Tiefpunkt: Professoren müssen eigene Anwesenheit begründen

Gibt es Fremdenfeindlichkeit in der Stadt Greifswald? Die Arndt-Debatte hat die tiefsten Abgründe der Volksseele nach oben gespült. In Leserbriefen, die die Lokalzeitung tatsächlich auch noch druckt , werden Professoren als „Fremde“ und als sogenannte „Westprofessoren“ abqualifiziert. Um die Ergebnisse der Arndt-Forschung schön zu reden, wird manchen Professoren auch eine Franzosenstämmigkeit unterstellt oder eine „Polonophilie“ (Polenliebe) untergeschoben (was hier in Greifswald offenbar etwas schlechtes ist?!).

Prof. Thomas Stamm-Kuhlmann unternahm heute in der Lokalzeitung den Versuch seine Anwesenheit zu begründen und legitimieren:

Zur Vergrößerung anklicken!

Beispiel für einen typischen Leserbrief. Auch mit der Namensverleihung im Dritten Reich hat der Autor offenbar kein Problem.

Wir empfinden diesen Vorgang sowohl für die Stadt als auch für uns als Studenten als beschämend. Ist es wirklich schon so weit gekommen, dass „wir Deutschen“ wieder unterscheiden zwischen „Hier-Geborenen“ und „Fremden“? Wer ist echter  „Greifswalder“ und wer ist echter „Pommer“ (sic! Wer hier von „Vorpommern“ spricht, macht sich hier bereits verdächtig, die Grenze zu Polen anzuerkennen!)? Müssen „Bürger“ zukünftig einen 3-Generationen Arier-Nachweis liefern, damit sie sich in die lokale Debatte einmischen dürfen? Es ist aus unserer Sicht für eine Universität unwürdig, wenn Professoren Ihre Anwesenheit derart verteidigen müssen. Wo war der Rektor, der seine Professoren vor dem Mob in Schutz nimmt?

Prof. Stamm-Kuhlmann fühlt sich offenbar genötigt auf  Selbstverständlichkeiten hinzuweisen, etwa dass Professoren natürlich schon immer aus aller Welt kamen. Welches Image strahlt unsere Uni weltweit aus, wenn Profesoren sich zukünftig bei der Bevölkerung für ihre Forschungsergebnisse, ja überhaupt für ihre Anwesenheit oder gar noch Meinungsäußerung faktisch entschuldigen müssen? Die Universität setzt mit der Fortsetzung der Arndt-Debatte auf diesem Niveau alles auf Spiel.

Übrigens: Arndt-Befürwortende Professoren, wie etwa Prof. Staats aus Kiel, wurden bisher für Ihre Westherkunft nicht angegriffen. Seltsam.

Share

11 Antworten auf “Tiefpunkt: Professoren müssen eigene Anwesenheit begründen

  1. Martin H.

    Ich bin in VORpommern geboren und lebe seit 12 Jahren in der Hanse- und Universitätsstadt Greifswald. Ich ging hier zur Schule, absolvierte Praktika, machte mein Abitur und studiere nun hier in der Hansestadt. Ich habe diese Stadt und ihre Bürger immer geschätzt. Doch seit einigen Tagen verschwindet mein Respekt vor den Bürgern dieser Stadt immer mehr. Ich realisiere langsam, wie fremdenfeindlich viele Bürger Greifswalds doch sind. Und damit meine ich nicht, die Fremdenfeindlichkeit gegenüber ausländischen Mitbürgern. Ich meine die Feindlichkeit gegenüber Nichtgreifswaldern. Ich bin gespannt, wie lange ich noch mit erhobenem Haupt sagen kann: "Ich bin Greifswalder"

