Jost Aé unterstützt Namensablegung

Jost Aé (Homepage) lebt seit 1966 in Greifswald. Zwischen 1999 und 2009 war er Mitglied der Greifswalder Bürgerschaft für die SPD. Das folgende Statement möchte er jedoch als ehemaliger Student abgeben. Neben seiner Berufstätigkeit absolvierte Aé zwischen 1979 und 1985 im „Fernstudium“ sein Diplom in Philosophie an der Greifswalder Hochschule:

„Professor Klüters Stellungnahme im Namensstreit um Ernst Moritz Arndt trifft genau ins Schwarze. Die Erbitterung, mit der nun auch aus theologischer Ecke für Arndt gestritten wird, macht deutlich, dass die Zeiten noch immer nicht vorbei sind, in denen „Christliches“ der Versuchung, mit Deutsch-Nationalem eine unheilige Allianz einzugehen, nicht widerstehen kann.

Im Gegenteil, es passt genau zum Zeit(un)geist, der Deutschtümelei und „wir sind wieder wer“ avancieren lässt als staatstragendes Beiwerk zur Durchsetzung der dem geeinten Deutschland zugedachten neuen imperialen Rolle.

Arndt als Namenspatron retten zu wollen, indem man ihn aus seiner Zeit heraus zu verstehen vorgibt, zeigt bestenfalls, dass da wenig verstanden wurde. Dass einer Hass predigt, kann man vielleicht historisch erklären, aber man darf es nicht billigend in Kauf nehmen und schon gar nicht eine Universität nach ihm benennen. Dass dies zu Zeiten geschah, ist Teil unserer unrühmlichen Geschichte.

Nicht die Zeiten sind verantwortlich, sondern wir sind für sie verantwortlich. Es wird sich daher zeigen, ob in unserer Alma Mater genügend weltbürgerlicher Geist und Mut herrschen, einen Namen abzulegen, dem diese Ehre nicht gebührt. Schon eine Kaserne nach Arndt zu benennen, hielte ich heute für bedenklich.

Jost Aé

Greifswald – 9. Januar 2010″

Foto: privat, nicht CC.

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4 Antworten auf “Jost Aé unterstützt Namensablegung

  1. Manfred Peters

    So lange die Sozialdemokraten Greifswalds unter Führung ihres Fraktionsvorsitzenden einen
    Kaiser(Wilhelm II-Gedächtnis)saal in der Stadthalle, für Zeitgemäß halten, ist diese Aussage von Herrn Aé für mich unglaubwürdig: "…es passt genau zum Zeit(un)geist, der Deutschtümelei und „wir sind wieder wer“ avancieren lässt als staatstragendes Beiwerk zur Durchsetzung der dem geeinten Deutschland zugedachten neuen imperialen Rolle."
    Aus billigem politischen Kalkül, übrigens auch mit Unterstützung von Teilen der Grünen-Fraktion, wurde dieser Antrag der Linken mehrheitlich abgelehnt:
    "Die Bürgerschaft der Universitäts- und Hansestadt Greifswald beschließt:
    Der große Festsaal in der Stadthalle Greifswald soll künftig nicht ‚Kaisersaal’ heißen.
    Der Oberbürgermeister wird beauftragt, als Vertreter des Gesellschafters der
    Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald mbH sowie der Theater
    Vorpommern GmbH alle dazu notwendigen Schritte einzuleiten."

    1. MatthiasHuehr

      Herr Peters, Ihr Kommentar ist sowas von lächerlich konstruiert. Zum Einen kenne ich Herrn Aé persönlich sehr gut um einschätzen zu können, daß seine Ansicht zu dem Thema diejenige ist, die er auch vertritt. Er gehört zu denjenigen Leuten in meiner Partei, die ihre Meinung auch offen sagen und sich damit nicht unbedingt viele Freunde macht. Zum Anderen ist er in dieser Legislaturperiode gar kein Mitglied in der Bürgerschaft mehr, hat also gar kein Stimmrecht gehabt was diese Abstimmung betraf. Und was die Verbindung mit SPD betrifft, kann sowas wie politische Sippenhaft wohl keine ernsthafte Argumentationsgrundlage von Ihnen sein.

      1. Manfred Peters

        Lieber Herr Huehr,
        das ist ja das Problem, dass die Meinung des Herrn Aé, nicht hier, aber im aktuellen Webmoritz-Beitrag "Hochschild zur Arndt-Debatte: Denkt lieber an euer Studium!" als SPD-Statement verstanden/verkauft wurde. Einige Kommentatoren im Webmoritz sprechen für sich und mich.
        Dennoch vielen Dank, dass Sie mit Ihrer Antwort meine Ansicht zum Abstimmverhalten der SPD in der Bürgerschaft, es war zum Glück nicht homogen, bestätigt haben. Ansonsten sind mir alle Mitglieder der aktuellen Bürgerschaft durchaus bekannt.
        Eigentlich sollte man in einer Partei über gesellschaftliche Probleme diskutieren und dem Fraktionsvorsitzenden hier und da Entscheidungshilfen geben, zumal Herr Aé zum Vorstand des SPD Ortsvereins und laut Webmoritz zur "kommunalpolitische Prominenz" gehört.
        Das hat nichts mit Sippenhaft zu tun und wenn es um Lächerlichkeit geht, so sind es, wohl auch ein wenig zu meinem bedauern, die Wahlergebnisse der SPD in Greifswald. Das ist aber wieder ein anderes Thema.

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