Reclam-Chef: „Eine Uni ohne Arndt finde ich wünschenswert“

Der Germanist und Geschäftsführer des Reclam Verlags, Dr. Frank R. Max, zum Namen der Uniersität Greifwald:

„Eine Uni ohne Arndt finde ich durchaus wünschenswert. In unserem Programm hat er in erster Linie nichts verloren, weil er kein guter Lyriker, geschweige denn ein großer Dichter ist. Auch unter den guten Autoren gibt es gerade zu dieser nationalistisch etwas erregten Zeit bekanntlich leider diverse Antisemiten. Aber prinzipiell ist so ein offensiver Antisemitismus der Arndtschen Art schon ein hinreichender Grund, den Autor nicht im Programm zu haben. Außerdem kräht aber, muß man einfach sagen, auch in der heutigen universitären Literaturwissenschaft, geschweige denn an der Schule, geschweige denn in der lesenden Öffentlichkeit, natürlich kein Hahn mehr nach EMA. Und diese freiheitskriegerischen Franzosenfresser („Der Gott, der Eisen wachsen ließ.“) waren ja damals nicht selten, sind aber alle der Vergessenheit anheim gefallen. Als Nr. 4 von der 1867 gegründeten Reclamschen Universal-Bibliothek kam tatsächlich noch Körners „Leyer und Schwerdt“ – nach Faust I und II und Nathan und vor Shakespeare – muß man sich mal vorstellen.“

Damit haben sich nun 20 Wissenschaftler für eine Umbenennung der Universität Greifswald ausgesprochen. Viele weitere Stimmen gibt es hier.

Foto: Danke für die Freigabe an Ferdinando Iannone. (Kein CC!)

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15 Antworten auf “Reclam-Chef: „Eine Uni ohne Arndt finde ich wünschenswert“

  1. 007testbild007

    Es mutest seltsam kurios an. Der Herr Max von Reclam hat Arndt nicht im Programm. Ihm ist wohlbekannt dass er viele andere berühmte Autoren im Programm hat die sich judenfeindlich geäussert haben. Deswegen kann er nicht deutlich sagen das Arndt wegen seiner Äusserungen nicht im Programm ist.

    Denn ein Richard Wagner ist bei Reclam selbstverständlich zu haben: Wagner, Richard: Parsifal ISBN: 978-3-15-018362-5 (http://www.reclam.de/detail/978-3-15-018362-5)

    Grundsätzlich spricht Wagner jüdischen Künstlern jede Form von Originalität ab. Sie mögen ihr Handwerk virtuos beherrschen, das Ergebnis wird aber immer Täuschung, ja Lüge sein, wie er am Beispiel Heinrich Heine ausführt:

    „Ich sagte oben, die Juden hätten keinen wahren Dichter hervorgebracht. Wir müssen nun hier Heinrich Heines erwähnen. Zur Zeit, da Goethe und Schiller bei uns dichteten, wissen wir allerdings von keinem dichtenden Juden: zu der Zeit aber, wo das Dichten bei uns zur Lüge wurde, unsrem gänzlich unpoetischen Lebenselemente alles Mögliche, nur kein wahrer Dichter mehr entsprießen wollte, da war es das Amt eines sehr begabten dichterischen Juden, diese Lüge, diese bodenlose Nüchternheit und jesuitische Heuchelei unsrer immer noch poetisch sich gebaren wollenden Dichterei mit hinreißendem Spotte aufzudecken. Auch seine berühmten musikalischen Stammesgenossen geißelte er unbarmherzig für ihr Vorgeben, Künstler sein zu wollen; keine Täuschung hielt bei ihm vor: von dem unerbittlichen Dämon des Verneinens Dessen, was verneinenswerth schien, ward er rastlos vorwärtsgejagt, durch alle Illusionen moderner Selbstbelügung hindurch, bis auf den Punkt, wo er nun selbst wieder sich zum Dichter log, und dafür auch seine gedichteten Lügen von unsren Componisten in Musik gesetzt erhielt. – Er war das Gewissen des Judenthumes, wie das Judenthum das üble Gewissen unsrer modernen Civilisation ist.“ (S.31-32, kursiv ist im Original gesperrt.)

