Kategoriearchive: Medien-Feedback

Arndt war auch sehr Polenfeindlich!

Jerzy Pankiewicz aus Polen hatte mich mehrfach angeschrieben und gefragt warum wir auf dieser Seite die Polenfeindlichkeit von Arndt so wenig darstellen und nur über Arndts Franzosenhass sprechen. Das wollen wir natürlich nicht unterschlagen. Daher hier kurz seine Empfehlung zum Thema.

2205„Ich empfehle die deutsche Rezension zu Arndts Polenbild: http://www.sehepunkte.de/2002/11/3267.html. It is more academic and precise than my writings. So werden z.B. „Polnische „Sklaverei“, „Schmutz“, „Unbeständigkeit“ und „Leichtfertigkeit“ zu Antonymen der Erwartungshaltung und Selbsteinschätzung des deutschen Nationalcharakters. I personally don’t believe that the stereotype of a dirty Pole wearing a Jewish fur with lice created the basis of the European future.
Arndt in the the original: „Ein polnischer Pelz […] voll Läuse und Flöhe“ (Quelle)
Here is a Link to the German book, pls read it for more details:
The book is also available in the University library:
Regards, Jerzy
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Ernst Moritz Arndt erregt auch Bürger in Velbert

Die Ernst-Moritz Arndt Straße nach der Umbenennung

Die Ernst-Moritz Arndt Straße nach der Umbenennung

Und noch eine Nachreichung: Bereits im März 2010 hatten Bürger der Stadt Velbert für einige Tage sich des Namenspatrons „Ernst Moritz Arndt“ im Straßenbild entledigt und die Straße eigenmächtig umbenannt. Die Ernst-Moritz-Arndt-Straße wurde  in Sophie-Scholl-Straße umgetauft. Die Aktivisten in Velbert änderten gleich ein paar andere Namen mit: Umbenannt wurde auch der Ina Seidel-Weg (Autorin und Unterstützerin des Nationalsozialismus) in Gertrud-Koch-Weg und der Agnes-Miegel-Weg (Unterstützerin Adolf Hitlers) in Georg-Elser-Weg umbenannt. In einem Schreiben erklärten die Aktivisten dazu:

„Es ist für uns unerträglich, dass auch im Jahr des 65. Jahrestages der Befreiung von Ausschwitz den geistigen Tätern von einst die Ehre zuteil wird, Namensgeber für eine Straße zu sein. Rechtsradikale und antisemitisches Gedankengut rückt durch solche Praktiken immer weiter in die Mitte der Gesellschaft und wird Alltag.“

Die gesamte Aktion wurde hier kurz dargestellt. Wir danken für die kreative Aktion aus Velbert!

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DIE ZEIT veröffentlicht Artikel über Ernst Moritz Arndt

Die Wochenzeitung DIE ZEIT hat die neusten Ausgabe ihres Magazin “ ZEIT Geschichte, Epochen. Menschen. Ideen“ dem Thema „Die Deutschen und die ‚Nation‘ “ gewidmet (Heft 3/2010). Darin findet sich ein interessanter Aufsatz von Christian Staas mit dem Titel „Einheit durch Reinheit“  (S. 38-42). Dieser Artikel bestätigt einmal mehr, dass die „Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald“ in völlig unverantwortlicher Weise mit ihrem Namen einen Nationalisten verehrt, dessen Werk bis heute Rassismus und Fremdenfeindlichkeit predigt.

Die Universität hat seit den Studentenprotesten nichts an ihrer eigenen Erinnerungskultur verändert, weiterhin wird verdrängt. Die verharmlosende Darstellung über Arndt auf der Homepage der Uni wurde nicht verändert. Der Beschluss der Vollversammlung wird ignoriert.  Genau durch dieses „Unter-den-Teppich-kehren“ wird der Name erst Recht zum Schadfleck für die Uni. Der Rektor verweigert sich dabei ignorant jeder Veränderung  und sollte sich schämen. Denn ohne kritische Reflektion prangt der Name Arndts wie ein Aushängeschild für Rassismus und offenen Hass am Eingang zur Universität. Von dieser rechtsnationalen Atmosphäre fühlen sich nicht nur Burschenschaften, sondern zuletzt sogar ein Professor ermutigt. Aber auch zahlreiche rechtsextreme Schmierereien rund um die Mensa beziehen sich immer wieder auf Ernst Moritz Arndt sowie moderne Formen von Fremdenfeindlichkeit.

