, dass den Studenten das Thema wirklich wichtig ist.“

Wir wollen die Kommilitonen durch diese Urabstimmung an dem Namensänderungsprozess beteiligen. Die Studenten können so erstmals gegenüber dem Senat in einer geheimen Wahl ausdrücken, wie sie zum umstrittenen Namenspatron stehen.

Schon bei der Vollversammlung im Juni hatte sich eine überwältigende Mehrheit der Studenten für die Umbenennung ausgesprochen. Die Urabstimmung bietet jedoch den Vorteil, dass die Abstimmung geheim ist und wirklich jeder teilnehmen kann – auch die, die im Ausland sind, denn sogar eine Briefwahl ist möglich.

So kann die Urabstimmung das Votum der Vollversammlung noch einmal verstärken. Wir als Initiative hoffen die sonst übliche Wahlbeteiligung der StuPa-Wahl durch die Urabstimmung von 10 Prozent auf 20 Prozent zu verdoppeln und auf eine klare Ablehnung des Namens von mindestens 60 Prozent. Die Initiative weiß, dass die Urabstimmung für den Senat juristisch nicht „verbindlich“ ist. Wir hoffen aber, dass der Senat dennoch das Votum der Studenten ernst nimmt.

Weiterlesen

Share

Deutsch-Nationale organisieren sich im Netz

Vor kurzem hatte wir darüber berichtet, dass die rechtsextreme Szene bundesweit äußert erregt ist, über den Versuch der Umbenennung. In antisemitischen Blogs und rechtsextremen Magazinen wird über die „linksradikalen“ Studenten und den „Akademikerpöbel“ geschimpft (wir berichteten).

Nun geht die Burschenschafts-Szene auch ins Studi-VZ und hat dort in einer Gruppe (Name der Initiative bekannt) immerhin bundesweit fast 140 Mitglieder gesammelt.

Um die politische Kaliber dieser vorgeblichen „Arndt-Verteidiger“ einmal aufzuzeigen, haben wir einige Screenshots von dieser (jedem öffentlich zugänglichen)  Studi-VZ Gruppe gemacht:

Beispiel Beleidigungen / Verleumdungen:

verlogener-heuchler

macht-sonst-nix

krueppel

(Jean Bédel Bokassa war ein brutaler Diktator aus Zentralafrika, der im Exil ein Buch namens „Mein Kampf“ verfasste.)

Neben Burschies sammeln sich auch einige „echte“ Neonazis hier:

die-aula

Bei Thorsten T. handelt es sich um Thorsten Thomsen, der u.a. für die deutschnationale „Aula“ schreibt, sowie für die  vom Verfassungsschutz hier als “rechtsextrem” eingestufte “National-Zeitung”. Er war 2001 Landesvorsitzender der “Deutschen Partei”, die vom Verfassungsschutz ebenfalls als rechtsextrem eingestuft wird. Zuvor war Thomsen Vorsitzender der noch kleineren, rechtspopulistischen Partei “Bund freier Bürge – Offensive für Deutschland “.

Sehr schön sichtbar ist auch, die Interaktion. Vermutlich ein Burschenschaflter („auf Häusle“) freut sich auf die Zeitung. (Name und Bild sind hier anonymisiert, da wir dem Burschenschaftler nicht unterstellen wollen, Nazi zu sein).

Weiter geht es nach dem Klick mit Links zu rechtsextremen Seiten und angeblichen „Systemmedien“…

Weiterlesen

Share

Kaum Arndt-Kritiker in der Senatskommission

senat_CC_webMoritz_Gords

Senat der Universität Greifswald

Heute wurde das Personal für die Kommission, die sich mit der möglichen Ablegung des Namenspatrons Ernst Moritz Arndt beschäftigen soll, bestimmt. Folgende Mitglieder sind nun gewählt worden:

  • Prof. Werner Stegmaier
  • Prof. Hannelore Weber
  • Prof. Reinhard Bach
  • Prof. Kyra Inachin
  • Prof. Walter Baumgartner
  • PD Dr. Mariacarla Gadebusch Bondio
  • Dr. Dirk Alvermann
  • Dr. Irmfried Garbe
  • Student Thomas Schattschneider
  • Student Korbinian Geiger

Die Initiative bewertet diese Kommission mit gemischten Gefühlen. Zwar ist es anzuerkennen, dass der Senat der Universität nun erstmals  seit 1933 kritisch seinen Namen hinterfragt, die Besetzung ist jedoch fraglich. Mit Garbe, Bach und Alvermann wurden drei bekennende und teils stark polemisierende (siehe hier oder hier) Arndt-Befürworter in die Kommission gewählt.

Gleichzeitig wurden renommierte Geschichtswissenschaftler des Historischen Instituts unserer Universität nicht in die Kommission gewählt. Ob es wohl daran liegt, dass sich beide Professoren öffentlich „kritisch“ zu Arndt geäußert  hatten? Ein Schelm der böses dabei denkt!

Entscheidend wird also sein, wie stark sich anderen – bisher noch überwiegend neutralen – Kommissionsmitglieder durch die drei Arndt-Befürworter beeinflussen lassen. Wir bieten in jedem Fall der Kommission unsere Zuarbeit und Kooperation an.

(Der Text wurde nach der Schnellmeldung aus der Sitzung am selben Tag um 19.45 Uhr überarbeitet und u.a. mit einem Foto ergänzt.)

Foto (CC): Gabriel Kords via webMoritz

Share

Jetzt im Studi-VZ: Mitmachen & Gesicht zeigen

vz

Klicken, um zur VZ-Gruppe zu kommen

Die Initiative hat vorgestern im Studi-VZ eine Gruppe namens „Uni ohne Arndt“ aufgemacht. Jeder, der seine Unterstützung und Solidarität mit unserer Initiative ausdrücken will, kann ihr jetzt beitreten: Bundesweit!

Wenn Ihr Ideen für unsere Initiative habt, könnt ihr diese dort posten. Genauso freuen wir uns über Hinweise auf Medienfeedback oder Leserbriefe, die wir übersehen haben. Ihr wollt mitmachen –> Einfach hier klicken oder in den Studi-VZ Gruppen nach „Uni ohne Arndt“ suchen!

Share