    Letztlich hätten – so Wagner – die Juden nur eine Möglichkeit in den Kreis der zivilisierten Menschheit zurück zu kehren: durch „Selbstvernichtung“ – …"

    Es ist so armselig hier Moral vorzugauckeln die beim leichtesten Windhauch zerbröselt.
    Reclam selbst spielte eine fragwürdige Rolle im Nationalsozialismus :
    Der Verlag räumte sein Programm zufriedenstellend, so dass der Literaturhistoriker Adolf Bartels im Völkischen Beobachter 1938 verkündete:[2]

    Im Allgemeinen kann man doch mit dem großen Aufräumen bei Reclam zufrieden sein. Es kommen jetzt tausende deutscher Leser, vor allem das Volk und die Jugend, nicht mehr so leicht an die durchweg gefährlichen jüdischen Dichter und Schriftsteller heran. "

    Ich erkenne auch hier kein Argument das gegen den Namen der Ernst-Moritz-Arndt Universität zu Greifswald spricht. Dagegen habe ich einen neuen Namen für die Liste der Heuchler. Es ist der Geschäftsführer von Reclam.

    1. ret_marut

      Da scheinst Du mal wieder fleißig mit Copy&Paste bei Wikipedia unterwegs gewesen zu sein. 😉 Zumindest die Fußnotenzeichen, die ins Leere verweisen, hättest Du mal löschen können.

      Die Kritik an Wagner und seinem tiefsitzenden Antisemitismus teile ich. Entsprechend wäre ich ja strikt auch gegen eine "Richard-Wagner-Universität Greifswald". Da die Greifswalder Universität allerdings nach einem anderen Antisemiten und Reaktionär benannt wurde, nämlich EMA, wehre ich mich natürlich gegen diesen Namenspatron.

      Die Kritik (von Wikipedia) an Reclam im NS teile ich ebenfalls. Wie Bertelsmann und einige andere Verlage hat sich Reclam dem Nazi-Staat angedient und entsprechend Literatur im Sinne der NS-Ideologie herausgegeben. Während linke, sozialistische, antifaschistische Verlage (z.B. der Malik Verlag, die Büchergilde) liquidiert wurden und ihre Herausgeber_innen und Autor_innen ins Exil flüchten mußten, wurde der ganze völkische Schund von Reclam und Co. gedruckt und herausgegeben. Einige Verlage, wie z.B. Bertelsmann, haben sich mit dieser Art von Literatur eine goldene Nase verdient, insb. durch spezielle vom Staat finanzierte Ausgaben für die Wehrmachts-Landser.

      "Ich erkenne auch hier kein Argument das gegen den Namen der Ernst-Moritz-Arndt Universität zu Greifswald spricht."
      Mag ja sein, daß Du subjektiv Probleme des Erkennens hast, objektiv finden sich u.a. folgende Argumente in der Aussage von Herrn Max:

      * "weil er kein guter Lyriker, geschweige denn ein großer Dichter ist"
      * "prinzipiell ist so ein offensiver Antisemitismus der Arndtschen Art schon ein hinreichender Grund"
      * "kräht […] kein Hahn mehr nach EMA"

      Übrigens alles gute Gründe, die auch schon in der Greifswalder Diskussion auftauchten. Schließlich geht es bei einer Namenspatronage darum, daß a) dem/r Namensgeber_in für ihre Leistungen ehrend gedacht wird und b) der/die Namensgeber_in auch eine Vorbildfunktion für die Mitglieder der Universität besitzen soll. Bei Arndt ist weder a) noch b) gegeben. Daher ist die fehlende Mehrheit im Senat für eine Namensablegung ja auch so peinlich. Damit hat Greifswald leider wieder seinem provinziellen (im negativen Sinne) Ruf alle Ehre gemacht.

