Arndt: „Frivoler Nationalismus“

Blackout-DenmarkDr. Frithjof Strauß arbeitet an der Universität Greifswald am Lehrstuhl Lehrstuhl für Nordische Philologie. In einem Aufsatz hat er untersucht, was die Dänen über Arndt dachten. Das Ergebnis ist erschütternd. Deutlich wird, dass Arndt nicht nur gegen Frankreich Hass schürte… Wir haben daraus einge spannende Zitate herauszititiert. Den ganzen (lesenswerten) Aufsatz finden Sie hier als PDF:

Dagegen wird – als Skandalon – über 7 Seiten Arndts Schrift Versuch in vergleichender Völkergeschichte (1843/44) referiert, in der [Arndt] pseudowissenschaftlich den europäischen Bevölkerungen mentale Eigenschaften andichtet. Dänemark sei als Inselstaat allen Winden preisgegeben, und deshalb ein Spielball für die anderen Völker gewesen (168 f.). Die edelsten Dänen, die Seeländer, zogen im Mittelalter in den Krieg gen England und verblieben dort. Die so entstandenen Leerräume auf den Inseln wurden von „Schiffsladungen von gefangenen Wenden, Kuren und Liven“ gefüllt. So verloren Inseldänen ihre gothische Prägung in der rassischen Vermischung, was Arndt in anatomischen Betrachtungen zu belegen versucht. Der Däne der Gegenwart sei denn infolge seiner gemischten Rasse „ein sehr überreizter Mensch […]. Er ist hochgradig egoistisch und eitel und scheint vor Fremden immer die Frage auf den Lippen zu tragen: ‚Sind wir nicht auch wer in der Welt?’ Von der nordischen Festigkeit und Ruhe hat er nur sehr wenig bewahrt.“ (171) Mit derartig kruden Einstellungen gerät der betagte Arndt 1845 in eine Fehde mit „den Dänen“.

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Dr. Friethjof Strauß

„Arndt reagierte „mit einigen nichts-sagenden, spitzen Randbemerkungen“ und warf Valgerda vor, Opfer nationalliberaler Propaganda zu sein. „Man staunt, daß ein Mann wie Arndt in seinem Fanatismus so tief sinken konnte“ (177), kommentiert Petersen. Die Sache hatte ein diplomatisches Nachspiel, denn die dänische Regierung forderte Preussen auf, gegen Arndts Beleidigungen und Aufstachelungen einzuschreiten. Arndts oberster Dienstherr, der Schulminister von Eichhorn, gestand Arndts Derbheit ein, wollte ihm aber seine „Eigenart“ zugestehen, die schließlich zu seiner Popularität unter den Deutschen beigetragen hätte.“

Alle Zitate lesen…

„Für das aktuelle dänische „Nationallexikon“ […] hat der Historiker Claus Bjørn 1994 einen kurzen Eintrag zu Arndt besorgt. Er […] attestiert ihm „eine wesentliche Rolle in der Geschichte des deutschen Nationalismus“. Eine abschließende Bewertung betont die (verhehrende) politische Wirkung Arndts inklusive des Nationalchauvinismus […].“

„Allerdings nur „fast zu viel“, denn seine Produktion an kriegstreibenden Schriften läuft weiter, in denen [Arndt] jetzt auch zur Eroberung linksrheinischer Gebiete aufruft. Er rät, deutsche Frankreichsympathisanten wie Verbrecher zu behandeln und ihnen das Haar wegzurasieren. Neben dieser sadistischen Anwandlung gibt Petersen in der Schilderung der Zeit um 1814 weitere Beispiele für Arndts Nationalerotismus.“

Der Aufsatz ist erschienen in:

Cornelia Krüger und Frithjof Strauß (Hgg.): Tango del Norte. Festschrift für Walter Baumgartner. Greifswald: Lehrstuhl für Nordische Geschichte 2006, 414 S.  (>> Hier als PDF lesen)

Bildquellen:

Strauß: Homepage Universität Greifswald; Dänische Flagge: by Zoologist via Wikimedia.

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