Wir erlauben uns, im folgenden einige Zitate aus dem Artikel zu veröffentlichen:

„Noch immer werden deutsche Frühnationalisten wie Ernst Moritz Arndt als aufrechte Patrioten verehrt. Dabei nehmen ihre Schriften schon in vielem die rassistisch-völkische NS-Ideologie vorweg. (…) In Berlin-Zehlendorf trägt seit 1935 eine evangelische Kirche seinen Namen, in Greifswald seit 1933 eine Universität […].

[…]

Trotzdem hat die historische Forschung Gestalten wie Arndt, Fichte und Jahn lange Zeit das Etikett „frühliberal“ angeheftet und das aufkeimende deutsche Nationalbewusstsein als emanzipatorisch begriffen […]. Kritische Zeitgenossen hingegen gewichteten die Nationalpropaganda Arndts, Fichtes und Jahns anders:  Sie sprechen, wie der jüdische Publizist Saul Ascher, von „Germanomanie“. Denn über die Nationalisierung der germanischen Stammesgeschichte und des „teutschen“ Mittelalters erträumten sich die germanomanen Autoren die deutsche Nation als homogene Abstammungsgemeinschaft. […]

Keiner der deutschnationalen Hassprediger fordert Volkssouveränität. Und viel ist zwar von „Freiheit“ die Rede, aber in einem ebenso diffusen Sinne wie von Volk, Vaterland und Nation. Die neue nationale Idee ist nebulös genug, um verschiedene Zwecke zu heiligen. Die pathosschweren Schriften der Germanomanen kompensieren diesen Mangel an konkreten politischen Vorstellungen mit einem umso schärfer umrissenen äußeren Feindbild. Verweichlicht, weibisch und moralisch verkommen nennt Arndt die Franzosen; mannhaft, tüchtig und ehrenhaft seien die Deutschen. (…)

Mit der Idee einer aufklärerischen Kulturnation, die sich im vernunftgeleiteten Für und Wider konstituiert, können Demagogen wie Arndt und Jahn nur bedingt etwas anfangen: Die kulturnationale Idee mündet bei ihnen in diffuse, sakralisierende Beschwörungen von völkischer Einheit und Stammesreinheit. (…) Der Duktus seiner [Arndts] Schriften und der anderer Germanomanen verrät hingegen keine besonders demokratische Denkweise: „Ein Volk zu sein, ein Gefühl zu haben für eine Sache, mit dem blutigen Schwert der Rache zusammenzulaufen, das ist die Religion unserer Zeit […].“ […] Die Freiheit, die Arndt hier vorschwebt, ist ganz offensichtlich nicht die in einer pluralistischen modernen Gesellschaft, sondern die einer archaisch harmonischen – und gut protestantischen – Stammeshorde. Der Ort, an dem sich ihr „Kulturnationalismus“ bewähren soll, ist nicht der Diskussionszirkel, sondern das Schlachtfeld. […]

[…] nicht mehr der alte religiös fundierte Antijudaismus, sondern ein moerner Antisemitismus, der die Juden zu einer feindlichen Nation stilisiert, gegen die es sich zu wehren gelte wie gegen eine Krankheit. Wie im Hetzen gegen Frankreich liegt dabei auch im Hass auf alles Jüdische ein einheitsstiftendes Moment: Im „Überlebenskampf“ mit den Juden formiert sich das germanisch-christliche Deutschland zum „Großvolk“.

Der Aufsatz ist illustriert, u.a. mit einer ganzseitigen zeitgenössischen Arndt-Karikatur „Der Franzosenfresser“, die den antifranzösischen Furor Arndts aufs Korn nimmt. Der Autor ist der Chefredakteur von „ZEIT Geschichte“.

