Aktuelle Forschung: Arndt stand fest „im rassischen Volkstum“

Was sagt eigentlich die aktuelle Forschung zu Arndt? Vor einigen Wochen hat uns der Würzburger Historiker Peter Fasel angeboten einen Auszug aus seinem neuen Buch zu veröffentlichen. Das Buch mit dem Titel „Revolte und Judenmord. Hartwig von Hundt-Radowsky (1780-1835). Biografie eines Demagogen“ soll zwar erst im Herbst erscheinen, doch der Historiker bietet uns schon jetzt einen Einblick. Denn der Autor widmet in dem Buch auch unserem Namenspatron Ernst Moritz Arndt fast ein ganzes Kapitel.

Dies liegt auch gar nicht so fern, denn beide waren Vordenker des modernen Antisemitismus und lebten in der selben Zeit. Hundt-Radowsky wurde im gar nicht so weit entfernten Mecklenburgischen Parchim geboren. Seine wichtigste Hetzschrift „Der Judenspiegel“ veröffentlichte er im November 1819 . Dieses unrühmliche „Hauptwerk“ stellt laut Wikipedia ein außergewöhnliches Beispiel frühen „rassistischen“ Gedankengutes dar. Es verbindet – wie bei Arndt – rassisch-völkische Argumentationslinien sowie „klassische“ religiöse Stereotype. Hundt-Radowsky propagierte u. a. den Verkauf jüdischer Kinder als Sklaven an Engländer, um weitere jüdische Nachkommen zu verhindern, und zuletzt Ausrottung und Vertreibung aller Juden.

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Neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft

Mit der Zustimmung von Verlag und Autor dürfen wir Euch quasi exklusiv einen Auszug aus dem Arndt-Kapitel präsentieren. Die Auszüge bestätigen unsere Kritik: Arndt war ein Antisemit. Herrn Fasel geht in seinem Buch aber viel mehr in die Tiefe als wir dies hier auf unserer Website gehen können. Fasel weist in seinem Buch nach, wie stark Arndt den Frühnationalisten und der antisemitischen Ideologie der Nazis den Weg bereitete. Kein Wunder, dass Herr Fasel uns „viel Erfolg“ bei der Umbenennung der Universität wünscht…

Zur Übersichtlichkeit veröffentlichen wir hier nur einige Zitate. Den Auszug aus dem Kapitel, inklusive aller Zitat- und Quellenangaben, könnt ihr hier als als PDF-Dokument lesen. Das Buch kann bereits jetzt bei der Süddeutschen Zeitung vorbestellt werden.

  • „Arndts ganzes Leben ist so etwas wie Erwachen zum und Leben im Deutschtum“, lobt ihn Bartels (Ehrenmitglied der NSDAP). Seine Geschichtsanschauung sei „schon von Rassenerkenntnis getragen“, fest stehe Arndt „auf der Heimaterde und im rassischen Volkstum“. Er sei der Idealtypus des deutschen Volkstumspolitikers. „In seinem Geiste werden wir siegen.“
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  • Arndt […] propagiert den Glauben, „die Deutschen“ seien rassisch und sprachlich rein geblieben wie kein anderes europäisches Volk. Auf ihrer Urerde hätten sie über Jahrtausende hinweg das, in NS-Diktion, heilige Bluterbe Germaniens bewahrt. Die Überlegenheit der Deutschen beruhe neben der Reinheit ihres Blutes auf einer Ursprache, über die sie allein verfügten. Die Überhöhung der deutschen Nation sei Gottes Wille, der „allweltliche Judensinn“ des Kosmopolitismus (Anm. d. Red.: ~ Weltbürgertum) werde dagegen von Gott abgelehnt.
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  • photo_v_leni_riefental

    Arndts "Idealgermane" - hier verfilmt von Leni Riefenstahl ?

