Artikel in Lokalzeitung

azFolgender Artikel erschien heute in einer Greifswalder Lokalzeitung:

„Uni ohne Arndt“ schlägt jetzt einen schärferen Ton an

Ein Mann mit kranker Angst vor Fremden

Greifswald (AK). Der Ton im Streit um den Namenspatron der Greifswalder Uni wird schärfer. Während die eigens dafür einberufene „Namenskommission“ des Senats zur Entschlussfassung die Anhörung von Wissenschaftlern und Bürgern plant, gehen die Aktivisten von „Uni ohne Arndt“ auf die Barrikaden.

„Der Umgang der Universität Greifswald mit ihrem Namenspatron ist ein geschichtspolitischer Skandal“, sagt Martin Schubert, einer der Sprecher dieser Initiative. Sie fordert, dass die Hochschulleitung mit einem uneingeschränkten Blick auf das geistige Werk Ernst Moritz Arndts (1769-1860) anerkennt, dass es sich bei diesem Mann um einen Nationalisten und Antisemiten handelt, dessen Fremden- und Judenhass weit über das hinausging, was von seinen Zeitgenossen üblicherweise gesagt und geschrieben wurde.

Die Uni-Leitung hält sich mit Stellungnahmen zurück. Es wird auf die Meinungsbildung der Namenskommission verwiesen und darauf, dass man sich in der Außendarstellung durchaus kritisch mit Arndt auseinandersetze. So wird auf der Internet-Plattform der Uni darauf hingewiesen, dass das Nationenverständnis Arndts darauf abzielte, dass „sie sich unvermischt erhalten müssten. Juden sollten in Deutschland keine staatsbürgerliche Gleichstellung erhalten.“ Über außereuropäische Völker äußerte sich Arndt im Zusammenhang zeitgenössischer Rassentheorien abwertend, ist zu erfahren.

Mit Zitaten ist das nicht untersetzt. Die haben Historiker der Uni parat, die sich mit dem Werk Arndts beschäftigen. Für Thomas Stamm-Kuhlmann, Inhaber des Lehrstuhles „Allgemeine Geschichte der neuesten Zeit“, ist der Namenspatron der Uni der Schöpfer einer „Hass-Philosophie“. Deren Ursprung sieht er in einer persönlichkeitsprägenden, krankhaften Angst vor allem Fremden.

Belege dafür sind bei Arndt unschwer zu finden: „Ich will den Haß gegen die Franzosen, nicht bloß für diesen Krieg, ich will ihn für lange Zeit, ich will ihn für immer“. Und in Sachen Antisemitismus: „Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt und in diese Staaten hinein, und darum will ich nicht, daß sie auf eine ungebührliche Weise in Deutschland vermehrt werden.“ Die Kritiker verwundert es nicht, dass in der Zeit des Nationalsozialismus Schulen deutschlandweit unter dieses geistige Patronat gestellt wurden. Aber nicht nur Schulen, auch die Greifswalder Universität erhielt in dieser Zeit ihren Namen. „Auf der Urkunde prangt der Name Hermann Göring“, empört sich Martin Schubert.

Der Artikel erschien am 19.11. im „Anzeigenkurier“ im Original hier.

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