Prof. Klüter: Bewahrer verharmlosen Arndt

Seit dem Jahr 2001 tragen immer die selben drei Arndt-Befürworter ihre Meinungen zu ihrer „höchsteigenen“ Interpretation von Ernst Moritz Arndt vor.

Dem Geografieprofessor Dr. Helmut Klüter reicht es nun. In einer 3o-seitigen Stellungnahme für die Geografie verwehrt er sich gegen die Vereinnahmung seines Faches und wirft den Arndt-Bewahrern „Verharmlosung“ vor.

Seine Stellungnahme ist hier als PDF verfügbar. Ein Auszug:

„Trotz des Protestes der Geographie gegen diese Art der Vereinnahmung und der Verharmlosung Arndts wurde der Text nicht korrigiert und ist weiterhin unkommentiert auf der Website der Universität zu lesen. Dies soll zum Anlass genommen werden, Arndts Bedeutung für die Geographie näher zu beleuchten.
Es wurde bereits darauf verwiesen, dass es bei der Diskussion um den Namen der Universität offensichtlich weniger um die Person und das Werk Arndts geht, als um die politischen Meinungen und Ansichten gegenwärtiger Autoren, die genau diese durch den Namen der Universität bestätigt sehen möchten. Zwar kann man Arndt einiges vorwerfen, doch die Universität wollte er nicht umbenennen. Das geschah erst 1933 auf Initiative des faschistischen „Stahlhelms“ (Bund der Frontsoldaten 1918 bis 1933). Man wollte so die eigene politische Gesinnung im Namen der Universität gespiegelt sehen. Bei den heutigen Befürwortern des Namens „Ernst-Moritz-Arndt-Universität“ scheint dieses Motiv immer noch eine große Rolle zu spielen, wie aus der Diskussion an der Universität und aus den Leserzuschriften der lokalen „Ostsee-Zeitung“ hervorgeht.“
Im Fazit schreibt Prof. Klüter:
€“All dies hat nichts mit einer „simplizistisch umgepolten Wiederaufnahme des nationalsozialistischen Arndt-Bildes“ zu tun, wie [Arndt-Befürworter] Garbe (2010, S. 12) meint. Die Kritik an Arndt setzt bereits dort an, wo er wichtige geographische Erkenntnisse seiner Zeit (etwa von A. v. Humboldt, C. Ritter, J. v. Thünen) nicht beachtet, vernachlässigt, unterschlägt oder – wie im Falle Mazzinis – verzerrt. Arndt gehört damit zu den Schreibtischtätern der deutschen Geschichte. Er hat nicht nur Feindbilder über Juden und Franzosen entworfen, sondern über fast ganz Europa. Sein „Europa der Feinde“ belastete das Deutsche Reich mit einer gefährlichen ideologischen Hypothek, noch bevor es als eigenständige Administration 1871 gegründet wurde. Er und seine Nachfolger stehen für Demokratiefeindlichkeit, schlimmste Diffamierungen fast aller europäischen Nachbarn, feindbildorientierte Geopolitik, Entwicklung von Informationsstrategien für „Kalte Kriege“ und für den Aufbau von Massenaggression. Mit derartigem ideologischem Rüstzeug sind Millionen von Menschen in zwei sinnlose Kriege (1914 – 1918; 1939 – 1945) gezogen und haben ein Mehrfaches von dem umgebracht, was Arndt seinerzeit Napoleon anlasten konnte.“
Den ganzen (gut argumentierten) Text gibt es hier zum Download.
Weitere Zitate aus Klüters Text, gibt es nach dem Klick.
  • „Man merkt erst beim zweiten oder dritten Lesen, warum Arndts Bücher trotz ihres mageren Sachinhalts 300 bzw. 400 Seiten lang sein müssen. Ziel ist es, auch in Friedenszeiten eine latente Aggressivität zu erzeugen, die sich aus sich selbst begründet.“
