Bedauern und Sprachlosigkeit

Rund 60 Demonstranten feierten vor dem Senat für die Ablegung. Über 700 Mitglieder und Unterstützer sind nach einem Jahr Kampagne nun enttäuscht.

Mit Bedauern und Sprachlosigkeit nimmt die Initiative „Uni ohne Arndt“ das Abstimmungsergebnis der heutigen Senatsentscheidung zur Beibehaltung des Namens „Ernst Moritz Arndt“ zur Kenntnis. 14 Stimmen waren für die Umbenennung, 22 dagegen.

Bunt und weltoffen: Diese Message dran nicht zum Senat durch. Man entschied sich für Arndt.

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„Wir hätten uns ein klares Signal gegen das fremdenfeindliche Gedankengut Arndts gewünscht, zu dem sich der Senat leider nicht durchgerungen hat,“ sagt Sandra Schmidt, eine Studentin der Initiative, „erkennen aber an, dass viele Menschen in der Region eine andere Symbolik mit Arndt verbinden.“ „Wir hoffen, dass über die problematischen Aspekte des Namenspatrons nicht wieder ein Siegel der Verschwiegenheit verhängt wird, sondern dessen Schattenseiten von der Universität zukünftig aktiv kommuniziert werden“ so Sebastian Jabbusch aus der Initiative.

Darüber hinaus regt Uni ohne Arndt an, dass die Universitätsleitung sämtlichen Universitätsangehörigen die Möglichkeit eröffnet, sich durch entsprechende Briefköpfe,  Namensschilder und Abschlusszeugnisse ohne „Ernst Moritz Arndt“ von dessen Werk zu distanzieren.

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10 Antworten auf “Bedauern und Sprachlosigkeit

  1. Marcus Boss

    Sehr geehrter Herr Jabbusch,

    ich als Master-Student der Geschichtswissenschaft lege sehr wohl Wert darauf, dass auf meinem Abschlusszeugnis der Titel vermerkt ist: Master of Arts der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald!
    Die Art und Weise, wie Sie, mein lieber Herr Jabbusch, die Diskussion um den Namenspatron unserer Universität führen, finde ich unerträglich. Zum Einen bedienen Sie sich einer einfachen Schwarz-Weiß-Malerei-Rhetorik die beispielslos ist und des Weiteren sollten Sie endlich anerkennen, dass weder die Mehrheit der Greifswalder Studenten, noch die Greifswalder Bürger, noch der Akademische Senat, die Dinge so beurteilen, wie Sie es tun. Auch wenn Sie meinen, dass Sie das Wahrheitsmonopol für sich beanspruchen können, hoffe ich, dass Sie sich lieber Ihrem Universitätsabschluss an der hiesigen Universität widmen und auf ein weiteres politisches Engagement verzichten. Nach mehrmaligen Schlappen (Urabstimmung der Studenten; Votum des Akademischen Senats der Universität Greifswald) sollte auch Ihnen ein Licht aufgegangen sein: Sie sind mit Ihrem Projekt "Uni-ohne-Arndt" gescheitert und man benötigt Sie nicht weiter in Greifswald! Ich wünsche Ihnen weiterhin einen erfolgreichen Verlauf Ihres Studiums und Ihrer Karriere!

    MfG Marcus Boss

    1. Hotzenplotz

      Die Kampage "Uni-ohne-Arndt" ist gescheitert – zweifelos. Was Greifswald jedoch weiterhin benötigt, sind Menschen wie Herr Jabbusch, die sich für oder gegen etwas engagieren. Greifswald ist in vielen Punkten geistig verkrustet und eine politische Wüste. Und der Fakt, dass über 40 % der Studierenden und 40 % des Senats gegen Arndt stimmten, zeigt mir, dass Arndt eben nicht unumstritten ist, sondern die Initiative einen wichtigen Punkt angestoßen hat. Damit hat die Inititative Uni ohne Arndt mindestens zwei wichtige Ziele erreicht: Greifswald und die Universität haben sich mit Arndt befasst. Viele Menschen wussten bislang nicht um Arndts "dunkle Seite". Herr Schattschneider wies in seiner besonnenen Antragsbegründung im Senat vollkommen korrekt daraufhin, dass die Universität nun, bei diesem Bekenntnis zu Arndt, ihn aktiv im Hochschulalltag verankern muss. Ich bin gespannt, ob der Rektor Ernst Moritz Arndt nun in seinen aktiven Sprachgebauch aufnimmt.