  2. Manfred Peters

    "… den Versuch auch dem “einfachen Bürger” seine Anwesenheit zu begründen und legitimieren:"
    Leute merkt Ihr den nicht, dass Ihr hier immer mehr Öl ins Feuer gießt? Oder sollte das Euer Kalkül sein?
    Der zitierte OZ-Beitrag war überflüssig, da wie auch hier, um einmal wieder Eure Terminologie zu verwenden, "unwissenschaftlich" von nicht akzeptablen Einzelmeinungen auf die ganze Gesellschaft geschlossen wird.
    Wie auch Prof. Klüter, der hier an anderer Stelle für seine "wissenschaftlichen" Ausführungen zum "Greifswalder Provinzialismus" gelobt wird, versucht s. o. Prof. Stamm-Kuhlmann dummen, primitiven feindlich gesinnten Menschen etwas zu erklären. Dem Duktus seines Beitrags folgend, müsste er doch wissen, dass er die meisten seiner Adressaten nicht erreicht, da diese weder lesen noch klar denken können.

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Herr Peters,

      waren Sie gestern auf der selben Veranstaltung wie wir? Dort haben wir erneut alle Vorurteile gegenüber den „Nicht-Pommern“ gehört. Ein Redner nach dem andere bemühte sich auf seine lange Zeit in Greifswald oder wenigtens in Pommern hinzuweisen“.

      Das nicht alle Greifswalder fremdenfeindlich sind, stimmt. Wurde aber auch nicht behauptet. Dass die Fremdenfeindlichkeit in Greifswald zumindest so verbreitet ist, dass die Lokalzeitung (und andere Zeitungen) sich nicht scheuen, diese Leserbriefe und Artikel abzudrucken, ist doch wohl unzweifelhaft?

      Und obwohl wir und andere Blogger in Greifswald schon mehrfach darauf hingewiesen haben, hat sich das auch nicht geändert.

      Nehmen Sie doch bitte einfach diesen Artikel des Professors als einen „Warnruf“. Oder gilt weiter die Parole „Wer Arndt nicht will, kann doch gehen“?

      1. Manfred Peters

        Es gilt weiter die Parole, bleibt hier, denn in Greifswald lernen/studieren, heißt siegen lernen! Abgeleitet vom Motto: http://www.dra.de/online/dokument/2007/oktober.ht
        Ja, wir waren auf der selben Veranstaltung! Ja, ich glaube mindestens 3 von ca. 15 Redner haben die von Euch kritisierten Grenzen auch aus meiner Sicht überschritten. Liegt vielleicht an einer etwas hölzernen Ausdrucksweise der Herren und Ihrem politischen Hintergrund als ewige Sieger der Geschichte.
        Ich habe ab 1990 mehrere Jahre mit Bayern und Österreichern zusammengearbeitet. Noch schlimmer, ich war deren einsamer Leiter aus dem Osten. Wenn ich so empfindlich gewesen wäre, wie Ihr es hier vorgebt zu sein, hätte ich mich in die Isar stürzen müssen und könnte mich heute nicht mit Euch streiten.
        Zu den Leserbriefen soll es eine, ich hoffe unvoreingenommene, Analyse geben. Wartet diese doch ab.

  3. Elisabeth

    Ich finde hier genauso viel Fremdenhaß. Es kommt wohl auf die Definition an, was fremd ist. Fremd scheint dem Autor des obigen Artikels die einheimische Bevölkerung zu sein. Warum sonst wird keine Möglichkeit ausgelassen, diese zu difamieren.
    Es gibt das schöne Sprichwort: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus. Vielleicht sollte die Gruppe Kontra-Arndt mal überlegen, wie sie ihre Kampagnen führen und wie sie versuchen durch zunehmende Provokation (letztlich als schlechte Verlierer) das Unverständnis der Mitbürger heraufbeschwören.
    Hier wird etwas konstruiert, was es so nicht gibt. Es gibt keinen Fremdenhaß. Es gibt sehr wohl aber ein Unverständnis für Leute, die nicht akzeptieren können, dass die eigenen Ideen nicht zu den Ideen aller werden. Vielleicht hängt das auch mit den Lebenserfahrungen der Bürger dieses Landstrichs zusammen.
    Und ich finde es nicht unbedingt ehrenrührig sich den Mitbürgern dieser Stadt vorzustellen. Wenn ich so eine gravierende Veränderung will, dann halte ich es fast für den guten Ton.