    Arndts Idealgermane ist der hochgewachsene, kampfgestählte blonde Krieger, der, voll treu-ergebener Einfalt und, wo immer nötig, des Hasses und der Brutalität fähig […]. Die Deutschen der Gegenwart hingegen seien verweichlicht, verwälscht, infiziert von Humanitätsduselei, zerstritten und zersplittert. […]
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  • Nach der Niederlage Frankreichs fordert Arndt die Erniedrigung, zeitweise militärische Besetzung und dauerhafte territoriale Amputation des Erzfeindes. In seiner Zeitschrift „Der Wächter“ propagiert er die Fortsetzung des Krieges und die Ausweitung des deutschen Herrschaftsgebietes. Nach Innen will er ein „heiliges Zensoramt“ einrichten „gegen alles, was in Sitte, Sprache, Art, und Gesinnung unteutsch ist.
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  • […] 1848/49 polemisiert er „gegen demokratisches Ungeziefer“, gegen „kosmopolitische Schelme von Juden und Franzosen“ und fordert, aufständische Demokraten wie „wilde gesetzlose Wölfe“ abzuknallen.
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  • Dem Germanisten Knauer zufolge ist Arndt „vielleicht der erste große Deutsche, der Rassebewußtsein hat“. Und ein anderer Nationalsozialist, Hermann Blome, nennt ihn den „ersten Vorkämpfer für eine rassenhygienische Kulturpolitik.“ Arndts 1803 veröffentlichtes „Germanien und Europa“ wird 1940 neu gedruckt, versehen mit einer Einleitung des Herausgebers Ernst Anrich.

Den ganzen Kapitel-Auszug hier lesen. In einem anderen Abschnitt geht Fasel auf Arndts Hass gegen Polen ein.

Tipp: Einen Artikel über dieses Thema hat Peter Fasel auch hier in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ veröffentlicht. Auch dort geht es neben Hundt-Radowsky um Ernst Moritz Arndt.

Update vom 6. Oktober nach dem Klick:

Herr Fasel hat uns zurecht auf folgendes hingewiesen. Er warnt davor:

„Antisemitismus und Rassismus gleichzusetzen bzw. Antisemitismus als bloße Unterkategorie des Rassismus einzuordnen. Das haut auch dann nicht hin, wenn die „Argumentation“, wie bei Hundt und auch bei Arndt, großteils eindeutig rassistisch ist. Erst recht vermag es nicht den neuen Antisemitismus zu erklären, der ja gutenteils „anti-rassistisch“ daherkommt. Die Nazis bzw. Rassisten sind danach die Israelis!“

Zur knappen Verdeutlichung hat uns Herr Fasel ein paar Zeilen angehängt, die aus der Einleitung seines Buches stammen:

„(Vgl. Rensmann, Kritische Theorie über den Antisemitismus, S. 195: ) Der Antisemitismus unterscheidet sich hauptsächlich durch die soziale Paranoia radikaler Antisemiten vom Rassismus. „Noch die wildesten Rassismen erreichen nicht die besondere Qualität der umfassenden antisemitischen »Weltanschauung«, die hinter allem, noch den krudesten Antagonismen, den Juden lauern sieht.“ Vgl. Rensmann, ebenda, S. 95: „Beim Antisemitismus können sowohl Intellektualität wie Trieblichkeit, Bedrohung wie schwaches Opfer, Macht wie Ohnmacht, Egoismus wie Solidarität, kollektive menschliche Regression wie individuelle Emanzipation, Kommunismus wie Kapitalismus, Zivilisation wie Zivilisationsfeindschaft, in ein höchst ambivalentes Vorurteilskonstrukt integriert werden.“ Die Subsumtion des Antisemitismus unter den Rassismus (vgl. Geiss, Geschichte des Rassismus) ist problematisch. Heute treten manche Antisemiten mit dezidiert anti-rassistischem Gestus auf.“

Nach diesem Hinweis haben wir einige Stellen unserer Einleitung überarbeitet. Dank für die Korrektur!

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7 Antworten auf “Aktuelle Forschung: Arndt stand fest „im rassischen Volkstum“

  1. OliverT

    Schöner Artikel. Nur die Werbung für den SZ-Shop hättet ihr euch sparen können! 😉 Und ja, das Foto ist aus Leni Riefenstahls "Olympia", ich weiß nur nicht ob aus "Fest der Völker" oder "Fest der Schönheit".

    1. Sebastian Jabbusch

      Ich finde das Foto auch nicht so optimal. Aber ich brauchte irgend ein Foto, da das Buchcover noch nicht öffentlich ist…

      Den Link zum Buchshop hab ich freiwillig eingebaut. Ich hoffe doch, dass sich jetzt gaaanz viele Leute das Buch kaufen gehen! 🙂

  2. P. Urger

    Sehr geehrte Gegner,

    versucht doch mal den evangelischen Theologen E.M. Armdt zu verstehen – dabei könnte die Abhandlung eines Dr. Martin Luther helfen. "Von den Juden und ihren Lügen" – erstmals gedruckt MDXLIII (1543) durch Hans Lufft zu Wittenberg. Luther betrachet in verständlicher Form weltanschauliche Unterschiede zwischen Christen und Juden, die noch heute bestehen. Als pdf nur 18 Seiten (etwa 110 kB), die ich auf Anforderung gern zusende.

