Presserat: Dämpfer für die Ostsee-Zeitung

Insbesondere zu Beginn der aktuellen Arndt-Debatte wurde in der OZ sehr einseitig und parteiisch berichtet. Der zuständige Lokalredakteur, Eckhard Oberdörfer, gab sich wenig Mühe, seine politische Haltung zu verbergen und seine Artikel dementsprechend zu gestalten: So bedurfte es erst einer Beschwerde bei der Chefredaktion in Rostock bis auch wir – die Initiative „Uni ohne Arndt“ – nach zwei Monaten Debatte überhaupt erstmal die Chance bekamen, unsere Kritik am Namenspatronat darstellen zu dürfen. Aber auch in diesem Artikel fand sich die verhängnisvolle und schlicht falsche Behauptung wieder, wir seien nicht an einer wissenschaftlichen Debatte interessiert.

Eckhard Oberdörfer hatte auch 2001 – bei der letzten großen Arndt-Debatte – die Artikel geschrieben. Die Germanistin Dr. Monika Schneikart untersuchte zwei Jahre später in einer Diskursanalyse die Berichterstattung der OZ. Sie stellte unter anderem fest:

  • “Inhaltlich reden durften bis auf eine Ausnahme nicht die Wissenschaftler des Kolloquiums. Reden durften nur die von den lokalen Presseverantwortlichen Zugelassenen.”
  • “Es gab Kürzungen und Ausschlüsse. Die Berichterstattung über das Kolloquium selbst muß als Verzerrung, wenn nicht als Verfälschung gekennzeichnet werden.”
  • “Indem einzelne Diskutanten, wohl nicht zufälligerweise alle aus der Arndt-Kritiker-Gruppe, persönlich diffamierend angegriffen wurden, ist auch hier von einem Ausschußverfahren zu reden”.

Bei der Arndt-Debatte 2009 / 2010 wiederholte sich dies. Erstes Opfer war der Arndt-Kritiker Professor Buchholz. Eckhard Oberdörfer ätzte über den Historiker in diesem Artikel, natürlich ohne den Betroffenen vorher auch nur einmal anzurufen. Im Artikel behauptete der Lokalredakteur, Buchholz hätte bei der Vollversammlung gesagt, dass er „gegen wissenschaftliche Differenzierung“ sei. Auch die spätere Veröffentlichung des Original Redemanuskripts  (hier), das bewies, dass Buchholz das genaue Gegenteil sagte, führte zu keiner Richtigstellung der OZ. Die Behauptung, Herr Buchholz hielte sich nicht sehr häufig in Greifswald auf, grenzte schließlich an „üble Nachrede“ – zumal der Professor ein Haus in Greifswald besitzt.

Während wir auf Beschwerden bei Presserat verzichteten, nahm Professor Buchholz  die manipulative und verzerrende Presseberichte nicht einfach hin. Eckhard Oberdörfer musste schließlich gegenüber dem Presserat zugeben, dass er keine Quellen für seine Behauptungen hatte. Angeblich habe er das Zitat von einem Mitarbeiter des Historischen Instituts „ungeprüft übernommen“. Prof. Buchholz startete daraufhin eine Umfrage.  Ergebnis: Niemand hat mit der OZ gesprochen. Eine exemplarische Antwort (Name bekannt):

„Sehr geehrter Herr Buchholz, ich hatte keinen Kontakt zur OZ. Hätte ich diesen gehabt, wäre das Letzte, was ich gemacht hätte, Ihrem entschlossenen und gut begründeten Eintreten für eine Umbenennung der Universität durch üble Nachrede in den Rücken zu fallen.“

Nun erhielt die OZ immerhin einen sogenannten “Hinweis” vom Presserat für diesen Artikel.

In einem kurzem Gespräche haben wir Benjamin Fischer, seit März neuer Redaktionsleiter der Ostsee-Zeitung Greifswald, dazu befragt. Er machte deutlich, dass er damals noch nicht verantwortlich war.  Zudem wies er darauf hin, dass es nur ein Hinweis, keine Rüge sei und sie sich auch nicht auf alle kritisierten Teile des Artikels bezöge. Er betonte, dass man versuche, ausgewogen zu berichten, es aber mit einer schwierigen Materie zu tun habe. Bei allen Beteiligten würde die Emotionen schnell „hochkochen“.