  • „Eine weitere Strategie Arndtscher Überzeugungstaktik kann darin gesehen werden, dass er die Zeitbezüge nachhaltig miteinander vermengt. Erinnerungen aus den Befreiungskriegen oder aus der Gegenwart stehen direkt neben Zielen oder Prozessen, die eine deutsche Großmachtrolle voraussetzen.“
  • „Nicht nur Russen und Franzosen waren von dieser Art Fortsetzung des Krieges mit propagandistischen Mitteln betroffen. Auch das damals als Staat nicht existente Polen flößte mit seinen Aufständen Arndt eine derartige Angst ein, dass es ebenfalls unter die Diffamierungskandidaten fiel.“
  • „In diesem kurzen Zitat werden nicht nur Polen, sondern gleichzeitig auch wieder Juden und Franzosen diffamiert. Die drei Teilungen Polens durch die benachbarten Großmächte von 1772, 1793 und 1795 rechtfertigen sich auf diese Weise wie von selbst, denn die Polen „waren ja zu leichtfertig und treulos“. Auf diese Weise wird die Eroberung nicht dem Eroberer, sondern seinem Opfer angelastet. Arndt versucht, die Katastrophe der drei polnischen Teilungen von 1772, 1793 und 1795 als angebliche „Charaktereigenschaften“ des „polnischen Volkes“ festzuschreiben. Damit macht er sie für die nochmalige Vernichtung Polens 1939 verfügbar.“
  • „Parallel dazu wird mit einem kollektiven „wir“ operiert, als handle es sich bei „den“ Deutschen um eine Fußballmannschaft. Diese Art der Personalisierung vereinfacht komplizierte politische und gesellschaftliche Probleme auf das Niveau eines Familien- oder Nachbarschaftsstreits. Nationale Stereotypen entlasten die Administration, wenn sie einen Krieg beginnen möchte. Sie benötigt dann keinen eigentlichen Kriegsgrund mehr – der Nachbar oder Gegner gilt ja von Natur aus als schlecht, und alle wissen es – sondern nur noch einen Anlass zum Losschlagen.“
  • „Hier fällt auf, dass der angebliche Bauernbefreier Arndt erhebliche wirtschaftliche Einschränkungen für den Landbesitz der kleinen und mittleren Betriebe einführen möchte. Adlige und Großbetriebe sollen mit ihrem Besitz beliebig verfahren können. Dabei stützt er sich auf administrative, bürokratische Steuerungsinstrumente. In der Rechtfertigung wird ein völlig antiquiertes Gesellschaftsbild enthüllt.“
  • Aufklärung verstand Arndt als Form von Subversion, als eine der Quellen des Umsturzes. Da für ihn das meiste Böse aus Frankreich kam, firmiert sie bei ihm unter „Voltairismus“ – benannt nach dem Philosophen Voltaire.“
  • „1840 lagen jene von Arndt beklagten Friedensschlüsse bereits 25 Jahre zurück. Es regierten auf beiden Seiten ganz andere Personen und Administrationen. Dennoch wird so getan, als handle es sich bei dem konstruierten Nationalcharakter um ine reale Person, die noch eine Schuld zu begleichen hätte.
  • Arndt schafft es, über fast alle europäischen Länder Feindbilder zu entwerfen. Europa präsentiert sich danach so einfach wie in einem schlechten Computerspiel. Es gibt nur noch zwei Seiten: „1. Deutschland und die Deutschen“ (Arndt 1854, S. 18 – 213) „2. Die Andern“ (Arndt 1854, S. 214 – 334). Das ist bereits die Hauptgliederung von Arndts Buch „Pro populo germanico“. „Die Andern“ sind: Österreich, Italien, Russland, Spanien, Frankreich, England und das Englische Amerika, Skandinavien. Die Niederlande, Belgien und Luxemburg werden unter Vorgriff auf das Jahr 1940 bereits unter Deutschland abgehandelt. Überraschenderweise wird über Italien ebenfalls ein Feinbild entworfen, obwohl es zu jenem Zeitpunkt – ähnlich wie Deutschland – in kleine Teilstaaten und Fürstentümer zergliedert war.“
