Man muss Arndt in seiner Zeit sehen!

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Ludwig Gotthard Kosegarten kritisierte Arndt Rassismus bereits zu dessen Lebzeiten

Wie oft haben wir es schon gehört? Arndt muss man „in seiner Zeit sehen“. Oder „damals dachte man eben so“…

Tatsache ist, dass Ernst Moritz Arndt schon von seinen Zeitgenossen kritisch gesehen wurde. Unter anderem von seinen Professor-Kollegen an der Universität Greifswald Ludwig Gotthard Kosegarten (1758-1818). Um dies nachzuweisen, veröffentlichen wir hier eine Auszug aus der „Historischen Zeitschrift“, indem es um das Verhältnis zwischen Arndt und Kosegarten geht:

„Hat das königlich schwedische Pommern einerseits mit Ernst Mo­ritz Arndt den publi­zis­ti­schen Begründer des deutschen Na­tio­na­lis­mus her­vor­ge­bracht, so lebte und wirkte hier mit Lud­wig Gott­­­hard Ko­segarten gleich­zeitig einer der wohl frühesten Kritiker und gei­stigen Über­win­der des Nationalismus.

Noch vor Lud­wig Bör­ne und Hein­rich Heine di­stan­zierte sich Kosegarten von Deutsch­tü­me­lei, Ressenti­ments und Ras­sis­mus des auf­kom­menden Na­tio­na­lis­­mus: „Den dum­men Göt­zen Teutsch­thum“ wer­de er, Ko­se­gar­ten, nicht an­be­ten; ihm ste­he „das Men­schen­thum“ höher als das „Volks­thum“. Wo Arndt 1813-1815 und noch wäh­rend der folgenden Jahrzehnte an niedere Instinkte appellierte, Res­sentiments schürte, Fremden- und Ras­sen­haß sowie vor allem ewi­gen Fran­zo­sen­haß pre­dig­te, wirk­te Kose­gar­ten, scharf­sich­tig und klar die Ge­ge­ben­hei­ten abschätzend, noch wäh­rend des Krieges auf Aus­gleich, Ver­stän­­digung und Ver­söh­nung hin. Nicht nur an die Adresse Arndts gerichtet, dichtete er:

„Ist heilig nun die Sache
Der Kampf gerecht und gut
So schnaube nicht nach Rache
So dürste nicht nach Blut.“

Mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Quelle: Werner Buchholz, Pommern, in: Ders. (Hg.), Das Ende der Frühen Neuzeit im „Dritten Deutschland“. Bayern, Hannover, Mecklenburg, Pommern, das Rheinland und Sachsen im Vergleich (Historische Zeitschrift, Beiheft 37), München 2003, S. 77 – 119.

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