DIE ZEIT über Arndt: Brandstifter im Biedermeier

Aus DIE ZEIT

DIE ZEIT - 21.1.2010 - Seitenüberschrift

„Marcard selbst, aber wie auch Arndt und manch anderer völkischer Prediger jener Zeit, steht schon für den neuen, den rassistischen Antisemitismus des 20. Jahrhunderts. Wer nach den „Gründen für Auschwitz“ fragt, wird sich mit dieser entscheidenden Phase der deutschen Geschichte beschäftigen müssen.“

Nicht nur gestern bei der Bürgeranhörung durch die Senatskommission hört man immer wieder Zweifel an den wissenschaftlichen Faktenlage der Arndt-Forschung. Insbesondere beim Thema „Antisemitismus“ ist das „Volksempfinden“ in Greisfwald gegenüber Arndt milde.

Arndt hätte schließlich „kein Blut an den Händen“ oder hätte das Dritte Reich „nicht vorhersehen können“. Dass Arndt selbst mit Judenpogromen drohte, Juden als Ungeziefer bezeichnete und zu den geistigen Vätern des modernden Antisemitismus gehört, wird schlicht angezweifelt oder sei „nicht so wichtig“.

DIE ZEIT hat nun heute im Rahmen der hitzigen Arndt-Debatte einen Artikel zum Thema Früh-Antisemitismus in Arndts Lebzeiten und seine Verwicklung darin veröffentlicht. Im Moment ist das Dokument nur im Kiosk erhältlich.

Der Autor, Prof. Dr. Arno Herzig, war aber auch schon selbst in Greifswald bei einer Podiumsdebatte zu der die Initiative „Uni ohne Arndt“ eingeladen hatte. Die entscheidende Stelle über Arndts Antisemitismus findet ihr hier.  (Die ganze Debatte hier.)

Wer Arndts Antisemitismus „pur“ lesen will, für den haben wir hier ein Kapitel „aufbereitet“.

UPDATE: Der Beitrag von Prof. Herzog ist nun hier online verfügbar. Danke an Manfred Peters für den Hinweis!

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11 Antworten auf “DIE ZEIT über Arndt: Brandstifter im Biedermeier

  1. Manfred Peters

    Dieser Kommentar ist auch nur eine Kopie aus dem Webmoritz, da hier aber keiner wagt zu widersprechen möchte ich folgende Bedenken anmelden:
    Schlagzeilenrecycling bei der "Zeit"
    1976 titelte die Zeit-Online
    "Biedermeier und Brandstifter"
    Die Welt ist das, was sie immer schon war« Nur noch ein bißchen komplizierter ist sie geworden. Probleme über Probleme: Weltwirtschaftskrise, Preise, Ölkrise, Konflikte. …" http://www.zeit.de/1976/36/Biedermeier-und-Brands
    Heute wird daraus: "Brandstifter im Biedermeier" (21.01 2010)
    Ist ja das gute Recht einer "Zeit-Schrift", die keine neuen Ideen hat und sich für ihre destruktiven Thesen das vermeintlich schwache Opfer aussucht.
    Ich wage auch zu behaupten, dass Arndt heute jede Verleumdungsklage gegen Zeit und Autor gewinnen würde. Die obskuren Schlüsse des letzten, leider von der Initiative UoA gelobten Beitrags, halten weder wissenschaftlicher noch rechtlicher Überprüfung stand.

    1. Peter_Madjarov

      "Die obskuren Schlüsse des letzten, leider von der Initiative UoA gelobten Beitrags, halten weder wissenschaftlicher noch rechtlicher Überprüfung stand."

      Na dann weisen Sie das mal nach, Herr Peters!

      Unabhängig davon, dass Prof. Herzog nicht irgendwer ist und seine Argumentation doch tiefgründiger ist als so ziemlich jeder Kommentar zur Arndtdebatte im Internet:
      Insbesondere in Hinblick auf Art. 5 III GG halte ich Ihre Aussage für – zumindest – äußerst gewagt… oder ehrlich gesagt: ziemlich abenteuerlich.

