Tag Archive: Debatte

Antrag: Zurück zum traditionellen Namen „Universität Greifswald“

Am 17. März 2010 stellte Thomas Schattschneider, Vorsitzender der Arndt-Kommission des Senats zusammen mit dem dem Professor für Ideengeschichte Hubertus Buchstein und dem studentischen Senator Fabian Schattschneider den Antrag auf die Umbenennung der Universität.

Heute durften wir erneut in der Ostsee-Zeitung lesen, dass es „kein Handlungsdruck“ bezüglich Arndt gäbe. Das sehen wir – und immerhin 14 Mitglieder des Senats – durchaus anders. Dies dokumentiert auch der Redetext, den wir hier veröffentlichen dürfen. An dieser Stelle einen großen Dank an Thomas Schattschneider für seine Unterstützung.

Sehr geehrte Senatsmitglieder!

Da Herr Professor Buchstein zur heutigen Senatssitzung verhindert ist, möchte ich den vorliegenden Antrag begründen.

Eine der weitreichendsten Entscheidungen eines Universitätssenats ist die Beschlussfassung über den Namen der Hochschule. Hiervon machte der Greifswalder Senat zunächst 1933 und dann 1954 Gebrauch und verlieh der Universität Greifswald die Namensparonage Ernst Moritz Arndt. Ein Namenspatron soll gemeinhin eine Tradition stiften, Identifikation schaffen, regional und überregional wirken und nicht zuletzt ein Bekenntnis zu Werten sein, die der Namenspatron verkörpert. Damit ein Namenspatron diese Funktionen ausfüllen kann, ist ein steter Konsens über den gewählten Namen unerlässlich. Ernst Moritz Arndt ist jedoch nicht unumstritten und ein universitärer Konsens ist auch nicht in Sicht. In den letzten 20 Jahren haben verschiedene Personen und Personenkreise Kritik sowohl an dem Namenspatron als auch der Namensvrleihung artikuliert. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass Arndt nicht integriert, sondern polarisiert.

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Die selektive Wahrnehmung / Hetze der OZ

Wie der Fleischervorstadt-Blog feststellte, ist die Frage, wie die Greifswalder Öffentlichkeit – insbesondere ihre Lokalzeitung – mit dem Problem „Ernst Moritz Arndt“ umgeht inzwischen viel spannender, als die eigentliche Debatte über Arndt, die so (bewußt oder unbewußt) verdrängt wird. Ein neues Paradebeispiel lieferten die OZ mit der verzehrten Veröffentlichungen der Kommentare der Professoren Klüter und Baumgartner:

Schritt 1 – Selektion:

Das Statement von Prof. Baumgartner suchte nach einem harmonischen Weg, wie die Uni  nun mit der Krise an der Universität umgehen könnten. Für die OZ offenbar zu harmonisch und daher bis heute nicht mal erwähnt. Stattdessen wird nur die berechtigte, aber deutlich schärfere Kritik von Prof. Klüter abgedruckt.

Schritt 2 – Verkürzung & Polarisierung:

Aus Klüters Statement (23 Sätze) nimmt die OZ nur die drei schärfsten (Teil-)Sätze  heraus. Von 4093 Zeichen bleiben nur 537 übrig, die Zeitung verkürzt so das Statement um ~ 87 %.

Schritt 3 – negativer Kontext:

Das Statement lag der Ostsee-Zeitung bereits seit über zehn Tagen als Leserbrief bzw. Statement vor. Die OZ veröffentlichte das Statement jedoch nicht. Also taten wir das auf unserer Seite. Erst als Axel Hochschild (CDU) eine Pressemitteilung auf MV-Regio gegen Klüter veröffentlichte, erschienen eben die stark verkürzten Zitate aus Klüters Statement in der OZ – nun natürlich eingebettet in scharfer Kritik von Hochschild.