Wir sind erleichtert, dass mittlerweile zumindest der scharfe Ton gegen die Studenten und („West“)Professoren  gewichen ist. Dieser lebt sich allerdings weiterhin in den Leserbriefen aus. Eine ausgewogene und kritische Darstellung über Arndts Antisemitismus und Rassismus, wie in anderen Lokalzeitungen üblich, fehlt uns in der OZ noch immer. Es ist also wenig verwunderlich, dass viele Greifswalder noch immer fassungslos und ungläubig den Kopf darüber schütteln, dass „Studenten und gar einige ‚fremde‘ Professoren behaupten, der Arndt hätte was gegen Juden gehabt“.

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3 Antworten auf “Presserat: Dämpfer für die Ostsee-Zeitung

  1. Hotzenplotz

    Liebe Initiative,
    ich teile eure Ziele, bin aber immer wieder überrascht vor welchen Karren ihr euch spannen lasst und frage mich, warum ihr nicht erst auf die Ladefläche des Karrens schaut, bevor ihr ihn zieht.
    In besagtem Artikel der OZ wird Herrn Professor Buchholz nicht die Wissenschaftlichkeit abgesprochen oder seine Positionierung zu Arndt diskreditiert, sondern eine Zuspitzung Buchholz‘s wiedergegeben, es sei bei Arndt keine Differenzierung oder ein Aufwiegen mit positiven Resultaten seines Schaffens möglich.
    Mit dieser Formulierung wird auch Herr Buchholz leben können. Was ihn viel mehr trifft, ist die Aussage „Für einige kam sein Auftritt überraschend, weil Werner Buchholz wohl nicht so häufig in Greifswald zu sehen ist.“ Wegen dieser Formulierung, die auf seine häufige Abwesenheit vom (korrekt:) Historischen Institut abhebt, wandte er sich an den Presserat, der die Argumente des Lokalredakteurs und Quellen, die – entgegen dieses Beitrags hier – genannt wurden, prüfte und ihn eben nicht abmahnte! Die im Beitrag als Umfrage bezeichnete Massen-Email an alle am Institut Wirkenden hat wohl kaum jemand beantwortet, da man Buchholz dank seiner regelmäßigen Abwesenheit, bereits abgeschrieben hat. Ein Kollege, der regelmäßig Fachkollegen verklagt, ist wohl kaum der Mühe wert.
    Wie gesagt, ich schätze eurer Engagement und teile euer Ziel aber überlegt euch bitte erst einmal, welchen Karren ihr zieht – Er könnte sich als zu schwer erweisen!

    1. Raimo Virtainen

      Es ist wohl kein Zufall, dass Hotzenplotz anonym bleiben will, denn sein Text enthält haltlose und unwahre Behauptungen über Professor Buchholz (verklagt regelmäßig Fachkollegen), die offenbar in der Tradition der Berichterstattung der Ostsee-Zeitung zu diesem Thema stehen. Unkenntnis in der Sache wird hier in der bekannten Art und Weise durch persönliche Verunglimpfungen ersetzt. Sachlich desolat und irreführend ist die Äußerung, der Presserat hätte Oberdörfer "nicht abgemahnt". Der Presserat hat noch nie "Abmahungen" ausgesprochen. Er spricht grundsätzlich keine "Abmahnungen" aus. Ebenso gut hätte Hotzenplotz äußern können, dass der Presserat sich nicht am europäischen Raumfahrtprogramm beteiligt. Das ebenso richtig. Hotzenplotz kam es aber wohl eher auf die Verunglimpfung an.
      Das oben angeführte Zitat aus einem Schreiben an Professor Buchholz ist eine der zahlreichen Antworten auf die Umfrage, von der Hotzenplotz mit derselbe Kenntnislosigkeit, die für ihn überhaupt bezeichnend zu sein scheint, glatt behauptet, diese hätte "wohl kaum jemand beantwortet". Hotzenplotz interessieren die Fakten nicht, er will lediglich seine Ressentiments ausleben, die offenbar stärker als die Realität sind.
      Raimo Virtainen

