Prof. Buchstein: Arndt war Propagandist von fremdenfeindlichen und antisemitischen Gedankengängen

Prof. Dr. Hubertus Buchstein, Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte, hat für die Senatskommission eine schriftliche Analyse eingereicht.

Darin hat der Professor die „einschlägigen deutschsprachigen Handbücher und Lexika in ihren jeweils neuesten, die aktuelle Forschung einbeziehenden Auflagen“ der Ideengeschichte ausgewertet.

Das Ergebnis?

1.) Arndt wird in den meisten Büchern überhaupt nicht erwähnt.
2.) Die wenigen Handbücher und Lexika, in denen Arndt thematisiert wird, stellen ihn als unwichtig dar. Auf den 13.433 Textseiten, auf die sich die 12 untersuchten Handbücher summieren, widmen sich genau 5 Seiten dem Werk von Arndt.
3.) In denen, in denen Arndt thematisiert wird, wird Arndt ohne Kontroverse als Antisemit, völkischer Nationalist und Rassist einsortiert. Auszüge:

  • ‚Pipers Handbuch der Politischen Ideen’ (Fetscher/Münkler 1986): „Arndt sei insofern weit über Herder hinausgegangen, als er in seinen Schriften eine reine deutsche Rasse propagiert habe, zum Kampf gegen die Verführungen eines jüdischen Internationalismus aufgerufen habe und die Deutschen im Unterschied zu den Franzosen, Italienern, Spaniern oder Slawen nicht als eine Mischrasse, sondern als eine ursprüngliche und makellose Rasse angesehen habe, die der Bevölkerung anderer Länder gegenüber als überlegen angesehen werden müsse.“
  • Hans J. Liebers ‚Politische Theorien von der Antike bis zur Gegenwart’: Arndt habe einen „mit biologistischen Vorstellungen angereicherten völkischen Nationalismus“ propagiert.
    .
  • Klaus von Beymes Buch ‚Politische Theorien im Zeitalter der Ideologien’: „Nationale Vorurteile mischen sich mit sozialen Vorurteilen des Aufsteigers“. Arndt „wurde zum Prototypen eines politischen Schriftstellers, der vergessen worden ist, weil er – etwa im Gegensatz zu Fichte oder Mazzini – nichts als nationalistische Rhetorik hinterlassen hat“.

Sind diese Ergebnisse manipulativ? Nein, denn:

  • Die Autoren dieser Bände stammen aus unterschiedlichen akademischen Generationen und ‚Richtungen’ des Faches.
  • Sie beziehen sowohl Primärquellen wie auch Arbeiten über Arndt in ihren Darstellungen heran.
  • In allen der drei genannten Handbüchern wird in methodischer Hinsicht ein besonderer Wert darauf gelegt, die jeweils behandelten Autoren und politischen Strömungen nicht auf der Basis heutiger politischer Wertüberzeugungen zu beurteilen, sondern sie im Kontext ihrer damaligen Zeit einzuordnen.

Professor Buchstein, der gleichzeitig auch Senator ist, hat sich wohl unter anderem auch deshalb in der letzten Sitzung des Senats mehrfach und ausdrücklich für eine Umbenennung stark gemacht.

Die lesenswerte Analyse könnt ihr Euch hier herunterladen.

Kommentar Uni ohne Arndt:

Die Initiative „Uni ohne Arndt“ dankt Professor Buchstein für diese Darstellung. Sie zeigt nochmals, dass die wissenschaftliche Einordnung von Ernst Moritz Arndt eben eindeutig und unstrittig ist. Der Versuch der Arndt-Bewahrer aus der Arndt-Debatte eine Art zweite „Global-Warming-Debatte“ wie in den USA in den 90ziger Jahren zu erzeugen, ist aus unser Sicht damit ein weiteres mal widerlegt.

Foto: Ulrich Kötter, webMoritz.de

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3 Antworten auf “Prof. Buchstein: Arndt war Propagandist von fremdenfeindlichen und antisemitischen Gedankengängen

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Die Frage muss Prof. Buchstein beantworten. Ich zweifle allerdings nicht an seiner fachlichen Kompetenz der Auswahl. Einige Kriterien hat er ja selbst genannt:

      – Er hat nur anerkannte Nachschlagewerke genommen
      – Er hat darauf geachtet, dass diese in der Bewertung keine Maßstäbe heutiger Moralvorstellungen anlegen, sondern die damaligen Autoren nur mit den damaligen Autoren in Bezug setzen
      – Er hat sowohl ältere als auch neuere Werke genommen und auch auf die politische Ausrichtung geachtet.

      >> Jetzt muss jeder für sich selbst entscheiden: Traut er Prof. Buchstein und den 12 der wichtigsten Nachschlagewerke der Politikwissenschaft. Oder glaubt er einem anonymen Kommentarschreiber… hmm…

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