  • „Die für viele Europäer überraschende Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 in Versailles – also mitten in Frankreich – war nicht zuletzt ein Ergebnis systematischer preußischer Tiefstapelei-Diplomatie. Sie stand im Gegensatz zur Arndts nationalistischer Hochstapelei. Insofern kam die politisch-militärische deutsche Einigung nicht mit Arndts Konzept, sondern gegen Arndts Konzept zustande.
  • „Auch Arndts Vorstellungen und Vorschläge für landwirtschaftliche Reformen waren schon zu seinen Lebzeiten überholt. Als Arndt noch an seinem administrativ geknebelten Lehnbauerntum arbeitete, hatten andere schon längst erkannt, dass man Landwirtschaft über ökonomische Anreize und entsprechende Schulungen viel erfolgreicher stimulieren konnte. Erinnert sei beispielsweise an Johann Heinrich von Thünen (1783 – 1850). Von Thünen lebte und arbeitete ab 1810 in Tellow in Mecklenburg, erhielt 1830 die Ehrendoktorwürde der Universität Rostock für seine agrarwirtschaftlichen Arbeiten.“
  • „Mir ist kein Text von Arndt bekannt, in dem er von Thünens Erkenntnisse nutzte oder verarbeitete. Insofern wurde bei Arndt nicht einmal die heimische, nordostdeutsche Wissenschaft adäquat präsentiert. Arndts geographische oder raumwissenschaftliche Ansätze waren bereits zu Lebzeiten vor dem Kenntnisstand der damaligen Wissenschaft veraltet.“
  • […] „Das Zitat liefert einen gewissen Eindruck darüber, wie lange Arndt, seine Nachfolger und deren Schüler die Humangeographie dominierten. Sie bewiesen damit implizit, dass eine Wissenschaft sich nicht nur nach vorn, sondern auch rückwärts entwickeln kann – weg von den Humboldtschen Forschungs- und Bildungsidealen hin zur Vermittlung staatstragender Basisideologien und ihren Ableitungen: Geographen als Propagandisten und Multiplikatoren der axiomatisch angenommenen Überlegenheit Deutscher anderen Nationen gegenüber.
  • „Dieses „Vaterland“ wird dabei als Sprachraum definiert, wobei die existierenden politisch-territorialen Grenzen in Fragegestellt werden. Arndts politische Ziele sind eindeutig: er strebte einen großendeutschen Staat unter Einbeziehung der Benelux-Staaten und anderer Territorien an – auch unter dem Risiko eines große europäischen Krieges, den der ältere Arndt als unvermeidlich ansah.“
  • „Vor dem Hintergrund der Entwicklungen in Italien und Dänemark mit friedlichkulturellen bzw. bildungsorientierten Vaterlandsvorstellungen wirkt das aggressive Vaterlandskonstrukt von Ernst Moritz Arndt wie ein Relikt aus grauer Vorzeit.“
  • „Arndt hat den geographischen Kenntnisstand seiner Zeit extrem vereinfacht und mit voller Absicht zugunsten seiner Stereotypen verfälscht. In den breit ausladenden, mehrere hundert Seiten langen Monographien des Spätwerks können die Vereinfachungen nicht durch journalistische „Zwänge zur Kürze“ oder „Verteidigungskriege“ gerechtfertigt werden.“
  • „Es gehört zu den tragischen Momenten der deutschen Geschichte, dass Arndt an seinem Europa der Feinde und der Feinbilder zu einer Zeit arbeitete, als anderswo bereits über die Möglichkeit einer friedlichen europäischen Einigung nachgedacht wurde.“
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19 Antworten auf “Prof. Klüter: Bewahrer verharmlosen Arndt