Im Artikel behauptet die Lokalzeitung, dass das Statement auf der „Seite der Initiative“ veröffentlicht wurde. Das ist zwar richtig, verschweigt aber, dass das Schreiben ursprünglich an die OZ ging. Stattdessen könnte der Hinweis der Veröffentlichung auf unsere Seite auch gewisse Ressentiments beim Leser wecken – alá „Ach aus der Ecke…!“ Auch die Internetadresse unserer Seite veröffentlichte die Ostsee-Zeitung – wie üblich – nicht. Im schlimmsten Fall könnten die Leser ja den Text von Prof. Klüter im Original und in Gänze lesen!

Schritt 4 – verzerrende, reißerische Überschrift:

Mit der Überschrift „Arndt-Debatte: Klüter vergleicht Entscheidung mit Nazi-Beschluss“ hat die OZ die scharfe Kritik von Prof. Klüter absurd übertrieben. Faktisch hat Prof. Klüter die Entscheidung des Senats nicht mit dem Nazi-Beschluss verglichen. Dies ist schlicht falsch. (Orginaltext hier lesen!) Klüter selbst hat sein Statement bei der OZ mit der Überschrift „Der rechte Ungeist“ eingereicht.
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Schritt 5 – Verweigerung einer Richtigstellung:
Sofort forderte Prof. Klüter die OZ schriftlich auf, die Behauptung richtig zu stellen. Einer Richtigstellung kam die OZ – wie auch schon bei Prof. Buchholz – nicht nach. Stattdessen veröffentlichte sie nach guter alter Tradition keine eigene Richtigstellung, sondern lies nur den Betroffenen erst zwei Tage später in Form eines Leserbriefes den Fehler der Redaktion berichtigen. Um es jedoch klar zu sagen: Das ist keine Berichtigung! Zudem wurde die „getarnte“ Richtigstellung mit den Worten eingeleitet „Prof. Klüter fühlt sich missverstanden„. Dass es eigentlich die OZ war, die mit ihrer Überschrift schlicht falsche Tatsachen behauptet hat, wird bewusst heruntergespielt.
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Schritt 6 – Verächtlichmachung über (teils gefälschte) Leserbriefe:

