Autorarchive: PaulaO

Vollversammlung erhöht Druck auf Uni

Abstimmung bei der Vollversammlung 09.12.09

Abstimmung bei der Vollversammlung 09.12.09

Am 9.12.09 kamen um 17 Uhr rund 350 Studierende in die Mensa am Wall zur Vollversammlung der Studierendenschaft, die einmal pro Semester stattfindet. Bereits im dritten Jahr in Folge stand das Thema „Ernst Moritz Arndt“ auf der Tagesordnung.  Die Versammlung forderte gestern fast einstimmig das Rektorat auf, die verfälschte Stellungnahme zum Namenspatron zu überarbeiten.

Auslöser für die Debatte um den Uni-Text über Arndt, ist die Weigerung des Rektorats, die Autoren des Arndt-Textes zu nennen. Grund: Wie die Initiative veröffentlichte, hält einer der beteiligten Autoren den offiziellen Arndt-Text für unwissenschaftlich und für einen „politischen Kompromiss“. Der Professor weigert sich daher, „seinen guten Namen“ dafür zu belasten. Anstatt den Text weiter überarbeiten zu lassen, entschied das Rektorat jedoch, den Text ohne Namen der Autoren zu veröffentlichen.

Die Vollversammlung fordert nun eine Kehrtwende in der beschönigenden Geschichtspolitik der Universität:

Beschluss: „Die Studierendenschaft fordert die Universität auf, entweder die Autorennamen der offiziellen Arndt-Darstellung zu nennen oder den Text zu entfernen und einen neuen schreiben zu lassen.

Die Studierendenschaft hält die Forderung der Vollversammlung vom Juni 2009, nach denen die Universität endlich über die „problematischen Aspekte“ Arndts informieren sollte, für nicht erfüllt.

Diese Aspekte umfassen insbesondere Arndts Antisemitismus, Rassismus und völkischen Nationalismus. Sie sollten weder verschwiegen, noch beschönigt werden. Die Studierendenschaft hält eine kritische und ehrliche Arndt-Darstellung für essentiell, um mit dem Namenspatron überhaupt verantwortungsvoll umzugehen zu können.“

In der Begründung des Antrags hob Jens Spiegelberg, welcher als Mitglied der Initiative „Uni ohne Arndt“ den Antrag vorstellte, hervor, dass die Studierenden es durchaus anerkennen, dass die Universität erstmals seit 1933 eine Stellungnahme zum Namenspatron veröffentlichte. „Jedoch ist sie leider voller fachlicher Fehler und Verharmlosungen. Egal wie die Urabstimmung im Januar ausgeht: Wir brauchen einen kritischen und ehrlichen Umgang mit Arndt an dieser Universität.“

Eine ausführlichere Begründung zur Verfälschung des Arndt-Textes gibt es hier.

Foto: www.webmoritz.de

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Peter Petersen: Schulen distanzieren sich von antisemitischem Namenspatron

Durch das vor kurzem von Benjamin Ortmeyer (Universität Frankfurt) veröffentlichte Buch über Erziehungswissenschaftler in der NS-Zeit wurde eine Debatte um den Reformpädagogen Peter Petersen ausgelöst. Petersen, Namenspatron einiger deutscher Schulen, den man bisher mit seinen Errungenschaften in der Pädagogik in Verbindung brachte, hat jedoch noch eine zweite Seite. Diese wurde nun durch Ortmeyer näher beleuchtet und die Tatsache, dass Petersen Rassist, Antisemit und Anti-Demokrat war, ist nicht zu leugnen. Schon ein Gegner der Weimarer Republik, trat Petersen zwar nicht in die NSDAP ein, unterstützte aber die nationalsozialistische Idee und distanzierte sich auch später nicht von seinen Aussagen.

„Der Name ist nicht mehr haltbar, weil Peter Petersen nicht mehr als Vorbild und Orientierungspunkt dienen kann“.

Dies sagte die Schulleiterin der Peter Petersen Gesamtschule in Wellingsbüttel, Hamburg, dem Hamburger Abendblatt. Andere Schulen haben den Titel bereits abgelegt.

Natürlich sind Petersen und Arndt nicht gleichzusetzen, da sie beide in einen anderen zeitlichen Kontext zu setzen sind und auch weitere Unterschiede bestehen. Doch grundsätzlich gilt: Obwohl Petersen die Gesellschaft durch seine Arbeit bereichert hat, überwiegen die Gegenargumente und er ist inzwischen als Namenspatron moralisch nicht mehr tragbar – da werden doch Parallelen deutlich! Die Distanzierung von einer Person als Namenspatron ist also in so einigen Fällen nötig – und wie sich zeigt – auch möglich!

Lest mehr im Hamburger Abendblatt

Quelle: Hamburger Abendblatt, Artikel vom 1.12.2009

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