  1. Marco_Wagner

    Nur weil ein Text "argumentativ gut" ist, heißt das noch lange nicht, dass der Autor des Textes Recht hat oder die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte.

    Herr Professor Klüter blendet innerhalb des "verzerrten Arndt-Bildes" der DDR selbst einige Details aus. Mag sein, dass der Greifenverlag 20 Seiten wegfallen ließ, in denen u.a. Arndts monarchistische Gesinnung hervor geht.
    1954 ist unter Leitung von Klaus Gysi ein Buch mit dem Titel "Zur Literatur der Befreiungskriege" erschienen. Dort steht nämlich, dass Arndt kein "Revolutionär" war und dass er sich selbst als "Royalist" bezeichnete.
    Des weiteren macht sich Klüter nicht einmal ansatzweise die Mühe, die von ihm vorgebrachten Zitate in das Gesamtwerk Arndts einzuordnen. Im Gegenteil: Am Eingang seiner Argumentation weist er von Anfang an darauf hin, dass er sich nicht auf das Frühwerk beziehen will.

    Nur, wenn ich einen Menschen und seine Leistung bewerten will, muss ich schon den ganzen Menschen sehen und nicht einen 70-jährigen Mann (zumal bei vielen Menschen mit 70 die sog. Altersstarrsinnigkeit einsetzt…)

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Es waren doch gerade immer die Arndts-Befürworter, die gesagt haben, dass man Arndts Hass-Tiraden zu Zeiten des Kriegs „verstehen müssen“. Nun ist es wieder unfair wenn jemand, in genau in die Lebenzeits Arndt schaut, in der Frieden herrschte?

      Wenn Du Herrn Klüter ließt begründet er sehr genau, warum er sich nur auf sein Spätwerk bezieht:

      „Die folgenden Aussagen stützen sich vor allem auf Monographien im Spätwerk Arndts ab etwa 1840. Flugblätter und kriegsbedingte Schriften wurden ausgeschlossen. Auch die Lyrik wurde bis auf drei sehr markante Verse nicht einbezogen. Dies geschah aus folgenden Gründen:

      a) Es wäre zu erwarten, dass extreme Aussagen und Argumentationen aus den jungen Jahren überdacht, reflektiert und präzisiert werden.

      b) Seit den späten 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts verminderte sich der politische Druck auf Arndt. Es konnten Werke entstehen, die abseits des politischen Tagesgeschehens sich auf das aus Arndts Sicht Wesentliche konzentrierten.

      c) Einiges davon hängt eng mit der 1840 wieder gestatteten Lehrtätigkeit an der Bonner Universität zusammen. Die beiden Monographien von 1844 und 1854 scheinen stark von seinen Vorlesungen geprägt zu sein und können daher eher akademische Seriosität beanspruchen als frühere Flugblätter und Gelegenheitsarbeiten.

      d) Arndt war 1840 bereits 70 Jahre alt. Er hat sich zu dieser Zeit um sein „Erbe“ bemüht – also um die Teile seines Werkes, von denen er wünschte, dass sie weitergegeben werden sollten.

      e) 1840 lagen die Befreiungskriege ein Vierteljahrhundert zurück. Arndt konnte also mit demselben Abstand über diese Kriege schreiben und gelesen werden, wie es in bezug auf den Zweiten Weltkrieg etwa um 1970 möglich war.

      f) Die relativ lange Friedenszeit in Europa von 1815 (Befreiungskriege) bis 1848/9 (Revolutionen) bzw. 1854 (Krimkrieg) gab außerdem die Möglichkeit, die zunächst kriegerisch geprägte Grundphilosophie zu überdenken.

      g) 1840 gelang Arndt mit den „Erinnerungen aus dem äußeren Leben“ der große Wurf. Das Werk war auf dem Buchmarkt sehr erfolgreich und erlebte bereits zu Arndts Lebzeiten mehrere Auflagen.“

      Im übrigen wäre es zu beweisen, dass sich Arndt im früheren Werk wesentlich anders verhalten hätte.