Am selben Tag mit der „versteckten“ Richtigstellung von Klüter werden zwei Leserbriefe von – wen wird es überraschen – empörten Greifswaldern veröffentlicht. Einer bezieht sich sogar expliziet auf den von der Ostsee-Zeitung erfundenen „unsäglichen Vergleich„. Auch die Reihenfolge der Leserbriefe ist interessant: Zunächst kommt die Kritik am eben angeblich von Klüter stammenden „unsäglichem Vergleich“, erst dann die Richtigstellung von Klüter. Wie hätte es gewirkt, wenn die Reihenfolge anders herum wäre? Hätte sich dann nicht auch der OZ Leser gefragt, ob sich die Kritik aus anderen Leserbrief nicht erledigt hat? Hmm – also lieber Klüter nach hinter. Das gleiche Spiel in der Überschrift der Leserbriefspalte. Zwar wird dort Klüters Richtigstellung aufgegriffen, allerdings nicht der Satz „Die Überschrift war falsch„, sondern der Satz “ Ich habe die Senatsentscheidung nicht mit einem Nazi-Beschluss verglichen“. Letzteres hört sich wie eine Art „Rückzug“ oder einem „späten Eingeständnis“ an, wie man es von Politikern gewohnt ist, wenn sie merken, dass ihre Position nicht halbar ist. „Ich habe… nicht…“ bezieht das Problem zudem auf Prof. Klüter, nicht auf die Ostsee-Zeitung. „Ich habe… nicht…“ suggeriert außerdem das hier Aussage gegen Aussage steht. Da die Ostsee-Zeitung ja weder eine Richtigstellung noch den Originaltext je veröffentlicht hat, ist es dem Leser auch nicht möglich objektiv nachzuvollziehen, wer Recht hat. War die Überschrift einfach nur frech, ist dies hier echte Verleumdung.
Die zwei Kritik-Leserbriefe sind übrigens sowohl länger als der Prof. Klüter zur Verfügung gestellter Leserbrief-Platz für die „versteckte“ Richtigstellung, aber auch länger als die drei zitierten Sätze von Prof. Klüters Ursprungsstatement. Klüters eigener Leserbrief, den der Professor zusammen mit der Bitte um Richtigstellung einreichte, wurde hingegen überhaupt nicht veröffentlicht. Ihr könnt ihn wieder nur bei uns lesen.
Spannend ist auch ein zweite Kritiker Leserbrief einer gewissen „Simone Paluske“. Den Familiennamen gibt es  nicht im Telefonbuch. Und damit meine ich nicht das Greifswalder Telefonbuch, sondern das gesamte deutsche Telefonbuch. Die Frau scheint also auch keine Verwandte zu haben. Sie hat übrigens auch keine Verwandte wenn man das „l“ und das „u“ umdreht – ein einfacher Schreibfehler scheint es also auch nicht zu sein. Noch spannender aber: Es findet sich kein einziger Treffer über sie im Internet. Es gibt also keine „Simone Paluske“ oder „Paulske“: Weder in Greifswald, noch in Chicago oder Haiti. Zumindest kann man festhalten, dass dies ihre global erste öffentliche Erwähnung in ihrem Leben ist. Schon komisch oder? Uns erinnert der Leserbrief dafür vom Schreibstil und Inhalt einen von uns heißt geliebten Hobby-Rentner und Arndt-Fan… Zumindest früher soll sich die Ostsee-Zeitung aber auch selbst ihre eigene Leserbriefe geschrieben haben. Frau Paluske: Wenn es Sie gibt: Melden Sie sich bitte bei uns. Wir nehmen dann dieses Statement gerne wieder offline: uniohnearndt [at] googlemail.com oder 0176 20336676 oder einfach in den Kommentaren. Jeglicher halbwegs glaubhafter Nachweis über Ihre Existenz wird akzeptiert!
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Unsere Fragen an die Ostsee-Zeitung:
  • Glauben Sie ernsthaft, dass sich noch EIN Arndt-Kritiker öffentlich äußert, wenn Sie eine derartitige Hetzkampagne führen?
  • Ist das der „richtige Umgang“ mit einer so schwierigen und heiklen Debatte?
  • Wann veröffentlichen Sie das Statement von Prof. Baumgartner?
  • Überprüfen Sie die Identität auffälliger Leserbriefen überhaupt?

Nach dem Klick lesen Sie die von der OZ nicht abgedruckte Antwort von Prof. Klüter auf die unsägliche Diffamierung durch CDU-Frontmann Axel Hochschild. Weiterlesen

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Greifswald TV veröffentlicht Rückblick

Auch Greifswald TV hat über ein Jahr lang die Arndt-Debatte verfolgt. Manches Video des Lokalsenders sind auch hier in unsere Darstellung eingeflossen. Jetzt hat der Sender einen sehenswerten Rückblick zur Arndt-Debatte erstellt. Darin kommentiert Carsten Schönebeck als Chefredakteur des Studentenportals webMoritz.de den Verlauf der Debatte:

An dieser Stelle einmal einen großen Dank an die Redaktionen von webMoritz.de und Greifswald TV für die meist faire Berichterstattung in den letzten 12 Monaten.

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Was nun? – Kommentar von Prof. Baumgartner

Kommentar von Prof. Dr. em. Walter Baumgartner zur Entscheidung des Senats, Ernst Moritz Arndt weiter als Namenspatron zu führen

„Der Senat hat eine politische Entscheidung getroffen, kein wissenschaftliches Urteil ausgesprochen. Letzteres kann er auch gar nicht und kann er auch nicht gewollt haben (er hätte sich allerdings von wissenschaftlichen Expertisen leiten lassen können). Die Entscheidung mag man bedauern, man muss sie vorerst akzeptieren.

