Offener Brief von Konstantin Wecker

Mit einem offenen Brief richtet sich der berühmte Musiker, Liedermacher und Komponist Konstantin Wecker an die Greifswalder und die Senatoren der Uni:

„Liebe Freunde in Greifswald,

mit Interesse und Freude habe ich aus der Ferne die Debatte über Ernst Moritz Arndt in Eurer Stadt verfolgt. Begeistert haben mich der Mut und das Engagement der Studenten und Professoren, die sich nicht kritiklos in eine so fragwürdige Namenstradition stellen möchten.

Bei meinen Auftritten in Vorpommern habe ich viele Menschen getroffen, die sich für die Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit stark machen. Auch in Dresden haben im Februar mehr als zehntausend Menschen durch die Blockade des Neonazi-Aufmarsches ein wichtiges Zeichen gegen Faschismus gesetzt. Es gibt es leider noch immer zu viele, die „Deutschtum“ vor Menschlichkeit und Mitgefühl stellen. Auch dieser Region würde ein klares Signal gegen Rassismus und Ausgrenzung gut tun. Trägt da nicht die Universität als Ort der humanistischen Ausbildung eine besondere Verantwortung? Und wie würde es wirken, wenn dieser Beschluss von Hermann Göring von 1933 Bestand hätte?

Der Hamburger Historiker Prof. Dr. Arno Herzig hat in der ZEIT plausibel dargestellt, wie der „Brandstifter Arndt“ im frühen 19. Jahrhundert einen „modernen“ Antisemitismus formte und resümierte: „Wer nach den Gründen für Auschwitz fragt, wird sich mit dieser entscheidenden Phase der deutschen Geschichte beschäftigen müssen“. Kann Arndt mit seinem nationalistischen Weltbild ein Vorbild für junge Menschen sein? Und möchte die Stadt Greifswald auf ewig mit ihm verbunden sein?

Ich würde mich freuen, wenn der Senat den wichtigen und mutigen Schritt gehen und durch die Namensänderung zeigen würde, dass Arndts Fremdenhass heute nicht mehr hingenommen wird.

Euer Konstantin Wecker“

Passend dazu dieses Lied von Wecker: „Sage Nein“

Foto: Thomas Karsten.

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