      1. Marco_Wagner

        Begründung für die "folgenden Aussagen" hin oder her. Ich habe sie gelesen.
        Nur bastelt Herr Klüter aus den Aussagen aus seinem Spätwerk aufbauend sein Arndt-Bild.
        Er hat in seinem Text z.B.: an keiner Stelle den Versuch unternommen, wie denn die Ablehnung von Angriffskriegen auf der einen Seite zu den z.T rachelüsternden Gedichte auf der anderen Seite (die zur selben Zeit entstanden sind) zusammen passen könnten.
        Er arbeitet in Bezug auf Arndt wenig hinterfragend. Also im Sinne von "wieso sagt er es an der einen Stelle so und an der anderen Stelle im selben Jahr wieder anders?"
        Des weiteren war Arndt immer ein Mann der deutlichen Worte. Der Kern seiner Aussage dürfte allerdings auf einem wehrhaften Staat fußen. Deshalb fordert er ja auch einen bewaffneten Staat. Der Staat muss sich bzw. sein Selbstbestimmungsrecht im Ernstfall verteidigen können. Andererseits sagt er ja auch, dass die Deutschen niemals fremde Länder überfallen sollten.

        1. ret_marut

          "Deshalb fordert er ja auch einen bewaffneten Staat." – Ein Staat ist prinzipiell immer bewaffnet (Polizei und/oder Militär), da es sich um eine Klassenherrschaft nach innen sowie eine Konkurrenz zu anderen Staaten handelt. Einen Staat zeichnet ja gerade aus, daß er die bestehenden Herrschaftsverhältnisse strukturell aufrecht erhalten soll.
          Die Frage ist doch, welche konkreten Herrschaftsverhältnisse da entsprechend bewaffnet abgesichert werden. Bei den deutschen Staaten (allen voran Preußen) handelte es sich von 1818 bis 1848 um die Herrschaft des Adels, also die Unterdrückung der übrigen Klassen.

          Der Konflikt zwischen Arndt und den deutschen Monarchen besteht ja nicht darin, daß die Monarchie und die entsprechende Klassenherrschaft des Adels in Frage gestellt wird, sondern daß Arndt einen starken deutschen Zentralstaat fordert zuungunsten der Duodezfürsten. Deswegen erhielt Arndt ja auch Berufsverbot.

      2. Marco_Wagner

        Herr Klüter hat dennoch folgende Zeilen in Pro Populo Germanico für nicht besonders wichtig erachtet:

        „Ja die äußere Erscheinung dieser Versammlung und ihre Verhandlungen in der Paulskirche gaben doch wahrlich kein Zeichen eines verwilderten und verheidnischten Volke.“ (S.130)

        Und auf Seite 149 schreibt er, dass Deutschland eine „Konstitutionelle Monarchie nach dem bisher nicht übel gelungenem Muster der englischen Verfassung, wenn auch ein wenig nach neuem französischen Zuschnitt.“ sein solle.

      3. Marco_Wagner

        Und weiterhin formuliert er…
        „Die meisten Fürsten haben ihn (gemeint ist der Reichsmittelpunkt, Einheitsdeutschland) frei und froh begrüßt, die mächtigeren haben ihn als eine Beschränkung ihrer Herrlichkeit im blinden und übermütigen Zorn von sich gestoßen, und mit einer kühnen, oft frevelhaften Lustigkeit haben sie von den hohen und höchsten angeblasenen und begünstigten Rücktreiber und Hohnlächler die offensten und frechesten Rechtsbrüche unter dem Titel Umsturz undeutscher französischer und konstitutioneller Kinderspiele zum Gegenstand des lustigen Spotts und Gelächters gemacht. Ach! Ich fürchte, sie werden einmal sehen, worüber sie gelacht haben!" (S.159)