Eine andere Sache ist es, wie die Uni jetzt mit ihrem anerkanntermaßen problematischen Namen umgeht. Ein Konzept dafür, wie es die Befürworter des Namens in der Namenskommission fordern, liegt in weiter Ferne. Die rudimentäre Debatte im Senat hat sich weder auf die Pro- noch auf die Kontraargumente der Namenskommission bezogen. Dass in der Kommission und in der wissenschaftlichen Debatte pro und kontra argumentiert wurde, kann jedoch nicht heißen, dass ab sofort alles richtig ist, was immer man zu behaupten Lust hat. Arndt ist z.B. kein Demokrat gewesen, wie die Pressestelle kolportiert und die Zeitungen referieren. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist das Gegenteil richtig. Die Wissenschaftler unter den Arndt-Befürwortern haben denn auch nie etwas anderes behauptet, sie sprechen höchstens vorsichtig davon, Arndt sei „ein Demokrat im weitesten Sinne“ gewesen. Das heißt doch: Arndt könnte gewissermaßen gerade noch knapp als Demokrat durchgehen, wenn man nicht so genau hinguckt. Ganz analog liegt die Problematik bei Arndts Antisemitismus, Fremdenhass und völkischem Nationalismus und bei seinen mediokren Leistungen als Dichter und Historiker. Der Senat hat keine Lehrmeinung revidiert, er hat nur beschlossen, dass für ihn aus dem überwiegend Arndt-kritischen Bild der Forschung in der Germanistisk, der Romanistik, der Skandinavistik, der Geschichte, der politischen Ideengeschichte und der Geographie kein Handlungsbedarf in Bezug auf den Namen der Universität resultiert.

Wenn die Uni aber jetzt über ihren Namenspatron reden will, muss sie sehr genau das Positive, das ihre Motivation für den Namen ist, herausarbeiten. Und das muss – anders als die politische Geschmacksentscheidung, die getroffen wurde – wissenschaftlich belegbar und verantwortbar sein. Denn sonst hätten wir es mit einer Universität zu tun, die sich ganz offensichtlich nicht um wissenschaftliche Erkenntnisse und Ergebnisse schert. Paradoxerweise heißt das, dass man jetzt, nachdem sie für die (politische) Senatsentscheidung nicht maßgeblich waren, eben doch die hiesigen Arndt-Experten konsultieren muss. Zuallererst müsste der von verschiedenen Seiten zu Recht scharf kritisierte vernebelnde Text über Arndt auf der Uni-Homepage durch eine verantwortbare neue Fassung ersetzt werden. Dazu gibt es qua venia zuständige Historiker und Germanisten an Greifswalds Universität.“

Prof. Baumgartner war Mitglied der Namenskommission des Senats. Er hatte sich hier und hier ausführlich für die Ablegung des Namens eingesetzt.

Einem neuen Text über Arndt auf der Uni-Homepage forderte auch die Vollversammlung vom Dezember 2009. Der Beschluss wurde vom StuPa bestätigt.

Die Studierendenschaft fordert die Universität auf, die offizielle Arndt-Darstellung auf der Universitätshomepage zu entfernen und einen neuen schreiben zu lassen.
Die Studierendenschaft hält die Forderung der Vollversammlung vom Juni 2009, nach denen die Universität endlich über die „problematischen Aspekte“ Arndts informieren sollte, für nicht erfüllt. Diese Aspekte umfassen insbesondere Arndts Antisemitismus, Rassismus und völkischen Nationalismus. Sie sollten weder verschwiegen noch beschönigt werden. Die Studierendenschaft hält eine kritische Arndt-Darstellung für essentiell, um mit dem Namenspatron überhaupt verantwortungsvoll umzugehen zu können, und fordert die Hochschulleitung dazu auf, ausführlicher über die wesentlichen Aspekte des Wirkens und Werkes Ernst Moritz Arndts zu informieren.“

Auch die Initiative „Uni ohne Arndt“ fordert einen „aktiven“ Umgang mit Arndt. Als erstes sollte der Senat den Rektor mit der Neufassung des Arndt-Textes beauftragen. Der Text der Universität stellt Arndt noch immer verfälscht dar.