    Ich schätze E.M. Arndt, und noch mehr den Reformator Dr. Martin Luther, der sich schon früh gegen den Unfehlbarkeitsanspruch des Papstes wandte, und dafür sorgte, dass in der Kirche statt auf Latein in der Muttersprache gepredigt wurde.

    Kommt als nächstes vielleicht ein Volksbegehren, die evangelisch-lutherischen Kirchen umzubennenen, nur weil der Reformator das Judentum auf seine Art beschrieben hat? Oder eine Umbenennung aller Luther-Straßen aus ähnlichen Gründen?

    Tradition bedeutet nicht, Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiter zu geben. In diesem Sinne fleißig weiter studieren, den Horizont erweitern und Sachthemen anpacken !

    Luther wettert laut und deutlich gegen Lügen, Raffgier, Wucher und Gewinnstreben ohne Einsatz und Anstrengung. Und nur wenige weredn wissen, dass der Wirkungsbereich der Juden seit dem 13. Jahrhundert auf den Kleinhandel mit Vieh und Getreide sowie Geldwechsel beschränkt war.

    Schon Moses schreibt im Alten Testament, dass, wenn eine Stadt Abgötterei triebe, man sie mit Feuer ganz zerstören und nichts davon übrig lassen sollte. Also auch das Alte Testament verbieten?? Das Gesetz des Mose "Auge um Auge, Zahn um Zahn" gilt bei den Juden noch heute. Christus hat zu der Zeit, als er auf der Erde lebte, "Liebe Deinen Nächsten" gelehrt, es ist im Neuen Testament viel von Versöhnung die Rede. Das wird gern übersehen.

    Ich werde Christ bleiben, meinen Gott verehren, wie ich es für richtig halte, und anderen gestatten, dass zu verehren, was sie für richtig halten. Das ist wirkliche Toleranz. Christus war der beste Lehrer – er wirkte durch Beispiel, und verlangte nichts, was er nicht selbst gezeigt hat. Davon bin ich – trotz meiner Bemühungen – manchmal weit entfernt.

    Um Luther, Arndt und all die anderen richtig zu verstehen, müssen wir das Wissen ihrer Zeit einschätzen können. Da mein Wissen nur ein Staubkorn im Universum der Geschichte umfasst, sollte der Name der Universität bestehen bleiben. Wer nach mittelalterlichem Vorbild Bilder- oder Maschinenstürmer sein will, mag sich austoben – aber meine Unterstützung kann ein solcher Kampf nicht finden.

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Sehr geehrter Herr Urger,

      Ihre Argumentation ist nicht sehr überzeugend und wurde von uns bereits mehrfach wiederlegt. Hier unsere Antwort auf Ihr Luther-Argument:

      „Waren andere Persönlichkeiten wie z.B. Luther oder Goethe nicht auch durch schlimme Kommentare über Juden aufgefallen?

      Ja – auch Luther (mehr) und Goethe (weniger) haben hier und da gegen die Juden gewettert. Dies ist aber nicht mit den 40 Jahren aktiver Verbreitung von Rassen- und Volkshass und Antisemitismus von Arndt vergleichbar. Die Vorurteile von Goethe und Luther beruhten auf dem – ebenfalls verurteilswürdigen – Antijudaismus. Arndt hingegen vertrat bereits den biologisch-begründeten Rassismus, auf dem die Nazis später ihre fanatische Ideologie aufbauen. Sein Volkshass gegen die Franzosen zieht sich durch fast alle Werke. Ein Vergleich mit Goethe ist unangemessen!“

      „Trotzdem – auch andere Namensgeber waren judenfeindlich…

      Wenn Dich unsere Worte nicht überzeugen, möchten wir Professor Dr. Thomas Stamm-Kuhlmann (Professor für Neuere Geschichte an der Universität Greifswald) zitieren. Er schrieb anno 2001 in Bezug auf die Diskussion mit Arndt:

      “Man hat gesagt, Judenfeindschaft sei ein bedauerlicher Zug, der aber auch bei anderen vorkomme, Martin Luther zum Beispiel. Man stelle sich nun vor, man könnte von Luther den Judenhass und den Hexenglauben abziehen: Dann bliebe immer noch die Reformation, die auch von Nichtprotestanten als ein Meilenstein auf dem Weg zur Gewissensfreiheit gesehen werden kann. Was aber bleibt von Arndt, wenn wir den integralen Nationalismus abziehen? Es bleiben Märchen, Kirchenlieder und eine Schrift gegen die Leibeigenschaft, die einen keineswegs orginellen Teil des allgemeinen europäische Diskurses über die Agrarreform darstellt. Würde das irgendwen zu einer Namensgebung einer Universität veranlassen […]?”“

      „Müsst ihr denn nicht auch Straßen und Schulen umbenennen? Wollt ihr Arndt auslöschen?