  2. Marco_Wagner

    Den Satz in Bezug auf die Schollenbindung der Bauern habe ich ein wenig anders als Herr Klüter verstanden. Arndt ging es mMn an dieser Stelle darum, dass Ackerland Ackerland bleiben solle, um die Ernährung des Volkes absichern zu können und dass mit dem Boden nicht kapitalistisch gehandelt werden solle bzw. der Boden nicht zur bloßen finanziellen Reichtumsvermehrung genutzt werden solle. Die "Juden" stehen in diesem Zitat als Synonym für "Reichtumsvermehrung", "Wucher" oder "Geldschacherei". (die nicht nur bei Arndt üblichen Stigmata gegenüber Juden)

  3. Marco_Wagner

    Richtig ist, dass Arndt der Entwicklung des Kapitalismus ohnmächtig gegenüber steht und keine Lösung für die Probleme, die der Kapitalismus nach sich zieht, sieht. Er sieht nur, dass der Kapitalismus "schlecht" ist. Und wie es bei alten Menschen so üblich ist, fliehen sie in solchen Fällen nur allzu oft in die aus ihrer Sicht besseren Zeiten. Und was die Forderung nach der Wiedereinführung der Zünfte betrifft: Damit hat sich Professor Klüter ebenfalls nicht wirklich intensiv auseinander gesetzt. In "Fantasien für ein zukünftiges Teutschland" schreibt Arndt, dass durch die Aufhebung der Zünfte die Handwerker, gerade die jungen wandernden Gesellen vollkommen schutzlos seien. Gerade diese Schutzlosigkeit der Handwerker führte ja letztlich später zur Gründung von Handwerkerinnungen und innerhalb des Proletariats zur Gründung von Gewerkschaften.
    Allerdings wollte sich Herr Professor Klüter auch nicht auf die "Fantasien für ein künftiges Teutschland" beziehen. Die Schrift stammt ja aus dem Jahre 1815.

  4. Marco_Wagner

    Des weiteren reicht es mir langsam, ständig von Herrn Klüter in die Nähe der Nazis gerückt zu werden. Zwar hat er es an dieser Stelle abgeschwächt getan, rhetorisch allerdings Arndt-Befürworter, die angeblich "ihre Politische Gesinnung" genau so wie der Stahlhelm "1933" mit Arndt bestätigt wissen wollen, gleichgesetzt.
    Ich empfinde diese Gleichsetzung mit Faschisten als eine unglaubliche Diffamierung. Mal ganz davon abgesehen, dass "die" Arndt-Befürworter aus unterschiedlichen politischen Lagern kommen und eben keine chauvinistischen Nationalisten sind, als die der hochverehrte Wissenschaftler uns an anderer Stelle beschimpfte.
    Wenn ich eines wirklich hasse (und das muss ich so deutlich sagen), dann ist es, wenn irgend jemand, der mich nicht kennt, mich nur aus dem Grund als Nazi abstempelt, weil er alle Arndt-Befürworter als Nazis oder Chauvinisten o.ä. sehen will.
    Schade nur, dass die Welt nicht schwarz und weiß ist.

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      An keiner Stelle behauptet Prof. Klüter, dass der RCDS oder sonstige Arndt-Befürworter Nazis seien. Auch wir haben das noch nie getan. Wir – und eigentlich so ziemlich „alle“ Arndt-Kritiker – weisen lediglich immer wieder darauf hin, dass Arndt für Rassismus, völkischen Nationalismus und Hasspropaganda steht. Und wenn wir den Namen an unserer Universität behalten, idendifizieren wir uns mehr oder weniger automatisch mit Arndt.

      Eine glaubwürdige Distanzierung fehlt zumindest bisher völlig. Zurzeit kann sich die Universität ja noch nicht einmal eingestehen, dass Arndt überhaupt Antisemit und Rassist war. Wahrscheinlich liegt das daran, dass der Text vom eben in diesem Text hier kritisierten Arndt-Befürworter Garbe (mit-)geschrieben wurde.