Foto: privat, nicht CC.

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Diffamierungen der Arndt-Kritiker

Es hat System: Im Jahre 2001 kamen Prof. Buchholz, Prof. Lutz und Prof. Stamm-Kuhlmann unter die Räder. Sie erhielten Drohanrufe und wurden in der Greifswalder Ostsee-Zeitung angegriffen. Im letzten Jahr stand der Student und Sprecher der Initiative „Uni ohne Arndt“ Sebastian Jabbusch unter dem selben Kreuzfeuer. Im Juni war Prof. Weber dran, da sie im Senat sagte, dass es „offensichtlich“  sei, dass Arndt „schon lange weg muss“. Vor zwei Wochen wurde Liedermacher Konstantin Wecker nach einem offenen Brief öffentlich angegriffen. Nach der Abstimmung im Senat veröffentlichte eine Neonazi-Seite die Namen der drei Antragsteller und diffamierte Prof. Buchstein. Und auch Prof. Klüter bekommt nun zu spüren, wie man in Greifswald mit Arndt-Kritikern umgeht:

Der CDU Fraktionsvorsitzende Axel Hochschild gab gar eine eigene Pressemitteilung als Antwort auf Prof. Klüters Kommentar heraus. Darin heißt es:

„Bei diesen Äußerungen kann man Herrn Prof. Klüter nur nahelegen, dringend ein Seminar für Demokratie und Toleranz zu besuchen. Dort lernt er vielleicht, auch andere Meinungen zu akzeptieren und Menschen, die in einem konkreten Anliegen anderer Auffassung sind, nicht als Personen mit rechtsradikalem Gedankengut abzustempeln insofern zu diskriminieren. Es ist nicht möglich, einen solchen Menschen als ein moralisches Vorbild unserer Gesellschaft zu akzeptieren, wovon man aber grundsätzlich bei Hochschullehrern ausgehen darf, so Axel Hochschild abschließend.“

Es ist interessant, dass Herr Hochschild einem Professor die „moralische Vorbildfunktion“ absprechen will, weil dieser sich gegen rechtsextremes Gedankengut in Vorpommern einsetzt. Mit Ernst Moritz Arndt hingegen – ein Mensch der gegen „minderwertige“ Völker hetzte, Judenpogrome tolerierte und Rassismus predigte – scheint Axel Hochschild kein Problem zu haben. Er sei als Vorbild für Uni offenbar zu gebrauchen, immerhin erklärte Hochschild im Januar, dass er für eine Namensänderung „keine wirklichen Gründe“ sehe.

Ebenfalls störte es die CDU nicht zusammen mit allerlei Neonazis für Ernst Moritz Arndt vor dem Senat der Uni zu demonstrieren. Unter den Arndt-Bewahrern waren Leute, gegen die ein strafrechtliches Verfahren läuft, weil sie das Internationale Kultur- und Wohnprojekt (Ikuwo) angegriffen, den Hitlergruß gezeigt haben und Waffen bei sich trugen. Später gesellten sich Aktivisten der hiesigen Kameradschaftsszene hinzu. Der Fleischervorstadt-Blog berichtete zu dieser „Mahnwache“:

„Der Anblick der Mahnwache ließ erschaudern, denn dort standen die Namensbefürworter in unheilvoller Allianz mit bekannten Rechtsextremisten zusammen und verbildlichten so jene Vorwürfe, die ihnen von einzelnen Vertretern der Initiative Uni ohne Arndt immer wieder zwischen den Zeilen entgegengebracht wurden. Als das Abstimmungsergebnis nach draußen drang, lag man sich in den Armen, die Freude kannte keine Grenzen. Besser hätte es König Fußball nicht hinkriegen können.