      1. 007testbild007

        schön, dass nur wir zwei hier noch sind 🙂

        Auch Du scheinst Die Strategie weiter konsequent zu verfolgen…
        z.B. die Weglassung wichtiger Passagen. hier nochmal die vollständige Aussage die Du anführst:

        "Aber prinzipiell ist so ein offensiver Antisemitismus der Arndtschen Art schon ein hinreichender Grund, den Autor nicht im Programm zu haben."

        Und genau diese scheinheiligen Worte kritisiere ich. Nicht mehr und nicht weniger. Denn Worte wie folgende stammen von einem Autor den man bei Reclam kaufen kann. Daher die Frage erneut: Wie prinzipiell offen muss Antisemitismus sein um bei Reclam nicht im Programm zu sein? Das hier scheint nicht zu reichen:

        "„Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist’s um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen. Wenn ich könnte, wo würde ich ihn [den Juden] niederstrecken und in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren. Jawohl, sie halten uns [Christen] in unserem eigenen Land gefangen, sie lassen uns arbeiten in Nasenschweiß, Geld und Gut gewinnen, sitzen sie dieweil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen und braten Birnen, fressen, sauffen, leben sanft und wohl von unserm erarbeiteten Gut, haben uns und unsere Güter gefangen durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an, das wir arbeiten und sie faule Juncker lassen sein … sind also unsere Herren, wir ihre Knechte.“"
        (Martin Luther)(alles nachzulesen u.a. bei Wikipedia unter Reclam; Luther; Wagner)

        1. ret_marut

          "Daher die Frage erneut: Wie prinzipiell offen muss Antisemitismus sein um bei Reclam nicht im Programm zu sein?" – Frag das am besten nicht uns, sondern Herrn Max, denn der ist Vertreter des Reclam-Verlages.

          Dein ewiges Relativieren des Antisemitismus wird durch Wiederholung nicht stichhaltiger. Wie ich schon sagte:
          "Bei Dir heißt es nicht: Weil A, B und C Antisemit_innen sind, verurteile ich deren Antisemitismus.
          Sondern: Weil A, B und C Antisemit_innen sind, kann die Äußerung ja nicht so schlimm sein."
          Um es mal deutlich zu sagen: Ich finde Dein Vorgehen hier, wenn es aus Naivität erfolgt, fatal, und wenn es aus Berechnung erfolgt, verachtenswert."

          1. 007testbild007

            Geschäftsführer des Reclam Verlags, Dr. Frank R. Max:

            "Aber prinzipiell ist so ein offensiver Antisemitismus der Arndtschen Art schon ein hinreichender Grund, den Autor nicht im Programm zu haben."

            Theodor W. Adorno:
            "Der Wagnersche Antisemitismus versammelt alle Ingredienzien des späteren in sich. Der Haß führt so weit, daß die Nachricht vom Tode von vierhundert Juden beim Wiener Ringtheaterbrand […] ihn zu Witzen inspirierte. Selbst den Gedanken von der Vernichtung der Juden hat er bereits konzipiert. Von seinen ideologischen Nachfahren unterscheidet er sich dabei nur, indem er die Vernichtung der Rettung gleichsetzt."
            ————————————————————————————–
            Richard Wagner: Der fliegende Holländer
            Textbuch mit Varianten der Partitur
            Egon Voss (Hrsg.)
            Reclam Stuttgart
            EAN: 9783150183175 (ISBN: 3-15-018317-0)
            80 Seiten, paperback, 10 x 15cm, 2004, Textbuch mit Varianten der Partitur
            ———————————————————————————————-
            Tristan und Isolde. Reclam Universal-Bibliothek, Band 18272
            von Richard Wagner
            ISBN-10:
            3-15-018272-7
            ISBN-13:
            978-3-15-018272-7
            Erschienen:
            2005
            Sofort lieferbar
            Aus der Reihe:
            «Reclam Universal-Bibliothek»
            ——————————————————————————————
            **RICHARD WAGNER – TANNHÄUSER**

            Vollständiges Opernbuch

            Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg

            Romantische Oper in drei Aufzügen

            Vollständiges Buch mit einer Einführung von Hermann Heyer

            Verlag Philipp Reclam Jun. Leipzig
            ————————————————————————————-

            Es ist unglaublich wie man Prinzipien biegen kann lieber Reclam verlag. Dabei habe ich noch nicht mal wirklich gesucht sondern nur das offensichtliche kurz zusammengetragen.