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Prof. Stamm-Kuhlmanns Artikel hat nichts mit der Kampagne zu tun. Wenn aber ein Professor sich in der Lokalzeitung genötig sieht, sich für seine eigene Anwesenheit zu rechtfertigen, dann ist wahrlich die Grenzen des guten Geschmacks überschritten.

      Anstatt nun Prof. Stamm-Kuhlmann erneut allerhand zu unterstellen, sollte man zunächst einmal darüber nachdenken, wie es überhaupt so weit kommen konnte und was in der letzten Zeit in Greifswald schief gelaufen ist, dass es zu derartigen Entgleisungen gegenüber seriösen Professoren kommen konnte.

      Den Ansatz jegliche Fremdenfeindlichkeit einfach abzustreiten, halten wir für den falschen Ansatz. Sollen wir weitere Leserbriefe aus der OZ oder gewisse Stellen aus den (vor)pommerischen Zeitungen hier veröffentlichen?

      (Zur Urabstimmung haben sich die Grünen und wir deutlich positioniert: http://www.wildwuchs-mv.de/?p=622)

  4. Fiete Kalscheuer

    Was ist bloß mit den Greifswaldern los? – Vielleicht erlebt Greifswald jetzt die nötige Aufklärungsbewegung. Greifswald braucht eine "68-Generation", die mit den ganzen Lügen und Selbsttäuschungen aufräumt. Ihr, macht damit einen guten ersten Schritt! Es geht schon lange nicht mehr bloß um Symbolik, sondern um Werte! Pathetisch ausgedrückt: Es geht um die freiheitlich demokratische Grundordnung des Grundgesetzes, die sich so wohltuend von der deutschen Geschichte bis 1945 bzw. bis 1989 abhebt.

  5. Thomas

    Es ist einfach zu köstlich diesen "Artikel" zu lesen. Und da wundert sich die Uni-ohne-Arndt-Gruppe stets, dass sie auch aufgrund ihrer Wortwahl kritisiert wird. Absolutes BILD-Niveau. Ich hoffe mal für den Rest der Welt, dass ihr keinen Journalismus studiert, denn das wäre ein Armutszeugnis.
    Im übrigen bin ich auch geborener Greifswalder, würde mich als Norddeutschen und vielleicht auch als Pommern bezeichnen. Und dennoch habe ich kein Problem mit den heutigen Grenzen. Das haben sich die damaligen Deutschen selbst eingebrockt. Ihr seht also, ich passe nicht in eure Schublade.
    Ich bin auch grundsätzlich dafür, dass sich sowohl Greifswalder als auch Universitätsangehörige mit Arndt auseinandersetzen sollten. Aber bitte miteinander! Dass, was ihr mit eurem Wortbeitrag macht, ist einfach nur Öl ins Feuer zu gießen, wie schon oben wurde. Einfach mal auf die Wortwahl achten…

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Wir haben diesen Beitrag von Prof. Stamm-Kuhlmann nur hier veröffentlicht. Wenn sich ein Professor gegen offensichtlich vorhandene Ressentiments wehrt, ist das nicht „Öl ins Feuer gießen“, sondern nur Verteidigung gegen unsachliche Vorwürfe. Ich finde es schade, dass auch Du offenbar nicht zuerst einmal die Frage stellt: Warum musste dieser Artikel geschrieben werden? Sind die Thesen des Prof. nicht selbstverständlich? Warum hat der Prof. diese trotzdem hier in Greifswald veröffentlicht? In welcher Stadt leben wir? Welcher Druck besteht für den Prof. um ihn einen solchen Artikel schreiben zu lassen?

      Ich denke wir sollten uns alle mal an die eigene Nase fassen, bevor wir Fremden Vorwürfe machen. Das finde wir, passiert viel zu wenig. Vielleicht ist Arndt da sehr symptomatisch?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.