Ein Mitglied der rechten Burschenschaft Rugia proklamierte aufgeregt, dass die Freiheit gesiegt habe und riss kurz die Faust in die Höhe. Für einen kurzen Augenblick dachte ich dabei an das berühmte Bild aus Rostock Lichtenhagen, das den Irrsinn mit Jogginghose, Dosenbier und Urinfleck versinnbildlichte.

Derweil vertrieb sich die außerakademisch-nationalistische Opposition am gegenüberliegenden Rubenowplatz ihre Zeit. Dort gab man irgendwann dem Harndrang nach und urinierte an das Denkmal. Ob den jungen Antisemiten dabei klar war, was für ein starkes Statement zum Thema sie gerade ablieferten?“

Aus dem selben Spektrum wird den Arndt-Kritikern nun empfohlen die Stadt zu verlassen. „Demokratie und Toleranz“ werden in Vorpommern bzw. an der „Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald“ eben etwas anders verstanden, als anderswo… Vielleicht ist der Namenspatron ja gar nicht so verkehrt? – Eine Art Warnschild…

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Kommentar zur Senats-Entscheidung von Prof. Klüter: „Der rechte Ungeist“

Folgender Kommentar erreichte unsere Redaktion:

„Gestern hat der Senat der Universität Greifswald beschlossen, für die Universität den Namen Ernst Moritz Arndts beizubehalten. Er hat damit gezeigt, dass dessen Gedankengut – ungeachtet seiner rechtsradikalen Äußerungen – an einer deutschen Hochschule auch 2010 noch „senatsfähig“ ist. Es wurde deutlich, dass es Unterstützung dafür nicht nur in irgendwelchen abgelegenen Dörfern Ostvorpommerns oder des Uecker-Randow-Kreises, sondern auch an einigen Universitätseinrichtungen gibt – vor allem an der theologischen und an der juristischen Fakultät. Es scheinen also jene Fachgebiete betroffen, die in einer demokratischen Gesellschaft für Hoffnung und positive Normensetzung zuständig sein sollten. Mit Ernst Moritz Arndt hat man sich zu einer Gallionsfigur bekannt, die – als Hochschullehrer nach seiner Rehabilitation 1840 – Hass auf Menschen anderer Nationen gepredigt und zur Erreichung dieser Ziele in Vorlesungen dazu ermutigt hat, Recht zu brechen. Der Senat hat sich mit seinem Votum von 2010 in die Tradition eines Beschlusses zur Annahme jenes Namens von 1933 gestellt.

Heute wie damals gilt, dass ein Senat zwar ein hochschulpolitisches Gremium ist, aber nicht über wissenschaftliche Wahrheit befinden kann. An der Tatsache, dass Ernst Moritz Arndt und seine Ideen für eine nationenübergreifende, europäisch orientierte Humangeographie und andere Wissenschaften untragbar sind, kann ein Senatsbeschluss für oder gegen einen Universitätsnamen nichts ändern.

Bedenklich ist, dass sich einige Senatsmitglieder über diese Untragbarkeit hinweggesetzt haben. Bedenklich ist, dass sie sich – wie wohl schon 1933 – dem Diktat der Straße gebeugt haben. Sprachrohr wurde die Ostsee-Zeitung, deren Führung das Blatt wie schon zu DDR-Zeiten als Monopolorgan in der Region agieren ließ. Mit der Auswahl ihrer Leserbriefe und vielen, meist unqualifizierten, parteiischen Beiträgen hat sie Politik für den alten Völkerhasser gemacht. Die Mehrzahl der Senatsmitglieder zeigte sich folgsam und behandelte bei ihrer Namensentscheidung die Universität so, als ginge es um einen rechtsnationalen Schützenverein. Das führt zur Frage, ob eine Körperschaft des öffentlichen Rechts sich den Namen einer Person geben bzw. seine Weiterführung ermöglichen darf, die eindeutig verfassungsfeindliche Wertungen, Informationen und Ziele vertreten und propagiert hat. Wenn die Körperschaft – wie im fraglichen Fall – eine Hochschule mit öffentlichem Bildungsauftrag ist, sollte die Rechtsaufsicht bei der Prüfung die dem Auftrag entsprechenden Maßstäbe anlegen.

