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Gegenwind kommentiert Debatte

Die links-ökologische Zeitschrift „Gegenwind“ meldet sich mit einem Kommentar zum Greifswalder Namensstreit zu Wort. Der Autor Fiete Kalscheuer stellt darin auch die Frage, inwieweit Unterschiede in der Sozialisation und Schulerziehung zwischen Ost und West die fundamental unterschiedliche Wahrnehmung von Antisemitismus als Problem ausmachen. Ein Auszug:

„Es stellt sich jedoch die Frage, ob dieser Streit nicht vielmehr einen noch immer bestehenden grundsätzlichen Unterschied zwischen dem gesellschaftlichen Klima in Ost- und Westdeutschland aufzeigt. Wie lässt sich etwa diese seltsame Verbrüderung von ehemaligen Kommunisten und rechtskonservativen Gruppierungen wie dem RCDS und der deutsch-nationalen Burschenschaft Markomannia erklären? Dr. Hartmut Bräsel, ein in Greifswald geborener Diplomat der DDR, unterstützt zum Beispiel in einem offenen Schreiben die von dem RCDS gegründete Pro-Arndt-AG und wünscht ihnen „viel Erfolg und weitere gute Argumente für eine gute Sache.“

Autor: Fiete Kalscheuer

Grund für diese Verbrüderung ist, meine ich, die fundamental andersartige Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus in der DDR und der Bundesrepublik. In der ideologisch durchtränkten Geschichtsschreibung der DDR wurde der Nationalsozialismus lediglich als Teil der gesamt-europäischen Bewegung des Faschismus erfasst. Der Faschismus wiederum wurde häufig nur als dialektischer Höhepunkt eines kapitalistischen Systems verstanden, durch den sich der Kapitalismus letzthin selbst zerstört. In der Bundesrepublik hingegen wurden in einem viel stärkeren Maße die Besonderheiten des deutschen Nationalsozialismus beachtet. Es bestand unter den in der Bundesrepublik maßgeblichen Publizisten, wie Sebastian Haffner, Joachim Fest und Fritz Stern, Einigkeit darin, dass vor allen Dingen die systematische, industrielle Vernichtung der europäischen Juden, der Holocaust, den Nationalsozialismus von anderen faschistischen Bewegungen unterscheidet. Der Nationalsozialismus wurde als ein in der Geschichte der Menschheit einmaliger Zivilisationsbruch aufgefasst, nicht aber als eine dialektisch notwendige Folge des Kapitalismus. Diese verschiedenartigen Erinnerungskulturen von Ost- und Westdeutschland führen dazu, dass man noch immer mit einer unterschiedlichen Sensibilität auf Antisemitismus reagiert, zumal es auch auf Seiten der Linken schon immer eine unselige Tradition des Antisemitismus gab.“

Den ganzen Text gibt es hier.

Der Autor hat vor kurzem seine letzte Examensklausur in Jura geschrieben. Er studierte in Kiel, Greifswald und Sankt Petersburg. Die Zeitschrift Gegenwind gibt es seit 1988 und wird von der Gesellschaft für politische Bildung e.V. in Kiel für Schleswig Holstein und Mecklenburg-Vorpommern herausgegeben.
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Erster Artikel nach Arndt-Lesung

oz_16_06_09

Mit diesem Artikel startete die lokale Ostsee-Zeitung die Berichterstattung. Ein paar Anmerkungen:

  • Das kein Name der Aktivisten im Artikel erwähnt wird, wurde von uns so erwünscht. Wir hatten anfangs (wohl naiverweise) gehofft, dass wir ohne Namen durchkommen.
  • Wir hatten durchaus auf unserem Info-Poster erwähnt, dass es auch positive Bewertungen zu Arndt gibt. Etwa von der pommerischen Landsmandschaft oder aus der Neonazi-Szene.
  • Die Debatte um Arndt wurde nicht von Greifswalder Professoren angestoßen, sondern von der Zeitung „Die Zeit“ im Jahre 1998 mit diesem Artikel.
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