Bericht an den Senat: Arndt-Kolloquium 2001

Bevor nächste Woche der Senat darüber entscheiden wird, ob Arndt und sein Weltbild weiterhin als Vorbild und Leitbild für unsere Universität dienen kann, wollen wir noch einmal an den Abschlussbericht des Arndt-Kolloqiums aus dem Jahre 2001 erinnern. Schon damals kam eine Kommission zu ähnlich deutlichen Ergebnissen. Auszüge:

„Der Vortrag des Universitätsarchivars Dr. Dirk Alvermann über ‚Die Namensgebung der Universität Greifswald 1933 und 1954‘ […] vertrat die These, dass in Greifswald die Wahl des Namens sowohl im beginnenden Faschismus als auch zu Zeiten der DDR von nationalkonserativen Kräften vorangetrieben wurde.

In seinem Vortrag ‚Ernst Moritz Arndt und Schweden‘ zeigte Prof. Dr. Werner Buchholz, dass Arndts glühender schwedischer Patriotismus sehr schnell in einen nicht minder glühenden deutschen Nationalismus umschlug […]. Arndt war gleihwohl Schweden und ’nordischen‘ Menschen zeitlebens begeistert zugetan.

Prof. Dr. Gunnar Müller Waldeck zeigte am Beispiel von ‚Arndts Bewertung der samischen Minderheit‘, dass unser Namenspatron im Falle der Sami, die äußerlich so gar nicht in sein nordisches Ideal passen, die ihm eigene Plattform einer rassistischen Verachtung gegenüber allen ’nicht germanischen‘ Völkern romantisierend verlässt.

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Nach der Mittagspause machte Prof. Dr. Reinhard Bach in seinem Vortrag ‚Ernst Moritz Arndt und die Franzosen‘, basierend auf einer erschöpfenden systematischen Sichtung der Arndtschen Schriften deutlich, dass Arndts Franzosenhass sich nicht erst als Reaktion auf das napoleonische Joch bildete, sondern bereits vorher in seinen antiaufklärerischen Schriften, besonders in seiner Greifswalder Habilitation, artikuliert wurde.   Völkischer Nationalismus, Antijudaismus/Antisemitismus, Franzosenhass, chauvinistisches Herrabblicken auf slawische und ‚welsche‘ Völker, Kriegsverherrlichung als Selbstzweck und zur Selbstfindung der Nation und andere, damals wie heute humanistischen idealen entgegenstehende Überzeugungen, prägen sein Lebenswerk.

Prof. Dr. Arno Herzig aus Hamburg führte aus, wie sehr Arndts Judenhass sowohl christlich-antijudaistische als auch bereits rassenbiologisch-antisemitische Elemente zu einem Plädoyer für den Ausschluss der Juden aus dem ‘teutschen’ Volk funktionalisierte.”

Prof. Dr. Thomas Stamm-Kuhlmanns Beitrag […] machte deutlich: ‚Für Arndt ist der Völkerhass nicht nur ein kurzzeitiges Aufflackern, sondern er hält ihn für ein notwendiges Element, um das deutsche Nationalbewusstsein dauerhaft wach zu halten.‘  Kollege Stamm-Kuhlmann schloss seinen Vortrag mit Worten: ‚Ernst Moritz Arndt‘, schreibt Jens Rybak […], war ein ‚fremdenfeindlicher Publizist mit antijüdischen Vorurteilen.‘ Das ist ein wissenschaftliches Urteil. Ob wir uns nach einem fremdenfeindlichen Publizisten nennen wollen, ist dagegen eine Wertentscheidung.

Der ganze, zweiseitige Abschlussbericht hier als PDF. Zusätzlich gibt es noch den (hier nicht zitierte, aber ähnlichen) „Bericht an den Senat„. Alle Aufsätze der alten Arndt-Kolloquiums haben wir in einer 238 Seiten umfassenden PDF Datei hier veröffentlicht (128 MB!).

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2 Antworten auf “Bericht an den Senat: Arndt-Kolloquium 2001

  1. Manfred Peters

    Der Gunner – Kanonier, Maschinengewehrschütze,…!!! – Prof. Dr. Müller Waldeck.

    http://www.eulenspiegel-verlag.de/autoren-1/autor

    Der Vorname lautet Gunnar, obwohl die Assoziation mit einem Heckenschützen in Sachen Arndt auch nicht so schlecht wäre. Oder sollte es sich hier um einen „Freudschen Verschreiber“ handeln?
    Es zeigt wieder einmal die Oberflächlichkeit der UoA, die doch immer wieder von Wissenschaftlichkeit schwafelt und sich anmaßt, wie es gerade passt, bestimmte Gruppen aus der Diskussion um Arndt auszuschließen. Siehe unten „… unter Historikern usw.“.

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Vielen Dank!
      Warum man jetzt Leute ausschließt, wenn man ein ein e und a in einem Namen vertauscht, verstehen wir trotzdem nicht. 😉
      Wir haben gerade ein 238 Seiten dickes Buch über Arndt veröffentlicht. Was ist daran Ausschluss?

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