      Freilich, Herr Jabbusch, das alles heißt nicht, dass die Art und Weise, wie Sie Ihre Ziele erreichen wollen, sie bessten und fairsten waren!

      1. Marco_Wagner

        "Herr Schattschneider wies in seiner besonnenen Antragsbegründung im Senat vollkommen korrekt daraufhin, dass die Universität nun, bei diesem Bekenntnis zu Arndt, ihn aktiv im Hochschulalltag verankern muss."

        Da hat er vollkommen recht. Die Uni muss jetzt schon klar und deutlich sagen, warum Arndt weiterhin Patron der Uni ist. Der gegenwärtige Uni-Text ist ja mehr ein Kompromiss-Text, der Licht-und Schattenseiten bestenfalls streift, aber weder auf der einen, noch auf der anderen Seite konkret wird.
        Vielleicht wäre es da auch mal sinnvoll zu sehen, wie denn andere Arndt-Schulen (auch wenn sie keine Hochschulen sind), mit ihrem Namenserbe umgehen.
        Eine ziemlich gute Stellungnahme zum Patron hat das EMA-Gymnasium in Bergen.

  2. ret_marut

    Kaum ist mensch mal ein paar Wochen nicht in der Stadt, kommt der reaktionäre Backlash. 😉

    Gut, dass der Senat mit 22:14 zumindest eine klare Ansage gemacht hat und nicht wieder so ein Patt wie bei der Urabstimmung und der Senatskommission. Das Ergebnis ist aus meiner Sicht natürlich nicht wirklich wegweisend, weil hier der alte tradierte, völlig geschichtsblinde Umgang mit dem Uni-Patron fortgesetzt wird. Die "Kuh" ist für den Senat damit vorerst vom Eis, aber es dürfte klar sein, dass im Laufe der kommenden Jahre die Kritik am Namen wieder hochkochen wird. Statt also einen Schlussstrich unter die Debatte zu ziehen und einen Neuanfang ohne diesen untragbaren Namensgeber zu wagen, wurde das Elend noch einmal um eine weitere Runde verlängert. In Greifswald werden Probleme halt ausgesessen. 😉

    Dank an dieser Stelle allen, die sich trotz der manchmal recht derben Anfeindungen und absurden Unterstellungen durch ArndtbewahrerInnen für eine weltoffene Uni ohne Rassismus und Antisemitismus eingesetzt haben!

  3. Fiete Kalscheuer

    Für mich ist das Thema auch noch nicht beendet.
    Greifswald hat damit ein klassisches Eigentor geschossen, aber die Kritik am Namen wird und muss weitergehen.
    Ich hoffe daher auch, dass die Uni-ohne-Arndt Seite bestehen bleibt. Spätere Studentengenerationen haben dann bereits alle Argumente gegen Arndt, die sie brauchen.
    Vielen Dank auch noch einmal an die Initiatoren der Uni-ohne-Arndt Kampagne.
    Ihr habe es geschafft, das Thema in den Mittelpunkt zu rücken. Das war eine mediale Meisterleistung von Euch!

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Uni ohne Arndt wird sich (hoffentlich!) nie erledigen, bis zur Ablegung des Namens.

      Die Seite wird definitiv online bleiben. Wir möchten sie sogar noch überarbeiten, ausbauen und im Google schneller auffindbar machen. Wer uns dabei helfen will, ist immer willkommen!

      Die Krtik am Arndt endet hier nicht, lediglich die Bemühungen den Namen in näherer Zeit abzulegen. Jetzt wird der Druck auf die Uni wachsen sich aktiv mit dem Namen zu beschäftigen und auseinaderzusetzen!

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