  2. Prof. Dr. Buchholz

    Bis heute erschreckend ist die Art und Weise, mit der die Lokalredaktion der Ostsee-Zeitung auf den Hinweis des Presserats reagierte, dass die Ostsee-Zeitung in dem genannten Artikel ihre Berichterstattung über die Arndt-Debatte gegen den Pressekodex verstoßen hat, insbesondere gegen die dort "festgeschriebene journalistische Sorgfaltspflicht". Einen Verstoß gegen den Pressekodex in dieser Weise zu verharmlosen und herunterzuspielen, ist schon bemerkenswert. Ich weiß nicht, ob dies mit der Pressefreiheit in einer Demokratie vereinbar ist, die vor allem davon lebt, dass alle aktiv auf die Einhaltung der Regeln hinwirken – nicht erst, wenn sie darauf hingewiesen werden, wie die Ostsee-Zeitung durch den Presserat. Hier führt anscheinend nicht einmal der Hinweis des Presserats auf den Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht durch die Ostsee-Zeitung zu einem Nachdenken über das eigenen Gebaren.
    Der Redakteur der Ostsee-Zeitung, Benjamin Fischer, sieht den beanstandeten Artikel nicht als eine Einheit, sondern will jeden einzelnen Satz einzeln bewertet wissen. Die journalistische Sorgfaltspflicht sei nicht in allen Sätzen des Artikels verletzt worden, sagt er.
    Mit demselben Recht könnte geltend gemacht werden, dass Hitlers Antisemitismus auch nicht auf allen Seiten von "Mein Kampf" ausgebreitet wird, viele Seiten enthalten einfach nur Unsinn oder in Worte gefasste, unreflektierte Ressentiments. Wenn sich aber die Kritik nicht gegen alle Teile von "Mein Kampf" richtet, dann….. (s. o. Benjamin Fischer).
    Dann verlegt sich Fischer wieder auf den persönlichen Angriff: die Emotionen würden "bei allen" hochkochen, angeblich also nicht nur bei ihm und seiner Zeitung. Er bezichtigt sie "alle". Damit weicht er der vorgetragenen inhaltlichen Argumentation aus. Auf "Emotionen" braucht man nicht zu antworten. Mit diesem Rundumschlag will er sich und seine Zeitung entlasten und den vom Presserat bescheinigten Verstoß der OZ gegen die journalistische Sorgfaltspflicht herunterspielen. Pech nur, dass bei den anderen solche Sätze der Art, wie sie von der OZ verbreitet wurden, nicht zu finden sind. Insgesamt dürfte es sich hier um einen desolaten Versuch handeln. Tatsächlich weicht Fischer mit diesem pauschalen Rundumschlag vor allem den vorgebrachten Argumenten in der Sache aus. Gegen die weiß er offenbar nichts anzuführen. Da für ihn alles so "schwierig" ist, wie er ja durchaus selbst zugibt, betituliert er das, was die anderen vorbringen und ihm irgendwie nicht passt, eben einfach als Ausdruck von Emotionen. Damit glaubt er sich offenbar der Notwendigkeit enthoben, in einer als "schwierig" erlebten "Materie" irgendetwas zur Sache von sich geben zu müssen, in die einzuarbeiten ihm offensichtlich nicht möglich ist – aus welchen Gründen mag dahingestellt bleiben.
    Dem entspricht, wenn unter dem Namen "Hotzenplotz" anonym behauptet wird, Professor Buchholz "verklage regelmäßig" seine Fachkollegen. Auch hier ersetzt der willkürliche – und unwahre – Anwurf das inhaltliche Argument. Sagen will Hotzenplotz, weiß aber zur Sache nichts anzuführen, also greift er zur persönlichen Verunglimpfung.
    Aber hier findet der Eifer, willkürliche Behauptungen in die Welt zu setzen, offenbar immer noch keine Grenze. "Abmahnungen", wie von "Hotzenplotz" im Schutze der Anonymität behauptet wird, verschickt der Presserat in Wahrheit grundsätzlich nicht. Hier präsentiert der anonyme Schreiber nicht nur seine eigene Unkenntnis, sondern er setzt diese auch bei seinen Lesern voraus. Offenbar will er mit dieser Äußerung den vom Presserat festgestellten Verstoß der Ostsee-Zeitung gegen die journalistische Sorgfaltspflicht verschleiern. Ebenso gut hätte er behaupten können, der Presserat hätte Oberdörfer nicht entlassen. Das ist genau so wahr und ebenso realistisch wie die willkürliche Behauptung, der Presserat hätte Oberdörfer "eben nicht abgemahnt". Damit erweckt "Hotzenplotz" den Eindruck, die Ostsee-Zeitung hätte angeblich gar nicht gegen den Pressekodex und die journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen, obwohl genau dies der Fall ist.

    Prof. Dr. Werner Buchholz

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