  2. 007testbild007

    Der Titel hier ist auch gut:

    Luther, Martin: Tischreden
    Hrsg.: Aland, Kurt. 317 S.

    ISBN: 978-3-15-001222-2

    Obwohl Luther Worte wie diese verfasst hat gibt es Werke von Ihm bei Reclam.
    Martin Luther : „Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien. – Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande. – Zum dritten, das man jnen nehme all jre Betbüchlein und Thalmudisten, darin solche Abgötterey, lügen, fluch und lesterung geleret wird. – Zum vierten, das man jren Rabinen bey leib und leben verbiete, hinfurt zu leren. – Zum fünften, das man die Jüden das Geleid und Straße gantz und gar auffhebe. – Zum sechsten, das man jnen den Wucher verbiete und neme jnen alle barschafft und kleinot an Silber und Gold, und lege es beiseit zu verwaren. – Zum siebenden, das man den jungen, starcken Jüden und Jüdin in die Hand gebe flegel, axt, karst, spaten, rocken, spindel und lasse sie jr brot verdienen im schweis der nasen.“

    Einer der grössten Judenhasser seiner Zeit war Martin Luther mit Sicherheit. Entweder wir urteilen gleich über alle antisemitischen Äusserungen oder wir lassen es ganz bleiben.

    P.S. Liebe Leute von Reclam, wie "prinzipiell offen" muss denn der Antisemitismus sein damit ein Autor nicht in Eurem Programm ist ? Das Fordern nach Verbrennung alles "jüdischen" wie hier von Martin Luther formuliert ist ja anscheinend kein Grund für Euch…

    liebe Grüße
    die Moral

    1. ret_marut

      "Entweder wir urteilen gleich über alle antisemitischen Äusserungen oder wir lassen es ganz bleiben."
      – Ich für meinen Teil kritisiere grundsätzlich die antisemitische (oder – in anderen Zusammenhängen – auch rassistische) Ideologie, die hinter solchen Äußerungen steht. Mit Moralismus hingegen kann ich wenig anfangen, halte ich auch für keinen geeigneten politischen Umgang damit.

      Dein Ansatz allerdings scheint wohl eher der Relativierung von antisemitischen Vorurteilen zu dienen, denn mir ist in Deinen ganzen bisherigen Rechtfertigungen für Arndt (hier im Kommentarbereich wie auch im Webmoritz-Kommentarbereich) nicht aufgefallen, daß Du irgendwann und irgendwo seinen offenkundigen Antisemitismus verurteilt hättest.

      Bei Dir heißt es nicht: Weil A, B und C Antisemit_innen sind, verurteile ich deren Antisemitismus.
      Sondern: Weil A, B und C Antisemit_innen sind, kann die Äußerung ja nicht so schlimm sein.

      Um es mal deutlich zu sagen: Ich finde Dein Vorgehen hier, wenn es aus Naivität erfolgt, fatal, und wenn es aus Berechnung erfolgt, verachtenswert.