      Nein – es nicht uns nicht darum irgendwelche Straßen oder Schulen umzubenennen. Es geht uns nur um die Universität, die als Ort des Wissens, der Aufklärung, der Weltoffenheit und des Humanismus, aber auch mit ihren internationalen Kontakten nach Frankreich, Israel und die USA eine besondere Rolle hat. Wir wollen auch nicht Arndt oder die Erinnerung an ihn “auslöschen”, wie uns immer wieder unterstellt wird. Im Gegenteil: Wir glauben, dass unsere Debatte Arndt wieder in die Öffenlichkeit bringt.

      Arndt ist von regionaler Bedeutung. Deshalb können unserer Meinung nach auch weiterhin Plätze und Straßen seinen Namen zu tragen. Auch Arndt hatte eine Rolle in der Geschichte und niemand will ihm diese Rolle absprechen. Die Namensgebung für eine Universität muss jedoch anders begründet werden. Nämlich über die Vorbildfunktion: Was kann uns der Namenspatron heute sagen. Was sollen wir von Arndt lernen? Wofür steht Arndt? Wieso ehren wir ihn mit einer Universität? Diese Frage ist bis heute nie beantwortet worden…“

    2. Sebastian Jabbusch

      Ja – auch Luther (mehr) und Goethe (sehr wenig) haben hier und da gegen die Juden gewettert. Dies ist aber nicht mit den 40 Jahren aktiver Verbreitung von Rassen- und Volkshass und Antisemitismus von Arndt vergleichbar. Außerdem: Die Vorurteile von Goethe und Luther beruhten auf dem – ebenfalls verurteilswürdigen – Antijudaismus. Arndt hingegen vertrat bereits den biologisch-begründeten Rassismus, auf dem die Nazis später ihre fanatische Ideologie aufbauen. Sein Volkshass gegen die Franzosen zieht sich durch fast alle Werke. Ein Vergleich mit Goethe ist unangemessen! Gerade Goethe fiel wie die gesamte Weimarer Klassik dadurch auf, dass sie sich für die Gleichheit aller Menschen eingesetzt hat.

      Luther & Goethe stehen zudem für ein großartiges Lebenswerk. Arndts Hauptwerk waren eben seine politischen Schriften. Genau dort aber finden wir all den Fremdenhass, den Antisemitismus und Rassismus. Genau für diese “politischen” Schriften wurde Arndt ja durch die Nazis geehrt. Während bei Luther und Goethe sich der Antisemitismus nur vereinzelt und am Rande findet, steht Arndts Fremdenhass im Zentrum seines Werkes. Es ist ihr Kern.

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      Wenn Dich unsere Worte nicht überzeugen, möchten wir Professor Dr. Thomas Stamm-Kuhlmann (Professor für Neuere Geschichte an der Universität Greifswald) zitieren. Er schrieb anno 2001 in Bezug auf die Diskussion mit Arndt:

      “Man hat gesagt, Judenfeindschaft sei ein bedauerlicher Zug, der aber auch bei anderen vorkomme, Martin Luther zum Beispiel. Man stelle sich nun vor, man könnte von Luther den Judenhass und den Hexenglauben abziehen: Dann bliebe immer noch die Reformation, die auch von Nichtprotestanten als ein Meilenstein auf dem Weg zur Gewissensfreiheit gesehen werden kann. Was aber bleibt von Arndt, wenn wir den integralen Nationalismus abziehen? Es bleiben Märchen, Kirchenlieder und eine Schrift gegen die Leibeigenschaft, die einen keineswegs orginellen Teil des allgemeinen europäische Diskurses über die Agrarreform darstellt. Würde das irgendwen zu einer Namensgebung einer Universität veranlassen […]?”

  3. Korinthenkackerei

    Bevor euch irgendein Arndt-Befürworter darauf hinweist: Es muss heißen "Einen Artikel über dieses Thema hat Peter Fasel auch (…) veröffentlicht". 😉

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