Der „Arndt-Verlag“: Arndt-Rezeption durch Rechtsextreme heute

Wir hatten schon öfter darauf hingewiesen, dass Arndt auch heute vor allem in der rechtsextremen Szene populär ist. Dieser Eindruck verstärkt sich nun weiter:  Auf der Website der „Lesen & Schenken Verlagsauslieferung und Versandgesellschaft mbH“ bezeichnet sich die Firma selbst als „Arndt-Buchdienst“.

Was Lesen & Schenken dabei unter „Nationationalismus“ versteht, zeigt eine Auswahl der Bücher und Poster, die dort vertrieben werden. Es erinnert an Ernst Moritz Arndts völkisches Nationalverständnis… Beispiele:

„Müssen Kinder so heißen?“

Beschreibung des Buchs: „Was haben Kindernamen wie David oder Lea gemeinsam? Sie sind nicht deutsch, sondern biblisch-jüdisch, und sie erzählen Geschichten: David war ein Ehebrecher und Kindermörder, und Lea war so häßlich, daß ihr Vater sie mit einem Trick verheiraten mußte. – Welcher Teufel reitet deutsche Eltern, daß sie ihren Kindern solche Namen geben? 130 S., s/w. Abb., Pb.“

Außerdem im Angebot: Das Wandplakat „Deutsche Mahnworte“ von Dr. Mathilde Ludendorff (1877–1966): „Sei Deutsch, sei wahr, sei zuverlässig…“. Mathilde Ludendorff war eine bekannte Vertreterin der völkischen Bewegung. Sie begrüßte die „Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung“. Sie propagierte Verschwörungstheorien u.a. von Juden. Details zu M. Ludendorffs Stellung im Nationalsozialismus hier.

Zudem bietet der „Arndt-Buchdienst“ diesen ‚wunderschönen‘ „Kunstdruck Deutschland – Phoenix aus der Asche“.

Das es dieses Plakat auch im Versandshop der „Deutschen Stimme“, dem Parteiorgan der NPD, gibt, stört natürlich niemanden.

Ebenfalls schön: „Der Mann des Jahrhunderts – Meinungsstreit um Adolf Hitler“. Diese und ähnliche Bücher liefern überwiegend Geschichtsrevisionismus pur.

Wir fragen: Ist es nicht an der Zeit, dass sich die Universität heute kritisch hinterfragt, ob sie mit all dieser Arndt-Rezeption in einen Topf geschmissen werden möchte?

Übrigens: Dass die rechtsextreme / völkische Szene sich durchaus zu Recht auf Arndt bezieht, hatte Prof. Stamm-Kuhlmann bereits 2001 in seinem Auftrag „Arndt und die Nation“ hier dargestellt.

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8 Antworten auf “Der „Arndt-Verlag“: Arndt-Rezeption durch Rechtsextreme heute

  1. Marco_Wagner

    Und wieder wird einmal mehr versucht, die Arndt-Befürworter in die Rechtsextreme Ecke zu schieben…

    Gewiss, der Arndt-Verlag ist rechtsextrem. Das EMA-Gymnasium in Bergen ist es aber genau so wenig, wie die Regionale Schule EMA in Greifswald.

    Und die Deutsche Bundespost war es ebenfalls nicht, als sie ihn als Motiv ihrer Briefmarke wählten.
    Mit all den genannten Schriften Arndts können sich Nazis nicht identifizieren, weil sie sich gegen Unterdrückung v.a. der Bauern, gegen blinden Gehorsam, usw.usf. wenden.

  2. Marco_Wagner

    Kurz: Arndt wird nicht dadurch von den Nazis missbraucht, weil seine Zitate aus dem Zusammenhang gerissen werden, sondern weil, genau so wie es die Initiative UoA macht, nur bewusst ein Teil des Werkes instrumentalisiert wird, während der andere Teil weitestgehend ausgeblendet wird, weil er dann nicht mehr in das jeweilige Argumentationsschema passen würde.

  3. Marco_Wagner

    Ich weiß, dass euch dieser Kommentar nicht passt, aber angesichts der Tatsache, dass ständig Arndt ausschließlich von euch mit Nazis in Verbindung gebracht wird und ständig der Versuch unternommen wird, dass Arndt angeblich ausschließlich Vordenker der Nazis gewesen sei, was so nicht der Tatsache entspricht (denn Blum, Liebknecht, Lassalle usw.usf. sahen sich auch in EMAs Tradition), und dadurch zwangsläufig die Befürworter zu Naziverharmlosern werden (ich weiß— ihr "wollt das nicht" – trotzdem ändert es nichts an der Tatsache, dass dadurch, dass von euch Arndt immer nur mit Nazis in Verbindung gebracht wird, zwangsläufig jeder, der für Arndt ist, ebenfalls indirekt mit diesem braunen Pack in Verbindung gebracht wird. Und dagegen verwahre ich mich. Das ändert trotzdem nichts daran, dass man durch so eine Stimmungsaufpeitschung als Befürworter nicht mehr seine Meinung sagen sollte, weil man ja dann gleich als Naziakzeptant o.ä. in Verbindung gebracht wird.)

    1. Mathias Schulz

      Ich denke nicht, dass hier versucht wird, die Pro- Arndtler in die rechtsextreme Ecke zu stellen. So einfach kann man es sich mit der Gegenargumentation da auch nicht machen, Herr Wagner!
      Aber es ist schon auffällig und fragwürdig, wieso so viele aus der braunen Ecke den Ernst Moritz Arndt so gern haben. Und an dieser Stelle muss sich die Uni auch fragen, wer sich da mit Arndt solidarisiert. Klar, Arndt wurde instrumentalisiert und wird es noch immer, wie unschwer erkennbar ist. Aber wollen wir einen Namensgeber, der sich nahezu perfekt für eine Instrumentalisierung anbietet? Ich nicht!

  4. Marco_Wagner

    Die Frage, warum zum Beispiel Arndt für Revolutionäre wie Wilhelm und Karl Liebknecht (SPD, KPD) und Robert Blum (Demokraten), für Franz Mehring (SPD) und Ferdinand Lassalle (SPD) von Bedeutung war, damit wurde sich nicht mal ansatzweise auseinander gesetzt.
    Der Grund, warum diese Arndt ehrten und achteten (Robert Blum veröffentlichte Weihnachten 1847 eine Würdigungsschrift über EMA), war nicht sein völkischer Nationalismus und Rassismus.
    Es waren Schriften wie "Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen", "Der Bauernstand, politisch betrachtet", "Über den Bauernstand und ihre ständischen Vertretungen", "Beherzigungen vor dem Wiener Kongress", "Über künftige Verfassungen in Teutschland", "Katechismus für den teutschen Kriegs- und Wehrmann", "Kleiner Katechismus für den teutschen Soldaten"… .

  5. Gerhard Westenberg

    Übrigens hat der Name des rechtsextremen "Arndt-Verlages" mit Ernst Moritz Arndt gar nichts zu tun. Zitat Wikipedia: "Der Arndt-Verlag wurde ursprünglich 1963 vom Namensgeber Heinz von Arndt gegründet, der der Deutschen Reichspartei nahe stand. 1983 übernahm der Verleger Dietmar Munier den Arndt-Verlag und gliederte ihn in seine Lesen & Schenken Verlagsauslieferung und Versandgesellschaft mbH ein. Munier baute Arndt zu einem der größten und wichtigsten rechtsextremen Verlage in Deutschland auf."

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