Arndts Todestag: Uni schweigt, nur eine rechte Burschenschaft feiert

Wie oft mussten wir es uns anhören: „Wenn die Universität ihren Namen ablegt, dann zerstören wir die Erinnerungskultur rund um Ernst Moritz Arndt“. Am Freitag war nun der 150. Todestag Ernst Moritz Arndt und? … nichts passierte!

Es passierte aber auch letztes Jahr nichts, als Arndt seinen 240. Geburtstag feierte. Und im Jahr davor passierte auch nichts. Genau genommen gab es seit 1990 keine Arndt-Feier oder Gedenkstunde – nicht mal in der fast einjährigen Feier des 550. Uni-Jubiläums. Arndt wird wie ein schmutziger Fleck einfach ausgespart.  Die Universität verdrängt Arndt systematisch, wie wir hier bereits einmal unter Punkt „3“ ausführlich dargestellt hatten. Ein Verantwortlicher aus der Uni sagte uns gegenüber: „Das wäre ja auch noch schöner, wenn wir Arndt noch feiern würden“.

Wo ist also diese „Erinnerungskultur“, die durch die Ablegung des Namens zerstört würde? Jemand ganz anderes übernahm die Aufgabe der Erinnerung: Die deutsch-nationale Burschenschaft Markomannia führte in ihrem Verbindungshaus eine Arndt-Lesung durch. Was genau dort passierte und wer sich da alles traft, wissen wir nicht. Zugang wurde nur „nach Anmeldung“ erteilt. Laut einer Infobroschüre des AStA Greifswald  bewegt sich die Burschenschaften im rechtsextremen Spektrum.

Gabriel Kords, stellvertretender Chefredakteur des Greifswalder Studentenportals webMoritz.de kommentierte dies so:

„Dass es heute offenbar ausschließlich einer Burschenschaft überlassen bleibt, des Uni-Namenspatrons zu gedenken, ist ein Armutszeugnis für alle, die sich Mühe geben, das Patronat Arndts über dieses Jahr hinaus zu erhalten. Die Universität als Ganzes muss sich angesichts dieses offensichtlichen Unwillens zur Identifikation oder auch nur zur Würdigung ihres Patrons in der Tat fragen lassen, ob sie seinen Namen noch tragen will.“

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4 Antworten auf “Arndts Todestag: Uni schweigt, nur eine rechte Burschenschaft feiert

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      @ JanSchrei:

      Wenn Du auf dieser ganzen Seite „kein überzeugendes Argument“ findest, „warum man an Arndt rütteln sollte“, dann teilst Du offenbar auch nicht das pluralistische, demokratische und weltoffene Leitbild unserer Universität. Das wir Menschen mit Deinen „Wertvorstellungen“ nicht überzeugen können, ist aber nicht schlimm. Dich würden wahrscheinlich auch andere – schlimmere – Namenspatrone nicht stören…

      Die Methode jetzt zu erklären, dass man sich gar nicht mit dem Namenspatron idendifizieren müsse, bzw. dass ein Namenspatron gar keine Vorbild-Funktion hätte, finde ich nun nach einem fast dreiviertel-Jahr Debatte einen recht müden Versuch sich noch raus zu retten.

      Was gilt denn nun? Entweder Du siehst an Arndt kein Problem – dann kannst Du Dich doch mit ihm idendifizieren oder Du sagst, dass Namenspatron gar nicht solche Identifikations-Funktion haben? Beides zusammen zu sagen, scheint mir eher „auf Teufel komm raus“ irgendwelche Argumente finden zu wollen. Dadurch widersprichst Du Dir aber selbst. Das hast Du ja auch schon in mehreren anderen Kommentaren…

    2. Peter_Madjarov

      Also ich würd nicht so weit gehen und JanSchei unterstellen, er sei kein Demokrat. Was er für Wertvorstellungen teilt, das weiß ich nicht.
      Ich möchte aber auf jeden Fall kritisieren, dass er uns unterstellt, wie würde Arndt-Befürworter mit Rechtsextremen gleichsetzen. Das gibt unsere Beschreibung zum Gedankverhalten der Uni einfach nicht her. Es ist einfach bitter und bringt uns in einer Debatte auf eine äußerst schwierige Stellung, wen uns dies – wie auch der allgemeiner "Populismus"Vorwurf – ständig vorgehalten wird, egal was wir machen. JanSchei und Kollegen schaffen es, unabhängig von unserem Wirken einen Stempeö aufzudrücken.
      Zum Glück kritisieren wir trotzdem zurecht die "(Nicht-)Erinnerungskultur" der Uni. Wer – wie JanSchei – behauptet, der Uniname habe keine Bedeutung, der sieht am Verhalten der Markomannen, dass er eben für mache doch eine Bedeutung hat. Und nicht nur für Rechtsextreme sondern auch für leute, die an einer aktiven Gedenkkultur interssiert sind – so wie Jörg Echternkamp, der ein interdisziplinäres Forschungszentrum anregt, dem sich die Initiative ja anschließt.
      Wenn einem ein Name nicht bedeutet, dann kann man ihn ja auch problemlos abschaffen.
      Wer einem Namen eine Bedeutung zumisst, der muss Fragen, wofür sie steht. Bei Arndt reicht das eben nicht zur Ehrung, die Bedeutung seines Wirkens – gerade on Vorpommern – sollte aber nicht vergessen werden.

      Übrigens, Jan: Ich denke schon, dass es Menschen gibt, die deren Geburtstag man ohne schlechtes Gewissen feiern kann. Auch wenn ich mir für einen neuen Uninamen noch keine abschließende Meinung gebildet habe: Wolfgang Koeppen sollte in Greifswald öfters mal gefeiert werdem, nicht nur im Koeppenhaus

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