      1. Marco_Wagner

        Ich zitiere Herrn Professor Klüter:

        "Diejenigen, die dennoch für Arndt als Namenspatron plädieren, führen einen merkwürdigen Stellvertreterkrieg: Sie sezieren Arndt, seine Biographie und die entsprechenden Vergangenheiten. Daraus basteln sie ihre eigene, gegenwärtige, humpelnde, kriegsträchtige Tradition und ihre ebenso konservativ angeschrägte, schon von Motten zerfressene Identität. Genau diese möchten sie durch den Namen der Hochschule bestätigt sehen."

        Damit sagt Herr Professor Klüter völlig unmissverständlich, dass all diejenigen, die für Arndt plädieren, ihre "eigene, gegenwärtige, humpelnde, kriegsträchtrige Tradition und ihre ebenso konservativ angeschrägte, schon von Motten zerfressene Identität." Diese Identität will ich bzw. die Arndt-AG, so Klüter, mit dem Hochschulnamen bestätigt wissen.
        In diesem Text bekräftigt er am Anfang noch einmal durch den Verweis auf diese Textstelle diese Meinung.

      2. Marco_Wagner

        Diesen Satz finde ich persönlich diffamierend. Schließlich stempelt der Autor damit völlig undifferenziert "die" Arndt-Befürworter zumindest als Chauvinisten ab. Wobei jene Attribute, die er "dem" Arndt-Befürworter gibt, auch auf Nazis zutreffen würden.

        Arndt sprach von "den" Juden und von "den" Polen und von "den" Franzosen.
        Nun ein Herr Klüter spricht unmissverständlich von "den" Arndt-Befürwortern, die selbstverständlich negativ konnotiert sind.

  5. Marco_Wagner

    Und noch etwas: Mir und der Arndt-AG ging es schon immer um das Werk und Wirken Arndts und nicht darum meine, oder die politischen Vorstellungen des RCDS bestätigt wissen (wer mich kennt, weiß übrigens, dass meine politischen Vorstellungen sich in entscheidenden Punkten von denen des RCDS unterscheiden).
    Mal ganz davon abgesehen, dass ich diesen Satz genau so gut auch umkehren kann: All diejenigen, die den Namen der Uni abgeschafft wissen wollen, wollen ihr politisches Weltbild bestätigt wissen.

    Hättet ihr mal lieber was neues von Jörg Echternkamp oder Thomas Stamm-Kuhlmann zu Arndt veröffentlicht…
    Ihre Ausführungen berücksichtigen das Gesamtwerk Arndts und enthalten keine versteckten, geschickt formulierten oder offenen, ebenso eloquenten Diffamierungen.

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Unsere Motive haben wir von Anfang an sehr klar gemacht:

      a) Wir wollen die _wissenschaftlichen_ Erkenntnisse zu Arndt fördern.
      b) Wir wollen _AUF BASIS DIESER_ wissenschaftlichen Erkenntnisse ein moralisches Urteil über Arndt fällen. Seit 30 bis 40 Jahre gibt es in der Geschichtswissenschaft einen Konsens darüber, dass Arndt ein geschmackloser Antisemit, Rassist und völkischer Nationalist war. Dieser Konsens wird – zumindest immer im Rahmen der Arndt-Debatte – von Arndt-Befürwortern in Frage gestellt.
      c) Wir kämpfen hier also nicht für oder gegen ein bestimmtes Weltbild, sondern für eine moralische Entscheidung auf Basis der Wissenschaft.

      Übrigens haben wir den Historiker Echternkamp schon längst veröffentlicht, nämlich hier:
      http://jabbusch.tose.de/uniohnearndt/2010/01/militarhistoriker-fur-umbenennung/

      Auch Herr Echternkamp sagt übrigens ganz klar, dass Arndt Antisemit und Rassist ist. Und Prof. Stamm-Kuhlmann sagte Arndt stehe „für Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus und “blanken Rassismus”. “ Auch ihn haben wir veröffentlicht, nämlich hier: http://jabbusch.tose.de/uniohnearndt/2009/11/arndt-war-xenophob/

      Beide sind für die Umbenennung. Unterschiede zu Prof. Klüter können wir – abgesehen von der Deutlichkeit der Worte, nicht finden.