  3. 007testbild007

    Wir haben oft dieselbe Meinung 😉 Ich fand das Vorgehen der Uni ohne Arndt verachtenswert weil es so berechnend und populistisch schien. Hättet Ihr eine sachliche Debatte angestossen und Arndt nicht ständig in den Hitler Topf geworfen hättet Ihr sicher mehr Erfolg gehabt als mit Euren Schreihals Aktionen. Auch hat mich die öftere Verdehung kleiner aber wichtiger Tatsachen gestört. Diese Art der Propaganda hätte Goebbels sicher auch gefallen. Kleines Beispiel: S. Jabbusch steht im Arndt Kostüm vor der Mensa und verliest ein Sammelsurium judenfeindlicher Äusserungen ohne jeden Zusammenhang. Dann kommt die Polizei und bittet den Platz zu räumen weil keine Versammlung angemeldet war. Ohr zieht in den Vorraum der Uni um. Und a nächsten Tag verbreitet Jabbusch die Mär, die Polizei hätte Euch wegen Volksverhetzung belangt..!

    Aber die Art und Weise wie Ihr mit der demokratischen Entscheidung umgeht zeigt wessen Geistes Kind ihr seid. Erst entscheidet sich die Mehrheit aller Greifswalder Studenten für den Namen Ernst Moritz Arndt. Dann positioniert sich der Senat der Universität klar und deutlich für Ernst Moritz Arndt.
    Und Ihr verbreitet seitdem trotzige Worte wie Du jetzt auch schon wieder:

    "Daher ist die fehlende Mehrheit im Senat für eine Namensablegung ja auch so peinlich. Damit hat Greifswald leider wieder seinem provinziellen (im negativen Sinne) Ruf alle Ehre gemacht. "

    Ich finde Euren Umgang mit Demokratie und Niederlage peinlich. Aber das nur nebenbei. Hier geht um Reclam. 🙂

    1. ret_marut

      Vielleicht solltest Du mal weg von Potemkinschen Dörfern hin zu realen Sachverhalten kommen:
      1. Die Lesung des Arndttextes war weder eine "Art der Propaganda […] Goebbels" noch wurde "ein Sammelsurium judenfeindlicher Äusserungen ohne jeden Zusammenhang" verlesen.
      Vielmehr wurde ein Arndt-Originaltext in toto vorgetragen – ohne Auslassungen, ohne Kommentierung, also einfach Arndt pur am Stück.

      2. Die Polizei wurde von Bürger_innen gerufen, nicht wegen versammlungsrechtlicher Dinge, sondern wegen des Verdachtes auf "Volksverhetzung". Entsprechend auch das Auftreten der Polizei. Gegenüber der Polizei konnte aber schnell erklärt werden, daß hier nur Originaltextes des Namenspatrons verlesen wurden und daß es sich um eine Aktion im Rahmen der Umbenennungsdiskussion handelt. Das hat auch die Polizei eingesehen und vom §130 StGB abgelassen (denn der war ja nach Aufmachung der Aktion auch objektiv nicht gegeben). Um weitere Aufgeregtheiten einiger Passant_innen zu vermeiden, hat die Polizei sich dann aufs Versammlungsrecht bezogen. – Die Initiative Uni ohne Arndt hat daraufhin in Absprache mit dem Studentenwerk ihre öffentliche Lesung ins Mensagebäude verlegt.

      3. "Hättet Ihr eine sachliche Debatte angestossen und Arndt nicht ständig in den Hitler Topf geworfen hättet Ihr sicher mehr Erfolg gehabt als mit Euren Schreihals Aktionen."
      Wir haben eine sachliche Debatte angestoßen, davon zeugt ja u.a. die Berichterstattung in den Moritz-Medien, die öffentlichen Anhörungen des Senats, die von uns mit erstellte Broschüre zur Urabstimmung, letztlich auch dieser Blog. Das als "Schreihals-Aktionen" zu diffamieren, zeigt, daß es Dir im Kern nicht um sachliche Auseinandersetzung geht, sondern um etwas anderes.
      Auch waren wir es nicht, die absurde Hitler = Arndt-Vergleiche aufgestellt haben; vielmehr hat uns die Gegenseite solcherlei Unsinn unterstellt. In unseren Publikationen haben wir entsprechend immer wieder darauf hingewiesen, daß wir Arndt in seiner Zeit und anhand seines Werkes und seiner Rezeption durch Dritte behandeln und entsprechend dort unsere Kritik ansetzt.