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AStA Magazin Hannover begeistert über Arndt-Debatte

Das AStA Magazin „KontrASt“ des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) in Hannover hat unserer Initiative einen vierseitigen Artikel gewidmet über den wir uns sehr freuen. Hier einige Auszüge:

„Die Kampagne Uni ohne Arndt ist nicht nur auf Grund ihres für Studiproteste ungewöhnlichen Aktivitätsfeldes einzigartig. Auch die Aktionen sind dem Thema entsprechend ungewöhnlich. Kundgebungen, Demos, Besetzungen — Fehlanzeige. Die auffälligste Form des Protestes gegen den ungeliebten Autoren Arndt sind Lesungen seiner Werke durch einen Doppelgänger. Das Arndt-Double verliest dabei Ausschnitte aus den Werken Arndts, in denen Antisemitismus, Rassismus, Frankreichhass und völkischer Nationalismus offen zutage treten. Die Auswahl ist erschreckend groß. […]

Die inhaltliche Tiefe, mit der sich die Studierenden mit Arndts Texten beschäftigt haben, ist ein krasser Kontrast zu den flachen Bildungsraubbauparolen, die mensch in Hannover gewohnt ist. Bemerkenswert sind auch die Offensivität mit der das Thema in die Öffentlichkeit getragen wurde und nicht zuletzt das Durchhaltevermögen der Protestierenden, die trotz unverhohlener Drohungen ― teils von Seiten gewaltbereiter Nazis, an der Kampagne festhielten. […]
Bei den Arndtbefürworter_innen sprang die Freude […] sehr schnell in Häme um. Dabei nahmen sie sich weiterhin keine Zeit sich mit ihren eigenen Mitstreiter_innen kritisch auseinander zusetzen und übersahen die „Nationalen Sozialisten“ in ihren
Reihen wohlwollend. Diese nahmen ihren Sieg als Anlass auf ihrem Blog die Kampagne Uni ohne Arndt zu diffamieren.
Es bleibt zu hoffen, dass den konservativen Arndtanhänger aus den bürgerlich-demokratischen Parteien CDU und FDP, mit ihrer Nähe zu offen auftretenden Nazis konfrontiert werden.“
Übrigens auch schön zu sehen, wie sich der AStA Hannover politisch vom Greifswalder AStA unterscheidet 😉 – Das ganze Heft ist beim AStA-Hannover als PDF verfügbar.
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Greifswald TV veröffentlicht Rückblick

Auch Greifswald TV hat über ein Jahr lang die Arndt-Debatte verfolgt. Manches Video des Lokalsenders sind auch hier in unsere Darstellung eingeflossen. Jetzt hat der Sender einen sehenswerten Rückblick zur Arndt-Debatte erstellt. Darin kommentiert Carsten Schönebeck als Chefredakteur des Studentenportals webMoritz.de den Verlauf der Debatte:

An dieser Stelle einmal einen großen Dank an die Redaktionen von webMoritz.de und Greifswald TV für die meist faire Berichterstattung in den letzten 12 Monaten.

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Uni Greifswald wird Teil der Ausstellung „Antisemitismus? – Hat es bei uns nicht gegeben!“

Die Universität Greifswald bekommt die zweifelhafte Ehre Teil der Ausstellung „Antisemitismus in der DDR – Das hat’s bei uns nicht gegeben!“ zu werden. Auf einer Tafel wird – wen könnte es überraschen – die Arndt-Debatte aufgegriffen. Diesmal die in der DDR, im Jahre 1954.

Die Wanderausstellung, von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert, wird zurzeit erweitert und erneuert und soll in wenigen Monaten wieder auf Reisen gehen. Welche Wirkung würde da die Bestätigung des Namens im Jahre 2010 haben?

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„Wir müssen unser Arndtbild hinterfragen“

Mit einem Gastkommentar wendet sich Jost Aé (SPD) in der Ostsee-Zeitung an die Greifswalder Bevölkerung und wirbt um Verständnis für die mögliche Umbenennung. Der ganze Artikel ist äußert lesenswert.