      1. Manfred Peters

        Lieber Peter,
        bei Deiner Antwort wurden ja einige Argumente wieder diplomatisch übergangen.
        Arndt lebt nicht mehr, also kann er sich auch nicht mehr juristisch wehren. Bliebt ergo der Test des
        Art. 5 III GG aus. Ich kann nicht für Arndt in die Bütt springen, da mit mehreren Demokratie-Testverfahren vor dem VG und OVG beschäftigt. Das lastet einen "Alten Mann", wie Ihr so gerne Andersdenkende in Euren Kommentaren feinfühlig zu diskreditieren versucht, aus.
        Mein Service für Euch, der von mir kritisierte Beitrag von Prof. Herzig ( Zitat UoA: Im Moment ist das Dokument nur im Kiosk erhältlich) ist jetzt Online:
        http://www.zeit.de/2010/04/A-Antisemitis-Vormaerz

        1. Peter_Madjarov

          Ach so, ich hatte gedacht, sie meinten, dass eine Verleumdungsklage gegen die Zeit heute Erfolg haben sollte. Die Idee einer Klage gegen Arndt ist natürlich abwegig.
          Übrigens, ich wollte keinesfalls einen "alten Mann" diskreditieren, habe aber ihr Aussage von einer Verleumdungsklage gegen die Zeit und uns schon als ein einigermaßen schweres Geschütz empfunden, dass Sie da aufgefahren haben.
          Danke für den Hinweis, dass Herzigs Beitrag jetzt online verfügbar ist. Ich kenne ihn aber schon seit letzter Woche, und auch in Kenntnis dessen habe ich mich gegen Ihre Pauschalkritik gewehrt.

    1. ret marut

      … und keiner hat's wirklich zur Kenntnis genommen, weil die groß angekündigte Anzeige in der OZ dann doch derart mickrig ausfiel; möglicherweise hat schlicht das zusammengesammelte Geld für eine größere Anzeige nicht gereicht.

      Es scheint in Greifswald das Interesse an einem Arndt-Gedenken nicht wirklich groß zu sein. Lediglich die rechtsextreme Burschenschaft Markomannia hat ihr Wochenendbesäufnis diesmal unter das Motto "150. Todestag Arndts" gestellt. – Da ist der alte Reaktionär Arndt ja in bester Gesellschaft. 😉

        1. ret_marut

          Ich vermute, viele der entrüsteten "Ich bin und war Pommer und stehe zu unserem Arndt, ihr Nestbeschmutzer!"-LeserbriefschreiberInnen haben schlicht und ergreifend gar nicht gemerkt, daß Arndt vor 150 Jahren aus dem Leben schied. Soviel zum vielbeschworenen Greifswalder "Gedenken an Ernst Moritz Arndt". 😉

          1. _Meyer_

            Du irrst dich… Greifswald ist längst nicht so provinziell, wie hier teilweise dargestellt wird, Berlin ist beispielsweise wesentlich provenzieller… in Greifswald leben genügend progressive Geister und Greifswald braucht keinen Vergleich mit Münster, Freiburg oder Wien scheuen…. nur halten die sich teilweise aus gutem Grund bedeckt…

  2. ret_marut

    Ohne Frage gibt es in Greifswald eine ganze Menge progressiver Geister. Fraglich allerdings, ob davon viele pro Arndt eingestellt sind.

    Ob Berlin wesentlich provinzieller als Greifswald sei, möchte ich mal lieber nicht bewerten. Ich vermute jedoch, daß Du da unter den Studierenden in Greifswald relativ wenige AnhängerInnen für die Positionen finden wirst.

    Für eine ordentliche Anzeige in der OZ zu Arndts Todestag hat es jedenfalls nicht gereicht. Vielleicht ja in 50 Jahren zum 200. Todestag. Mensch könnte ja jetzt schon mal anfangen mit dem Geldsammeln für die Anzeigenkosten. 😉

  3. _Meyer_

    Ich gehe erstmal nicht davon aus, dass ich in 50 Jahren noch leben werde. Sollte es doch so sein , dann hoffentlich nicht mehr im Kapitalismus, wo wir über Anzeigenpreise diskutieren müssen…

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