Innerhalb und außerhalb der Region gab es genügend Stimmen, die mahnten, nicht nur die Zeitung, sondern lieber Arndt im unzensierten Original zu lesen, bevor man eine Meinung über ihn äußert. Allerdings wurde die Auswahl des zur Verfügung gestellten Materials regionalen Akteuren drastisch beschränkt: Weder die Universität noch die Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft, noch die Ostsee-Zeitung wagten es, Arndts Vermächtnis, seine nach1840 erschienenen großen Monographien, ins Internet zu stellen (z. B. Versuch in vergleichender Völkergeschichte, Pro populo Germanico) oder die programmatischen Sätze daraus zu drucken. Es sind überwiegend amerikanische Hochschulen und „books.google.com“, bei denen man Arndt unzensiert nachlesen kann. So haben EMA-Universität und EMA-Gesellschaft eher Anti-Aufklärung betrieben. Mit Erfolg.

Die Auswirkungen für Region und Universität werden katastrophal sein. Gerade muss die Region sich gegen die perversen Fantasien verteidigen, die aufgrund des Fernsehfilms „Die Grenze“ aufgeflammt sind. Darin geht es unter anderem um eine politische Abspaltung der Region vor dem Hintergrund einer Auseinandersetzung mit dem Rechtsradikalismus. Nun können die Filmemacher sich damit rechtfertigen, dass das Thema nicht so weit hergeholt sein kann, wenn im Jahre 2010 ein Gremium der vorpommerschen Universität einen fragwürdigen Nazi-Beschluss von 1933 nachträglich noch einmal bestätigt. Das ist übrigens eine Idee, auf die selbst sie, jene Filmemacher, nicht gekommen sind. Also: Hut ab vor dem Senat der Universität Greifswald!“

Prof. Klüter hatte sich u.a. hier auf über 30 Seiten das gefährliche Gedankengut von Ernst Moritz Arndt nachgezeichnet.

(Dieser Artikel wurde am 23. März geringfügig überarbeitet.)

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Bedauern und Sprachlosigkeit

Rund 60 Demonstranten feierten vor dem Senat für die Ablegung. Über 700 Mitglieder und Unterstützer sind nach einem Jahr Kampagne nun enttäuscht.

Mit Bedauern und Sprachlosigkeit nimmt die Initiative „Uni ohne Arndt“ das Abstimmungsergebnis der heutigen Senatsentscheidung zur Beibehaltung des Namens „Ernst Moritz Arndt“ zur Kenntnis. 14 Stimmen waren für die Umbenennung, 22 dagegen.

Bunt und weltoffen: Diese Message dran nicht zum Senat durch. Man entschied sich für Arndt.

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„Wir hätten uns ein klares Signal gegen das fremdenfeindliche Gedankengut Arndts gewünscht, zu dem sich der Senat leider nicht durchgerungen hat,“ sagt Sandra Schmidt, eine Studentin der Initiative, „erkennen aber an, dass viele Menschen in der Region eine andere Symbolik mit Arndt verbinden.“ „Wir hoffen, dass über die problematischen Aspekte des Namenspatrons nicht wieder ein Siegel der Verschwiegenheit verhängt wird, sondern dessen Schattenseiten von der Universität zukünftig aktiv kommuniziert werden“ so Sebastian Jabbusch aus der Initiative.

Darüber hinaus regt Uni ohne Arndt an, dass die Universitätsleitung sämtlichen Universitätsangehörigen die Möglichkeit eröffnet, sich durch entsprechende Briefköpfe,  Namensschilder und Abschlusszeugnisse ohne „Ernst Moritz Arndt“ von dessen Werk zu distanzieren.