„Die Arndtdebatte bietet uns allen die Chance, unser Arndtbild zu hinterfragen, zu überdenken und, wenn notwendig, zu korrigieren. Das können und müssen wir uns zumuten. Arndt selbst hat zeitlebens darauf Wert gelegt, ein homo politicus, ein politischer Mensch zu sein und entsprechend zu handeln. Dies forderte er auch von seinen Zeitgenossen und hoffte es für spätere Generationen. Seine Forderung zu erfüllen, heißt heute nicht, seine Ziele zu teilen, sondern die Zeichen unserer Zeit zu verstehen. So paradox es auch klingen mag: In Anbetracht unserer Verantwortung für das schlimmste Erbe unserer Geschichte, das er mitprägte, würden wir auch dann noch in seinem Sinne handeln, wenn wir zu dem Schluss kämen, dass es nun Zeit ist, ihn von seinem Patronat für unsere Universität zu entbinden. Könnten wir Arndt besser gerecht werden?“

Das solche Artikel heutzutage möglich sind, ist eine positive Veränderung der Ostsee-Zeitung. Wir danken dem neuen Redaktionsleiter, dass jetzt auch Positionen der Arndt-Kritiker zu Wort kommen dürfen.

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Gegenwind kommentiert Debatte

Die links-ökologische Zeitschrift „Gegenwind“ meldet sich mit einem Kommentar zum Greifswalder Namensstreit zu Wort. Der Autor Fiete Kalscheuer stellt darin auch die Frage, inwieweit Unterschiede in der Sozialisation und Schulerziehung zwischen Ost und West die fundamental unterschiedliche Wahrnehmung von Antisemitismus als Problem ausmachen. Ein Auszug:

„Es stellt sich jedoch die Frage, ob dieser Streit nicht vielmehr einen noch immer bestehenden grundsätzlichen Unterschied zwischen dem gesellschaftlichen Klima in Ost- und Westdeutschland aufzeigt. Wie lässt sich etwa diese seltsame Verbrüderung von ehemaligen Kommunisten und rechtskonservativen Gruppierungen wie dem RCDS und der deutsch-nationalen Burschenschaft Markomannia erklären? Dr. Hartmut Bräsel, ein in Greifswald geborener Diplomat der DDR, unterstützt zum Beispiel in einem offenen Schreiben die von dem RCDS gegründete Pro-Arndt-AG und wünscht ihnen „viel Erfolg und weitere gute Argumente für eine gute Sache.“

Autor: Fiete Kalscheuer

Grund für diese Verbrüderung ist, meine ich, die fundamental andersartige Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus in der DDR und der Bundesrepublik. In der ideologisch durchtränkten Geschichtsschreibung der DDR wurde der Nationalsozialismus lediglich als Teil der gesamt-europäischen Bewegung des Faschismus erfasst. Der Faschismus wiederum wurde häufig nur als dialektischer Höhepunkt eines kapitalistischen Systems verstanden, durch den sich der Kapitalismus letzthin selbst zerstört. In der Bundesrepublik hingegen wurden in einem viel stärkeren Maße die Besonderheiten des deutschen Nationalsozialismus beachtet. Es bestand unter den in der Bundesrepublik maßgeblichen Publizisten, wie Sebastian Haffner, Joachim Fest und Fritz Stern, Einigkeit darin, dass vor allen Dingen die systematische, industrielle Vernichtung der europäischen Juden, der Holocaust, den Nationalsozialismus von anderen faschistischen Bewegungen unterscheidet. Der Nationalsozialismus wurde als ein in der Geschichte der Menschheit einmaliger Zivilisationsbruch aufgefasst, nicht aber als eine dialektisch notwendige Folge des Kapitalismus. Diese verschiedenartigen Erinnerungskulturen von Ost- und Westdeutschland führen dazu, dass man noch immer mit einer unterschiedlichen Sensibilität auf Antisemitismus reagiert, zumal es auch auf Seiten der Linken schon immer eine unselige Tradition des Antisemitismus gab.“

Den ganzen Text gibt es hier.

Der Autor hat vor kurzem seine letzte Examensklausur in Jura geschrieben. Er studierte in Kiel, Greifswald und Sankt Petersburg. Die Zeitschrift Gegenwind gibt es seit 1988 und wird von der Gesellschaft für politische Bildung e.V. in Kiel für Schleswig Holstein und Mecklenburg-Vorpommern herausgegeben.
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