      "Ich finde Euren Umgang mit Demokratie und Niederlage peinlich." – Inwiefern ist das peinlich? Wir haben doch erst dafür gesorgt, daß es eine demokratische Urabstimmung unter allen Studierenden erstmals an dieser Uni gab – gegen die Hindernisse von StuPa und AStA. Wir waren es auch, die gleich nach dem Wahlausgang gesagt haben, daß wir das Votum der Studierendenschaft selbstverständlich akzepetieren, auch wenn nur ein Teil der von uns gesetzten Ziele erreicht wurde.
      Daß wir die Entscheidung des Senats für falsch halten und einen Rückschritt in der kritischen Auseinandersetzung mit Arndt halten, ist nur folgerichtig und überdies auch nichts Neues. Das haben wir schon am Tag der Senatsentscheidung so gegenüber der Presse und Öffentlichkeit kundgetan.

  4. 007testbild007

    Danke für Deine gewohnt überhebliche Sicht der Dinge. Ein jeder der die Debatte erlebt hat wird vermutlich ein Lächeln im Gesicht tragen wenn er Deine Worte hier liest. Dem ein oder anderen wird eher ein lautes Lachen entfliehen. Hier der Link zum "Auftakt" der öffentlichen Debatte beim Debattierclub. Es war Sebastian Jabbusch persönlich der da mit Hitler Zwischenrufen glänzte. http://www.debattierclub-greifswald.de/

    P.S. Propaganda (und das weisst DU genau 🙂 ) ist es nicht wenn sich jemand auf die Strasse stellt und irgendwas vorträgt. Propaganda ist es die Sache wider besseren Wissens so darzustellen als ob die Polizei wegen Volksverhetzung gerufen wurde und kam weil Ihr Texte von Ernst Moritz gelesen habt.

    Die Polizei kam weil Ihr eine ungenehmigte Versammlung durchgeführt habt. Die Polizei setzte sich durch indem Sie Euch aufforderte den Platz sofort zu räumen. Woraufhin Ihr den Platz vor der Mensa auch geräumt habt. Von angeblicher Volksverhetzung weil Arndt Texte öffentlich gelesen wurde also keine Spur. 🙂

    1. ret_marut

      "Von angeblicher Volksverhetzung weil Arndt Texte öffentlich gelesen wurde also keine Spur." – Spannend, daß Du es mal wieder besser weißt als die Beteiligten, nämlich die die Veranstalter_innen sowie die Polizei. Du bist echt ein Spaßvogel …

      1. 007testbild007

        Danke für das Kompliment 🙂 Bei DIr hab ich leider das Gefühl, dass Du kaum Spass verstehst…
        naja- lass uns mal Schluss machen hier – die Seite liest eh kaum noch einer…
        Zur Sache mit der Polizei stöber doch noch mal die Kommentare hier durch: http://www.webmoritz.de/2010/04/25/brandanschlag-

        "Laut dem Polizeibericht der Polizeidirektion Anklam wurde diese "öffentliche Lesung" wegen einer nichtangemeldeten Versammlung aufgelöst. Das war dann wohl etwas zuviel Öffentlichkeit. 😉
        "

  5. Marco_Wagner

    1988 hatte der Reclam-Verlag noch einige Gedichte von Arndt im Programm. Ich hatte vor einem halben Jahr mal beim Bücherflohmarkt ein Buch (ich glaube mit dem Titel "Lyrik des Vormärz"?) in der Hand gehabt, in dem Arndt abgedruckt war. Ich weiß jetzt allerdings nicht, ob zu diesem Zeitpunkt der jetzige Reclam-Chef bereits diesen Verlag geleitet hat.

    Übrigens: Alle "freiheitskriegerischen Franzosenfresser" sind nicht der Vergessenheit anheim gefallen. Es seien an dieser Stelle nur mal Wilhelm von Humboldt und Heinrich von Kleist erwähnt.

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