Tag Archive: Fiktion

Ostsee-Zeitung: Der Arndt-Kritiker als „Feindbild“

oz-garbe-14-7-09

Zum Vergrößern anklicken!

Bereits am 14.7. hatte sich der Theologe Garbe in einem Interview für Ernst Moritz Arndt ausgesprochen. Wir haben uns sowohl Garbes Aussagen genau angeschaut, als auch die Strategie der Ostsee-Zeitung:

1.) Zunächst einmal fällt auf, dass die Ostsee-Zeitung nicht über uns und unsere inhaltlichen Positionen berichtet. Wir haben vielfach versucht unsere Position darzustellen. Wir haben Interviews angeboten oder Gesprächsrunden. Stattdessen aber konzentriert sich die OZ darauf, einen vermeintliche stereotypen Arndt-Kritiker zu imaginieren. Dieser imaginierte Arndt-Kritiker wird als Feindbild in Umlauf gebracht, um wiederum Zustimmung zu erhalten. Berichte über uns – die wirklichen Arndt-Kritiker und unsere tatsächlichen Positionen – würden dieses Feindbild in der Öffentlichkeit entlarven. Das Interview mit Garbe ist der vor läufige Höhepunkt dieser Strategie. Es dürfte auch kein Zufall sein, dass dieses einen Tag vor der entscheidenden Senatssitzung erschienen ist.

2.) Garbe sagt so gut wie nichts über Arndt und seine Zeit. Er gibt Wertungen ab, die jeder abgeben kann, auch ohne Arndt und seine Schriften zu kennen. Das wird auch daran deutlich, dass er etliches sagt, was sachlich falsch oder irreführend (Arndt als Wissenschaftler und Philosoph, Antisemitismus nur in seinen mittleren Jahren etc.) ist.

3.) Nicht berücksichtigt werden die Fakten: Für Pommern gibt der Synagogenbrand von Neustettin 1881 das repräsentative Beispiel, für welche Zwecke solche antisemitische Feindbilder geschaffen wurden. Dieser Synagogenbrand gab das Muster vor für die spätere Verfolgung und Vernichtung der Deutschen jüdischen Glaubens. Garbe verpackt das Feindbild, das er aufbaut, in Hinweise, wie Arndt „richtig“ zu interpretieren sei, was man alles lesen und wissen muss, um ihn zu verstehen usw. So erweist sich dieses Interview als ein Bestandteil der Gesamt-Strategie der OZ, die ebenso folgerichtig am 18. Juni mit einem „Offenen Brief“ eines einschlägig verurteilen neonazistischen Gewalttäters eingeleitet wurde:

  1. die Positionen der Arndt-Kritiker verdeckt zu halten, weil es dagegen keine wirklich überzeugende Argumente gibt, sowie
  2. verhindern, dass Kenntnisse Arndt`scher Werke verbreitet werden. Solche Kenntnisse könnten für sich selbst sprechen und sowohl die Bagatellisierungen Arndtscher Positionen als auch das Feindbild, das man aufzubauen bemüht ist, konterkarieren und geradezu in Frage stellen. Auch bestünde dann die Gefahr, man selbst halte deswegen an Arndt fest, weil man auch heute noch seine Positionen teilt.

Nur wenn die tatsächlichen Positionen Arndts wie auch der Arndt-Kritiker verdeckt bleiben, kann die Fiktion des Arndt-Kritikers, wie sie Garbe und sein Interviewer zu erzeugen bemüht sind, unbeeinträchtigt von der Wirklichkeit bestehen bleiben. Deswegen dürfen die Arndt-Kritiker nicht zu Wort kommen. Stattdessen wird Ihnen – wie auch in diesem Fall – unterschoben, was sie tatsächlich sagen und meinen.

Wie stellt sich nun das Feindbild dar, das Garbe imaginiert? Mit seinen eigenen Worten:

  1. ein Arndt-Kritiker ist jemand, der „Demagogie inszeniert“, unter anderem etwa da durch, dass er „greifbare Aussagen“ [Arndts?] „überstrapaziert“.
  2. ein Arndt-Kritiker ist jemand, der nur „zu wissen glaubt“, aber nicht wirklich et was weiß. Nur Irmfried Garbe weiß wirklich etwas. Natürlich auch der Lokalredakteur. Wenn dieser Arndt-Kritikern Aussagen unterschiebt, die diese nicht gemacht haben, dann glauben sie das eben nur.
  3. ein Arndt-Kritiker ist jemand, der „viel zu wenig beachtet, dass Arndt noch lange nicht in dem aufgeht, was man vom „Nationalideologen“ „zu wissen glaubt“.
  4. ein Arndt-Kritiker ist jemand, der die „Sprache jener Jahre nicht [versteht]“. Sobald er diese versteht, erledigt sich seine Kritik. Irmfried Garbe versteht diese Sprache.
  5. ein Arndt-Kritiker ist jemand, der „zwischen den historisch gewachsenen Arndt-Bil dern und dem Menschen Arndt in seiner Widersprüchlichkeit“ nicht trennt.
  6. ein Arndt-Kritiker ist jemand, der nicht sieht, dass es (angeblich) „das `nationale´ Arndt-Bild“ war, das diesen zum Uni-Patron werden ließ, und der auch nicht sieht, dass „auch das…mehrere Aspekte [hat]“.
  7. ein Arndt-Kritiker ist jemand, der weder die erforderliche „exegetische Sorgfalt“ anwendet noch über solide Kenntnisse „des geistigen Wurzelgrundes“ verfügt, um „Arndt-Texte nicht in ihrer Vielschichtigkeit zu verstehen“.
  8. ein Arndt-Kritiker ist jemand, der nicht weiß, dass „Juden-Bilder…in Arndts stattlicher Publizistik nur eine marginale Rolle [spielen].“, [ein Arndt-Befürworter dürfte dem zufolge jemand sein, der derartige Äußerungen unbesehen glaubt.]
  9. ein Arndt-Kritiker ist jemand, der Arndt grundsätzlich nicht gründlich gelesen hat und daher auch  nicht gemerkt hat, „dass er [Arndt] im Kern ein ethisches Programm verfolgt.“
  10. ein Arndt-Kritiker ist jemand, der grundsätzlich ohne gründliche Kenntnisse kritisiert. Damit soll suggeriert werden, dass jeder der über die „soliden Kenntnisse“ Irmfried Garbes verfügt, seine Kritik an Arndt einstellt.

In allen Punkten sieht sich Garbe im Gegensatz zu der von ihm aufgebauten Fiktion des (vermeintlichen) Arndt-Kritikers. Im Unterschied zu diesem ist Garbe nämlich jemand der „die Sprache jener Jahre“ versteht, der Arndt-Texte in ihrer Vielschichtig keit versteht, der die er forderliche exegetische Sorgfalt walten lässt und wie kein anderer über gründliche Kenntnisse verfügt usw. Dass er – trotz der Kürze des Interviews – in mindestens drei Fällen über Arndt Falsches und Irreführendes äußert, dürfte seinen Glauben an seine „soliden Kenntnisse“ wohl kaum erschüttern. [Weiterlesen hinter dem Klick]

Weiterlesen

Share