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Uni Greifswald wird Teil der Ausstellung „Antisemitismus? – Hat es bei uns nicht gegeben!“

Die Universität Greifswald bekommt die zweifelhafte Ehre Teil der Ausstellung „Antisemitismus in der DDR – Das hat’s bei uns nicht gegeben!“ zu werden. Auf einer Tafel wird – wen könnte es überraschen – die Arndt-Debatte aufgegriffen. Diesmal die in der DDR, im Jahre 1954.

Die Wanderausstellung, von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert, wird zurzeit erweitert und erneuert und soll in wenigen Monaten wieder auf Reisen gehen. Welche Wirkung würde da die Bestätigung des Namens im Jahre 2010 haben?

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Offener Brief von Konstantin Wecker

Mit einem offenen Brief richtet sich der berühmte Musiker, Liedermacher und Komponist Konstantin Wecker an die Greifswalder und die Senatoren der Uni:

„Liebe Freunde in Greifswald,

mit Interesse und Freude habe ich aus der Ferne die Debatte über Ernst Moritz Arndt in Eurer Stadt verfolgt. Begeistert haben mich der Mut und das Engagement der Studenten und Professoren, die sich nicht kritiklos in eine so fragwürdige Namenstradition stellen möchten.

Bei meinen Auftritten in Vorpommern habe ich viele Menschen getroffen, die sich für die Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit stark machen. Auch in Dresden haben im Februar mehr als zehntausend Menschen durch die Blockade des Neonazi-Aufmarsches ein wichtiges Zeichen gegen Faschismus gesetzt. Es gibt es leider noch immer zu viele, die „Deutschtum“ vor Menschlichkeit und Mitgefühl stellen. Auch dieser Region würde ein klares Signal gegen Rassismus und Ausgrenzung gut tun. Trägt da nicht die Universität als Ort der humanistischen Ausbildung eine besondere Verantwortung? Und wie würde es wirken, wenn dieser Beschluss von Hermann Göring von 1933 Bestand hätte?

Der Hamburger Historiker Prof. Dr. Arno Herzig hat in der ZEIT plausibel dargestellt, wie der „Brandstifter Arndt“ im frühen 19. Jahrhundert einen „modernen“ Antisemitismus formte und resümierte: „Wer nach den Gründen für Auschwitz fragt, wird sich mit dieser entscheidenden Phase der deutschen Geschichte beschäftigen müssen“. Kann Arndt mit seinem nationalistischen Weltbild ein Vorbild für junge Menschen sein? Und möchte die Stadt Greifswald auf ewig mit ihm verbunden sein?

Ich würde mich freuen, wenn der Senat den wichtigen und mutigen Schritt gehen und durch die Namensänderung zeigen würde, dass Arndts Fremdenhass heute nicht mehr hingenommen wird.

Euer Konstantin Wecker“

Passend dazu dieses Lied von Wecker: „Sage Nein“

Foto: Thomas Karsten.

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Jurist: Auch ich war lange „für“ Arndt…

Jan Fluschnik hat in unser Gästebuch geschrieben und zwar einen ganzen Aufsatz. Darin begründet der Jurist,  der zurzeit Mitarbeiter und Doktorand an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät ist, warum er zunächst „für“ Arndt war und nun – nach intensiver Beschäftigung mit der historischen Person – „gegen Arndt“ ist. [Wenn diese Anmerkung der Redaktion noch erlaubt ist: Uns ist kein Fall bekannt, bei dem es bisher anders herum verlief].

​“Vorab: Ich gebe zu, ich war auch lange Zeit Arndt-Befürworter. Und warum? Weil ich den Kern der Diskussion falsch erkannt habe (wozu auch Uni ohne Arndt beigetragen hat, aber das ist hier kein Thema). Prof. Echternkamp bringt es auf den Punkt: Was bleibt von Arndt in unserer Zeit? Eine auszugsweise Lektüre des deutschtümelnden und germanozentrierten Werkes ,,Pro populo Germanico“, das noch zu den harmloseren Arndtschen Werken zählt, tat bei mir ein Übriges. Deshalb hier meine überarbeitete Abwägung:

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