      1. Marco_Wagner

        Ich weiß, dass ihr Jörg Echternkamp und Thomas Stamm-Kuhlmanns Texte bereits veröffentlicht habt.
        Deswegen ja auch das Wörtchen "neues". (Ich wollte damit vor allem andeuten, dass es mir nicht grundsätzlich darum geht Arndt-Patronats-Gegner "schlecht" machen zu wollen, sondern dass ich explizit Herrn Klüter scharf kritisiere und ich eben Herrn Stamm-Kuhlmanns und Herr Echternkamps Ausführungen für nachvollziehbarer halte – auch wenn ich deren Positionen zur Patronatsfrage nicht teile).
        Es gibt übrigens deutliche Unterschiede zwischen Prof. Klüter und den anderen beiden Historikern.
        Zum einem neigen beide nicht zu Diffamierungen seiner Meinungskontrahänten und zum anderen berücksichtigen sie Arndts Gesamtwerk und stehen ihm auch positive Leistungen zu, wohingegen Herr Klüter ihm jegliche positive Leistung abspricht. Das hat auch der – dank Prof Klüter – nur noch zweit-energischste Arndt-Gegner Herr Prof. Buchholz nicht getan. Er misst diesen positiven Leistungen nur keine erhebliche Bedeutung bei. Und auch er neigt nicht zu Diffamierungen…

      2. Marco_Wagner

        zu c)
        Moralvorstellungen sind immer an bestimmte Weltbilder gekoppelt.
        Übrigens faszinierend, dass du immer noch von einem "wissenschaftlichen Konsens" schwadronierst, obwohl es diesen in der Form, wie du ihn formulierst nicht gibt. Du behauptest, dass Arndt in erster Linie für Antisemitismus, Rassismus usw. stehe und dass es darüber einen wissenschaftlichen Konsens gäbe. Einen "wissenschaftlichen Konsens" gibt es aber nur dahingehend, dass Arndt fremden- und judenfeindlich war und in seinen Schriften rassistische Ausfälle zu finden sind (Aussagen, die rassistisch interpretiert werden können müssen vom Autor nicht rassistisch gemeint gewesen sein – Arndt hat sich ja selbst in den "Wanderungen und Wandlungen mit dem Reichsfreiherrn vom Stein" vom biologistischen Rassismus distanziert). Ob sein grundsätzliches Denken bzw. der Ausgangspunkt seiner Argumentation jedoch rassistisch und antisemitisch war, oder ob er in der Fremdenfeindlichkeit das notwendige Übel zum "guten Zweck" sah, darüber gibt es keinen wissenschaftlichen Konsens. (…wobei ich jetzt nicht weiß, ob du meine dialektische Herangehensweise nachvollziehen kannst…)

  6. Manfred Peters

    Wer ist der Papst der Arndt-Gegner?*
    Ein unerbittlicher Wettbewerb zwischen Lehrkörper und Studenten!
    Herr Prof. Klüter hat m. E. im Moment die besten Chancen gewählt zu werden.

    Hoffentlich erstickt Ihr dabei nicht am Gift des eigenen "Schwarzen Rauchs":
    http://de.wikipedia.org/wiki/Papstwahl
    Das gesellschaftliche Umfeld wird jedenfalls durch die immer neuen Angriffe auf Andersdenkende gehörig vergiftet.

    * Das von den Protagonisten der Arndt-Gegner beanspruchte Unfehlbarkeitsdogma verleitet zwangsweise zu dieser Frage!

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Ist das das Niveau ihrer inhaltlichen Argumente? Herr Peters, bitte kommen Sie zu den Sachargumenten zurück. Herr Klüter hat genug geliefert und verdient eine inhaltliche Auseinandersetzung und keine Polemik.

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