Wie die rechtsextreme Szene Arndt verteidigt…

Wir hatten vor kurzem schon einmal erwähnt, dass sich immer mehr Internetseiten und Magazine aus der rechtsextremen Szene sich im „Kampf gegen die bösen Arndt-Gegner“ mit der Universitätsleitung solidarisieren. Den Begriff „Rechtsextremismus“ verstehen wir – wie Wikipedia – als Sammelbezeichnung, um faschistische, neonazistische oder ultra-nationalistische politische Ideologien und Aktivitäten zu beschreiben. Deren gemeinsamer Kern ist die Orientierung an der ethnischen Zugehörigkeit, die Infragestellung der rechtlichen Gleichheit der Menschen sowie ein antipluralistisches / undemokratisches und autoritär geprägtes Gesellschaftsverständnis.

In der Arndt-Debatte sind folgende Blogs und Magazine aufgefallen:

  • Der antisemitische Blog „Fakten – Fiktionen“, der auch eine Rubrik über das Versailler Diktat hat, hetzt gegen den Artikel über die Arndt-Debatte in „DIE ZEIT“. Die Wochezeitung gehöre demnach der „Hamburger Systempresse“ an.  Der Redakteur sei ein „politkorrekter Schmierer aus dem rotgrün versifften Feuilleton“…
  • die-aula

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    Auch die aus Österreich stammende, u.a. in Deutschland in Burschenschaften und rechtsextremen Kreisen verbreitete rechtspopulistische Zeitung „Die Aula“, schrieb über die Arndt Debatte. Die engagierten Studenten werden hier als „Bilderstürmer“ , „linke Studentenfunktionäre“ und als „Einpeitscher einer antideutschen Agitation“ diffamiert. Schon die Diskussion über Arndt bezeichnet der Autor als ein „Kesseltreiben“ – also eine Treibjagd. Autor des Artikels ist Thorsten Thomsen, welcher 2001 Landesvorsitzender der „Deutschen Partei“ war, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Zuvor war Thomsen Vorsitzender der noch kleineren, rechtspopulistischen Partei „Bund freier Bürge – Offensive für Deutschland „. Artikel von Thorsten Thomsen tauchen auch in der, ebenfalls vom Verfassungsschutz hier als „rechtsextrem“ eingestuften, „National-Zeitung“ auf.

    (Alle weiteren rechtsextremen Medien nach dem Klick)

  • Der rechtsextreme Blog Altermedia veröffentlichte bereits ganze fünf „News“ zur Arndt-Debatte. Immer wieder greift der Autor die Studenteninitiative dabei direkt an. Die Studenten werden als „akademische Pöbel“, „Pseudoakademiker“ und als „Witzfiguren“ bezeichnet. Unsere Äußerungen bewiesen „die geistige Hohlheit solcher Köpfe“. Am liebsten würde der Autor „den größten Knüppel den man finden kann“ nehmen, um die Studenten „so windelweich zu prügeln, daß sie sich entweder dorthin scheren, wo sie hergekommen sind, oder aber sich auf ihre eigentlichen Studienaufgaben besinnen, statt sich um Dinge zu kümmern, von denen sie eh nichts verstehen.
  • Bereits zu Beginn der Arndt-Debatte erschien in der Ostsee-Zeitung (wir berichteten) der Leserbrief des ehemaligen NPD-Kreisvorsitzenden Rüdiger Klasen. Klasen war im Juli 1992 maßgeblich an einem versuchten Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim bei Boizenburg beteiligt und wurde dafür vor Gericht verurteilt. In seinem als „Offenen Brief“ bezeichneten Text, bezeichnet er die Studenten als „ungebildet“, „linksextremistisch“, sowie „platt-voreingenommen“.
  • Erneut meldete sich die NPD mit dem halbjährlich erscheinenden, rechtsextremen Flugblatt der „Greifswalder Bote„. Dort wirf man uns „Borniertheit“ und „Gesinnungsterror“ vor, bezeichnet uns als „Scharlatane“, „Schmutzfinken“ und „Hetzer“. Am Ende droht man mit „ein paar kräftigen Backfeigen“
  • Nachdem sich die NPD schon mehrfach in Stellung gebracht hat, darf die DVU nicht fehlen. Die erst kürzlich gegründete DVU-Jugendorganisation  „Junge Rechte“ hält die Arndt-Debatte für eine „Posse“. Die jungen DVU-ler ersparen sich immerhin die sonst üblichen Beleidungen und fordern ‚lediglich‘ einen „unverkrampften“ Umgang mit der Geschichte. Ob dies nur Arndt oder auch das Dritte Reich meint, würden wir gerne wissen.
  • Auch auf dem Greifswalder Studentenportal webMoritz.de finden sich in den Kommentare extremistische Äußerungen. Zahlreiche werden anonym gepostet. Ein gewisser „Hurtz“ gab jedoch offen zu, Mitglied einer der zwei Greifswalder Burschenschaft zu sein. Der AStA Greifswald zählt die zwei Greifswalder Burschenschaften Rugia und Markomannia  zum  rechtsextremen Spektrum (Details hier). – Inhalt der Äußerungen sind alle Arten von persönlichen Diffamierungen.
  • Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ – das Schanierblatt zwischen der „Neuen Rechten“ und der Rechtsextremen Szene – veröffentlichte ebenfalls einen Artikel. Ein Sprecher der Initiative wird dort als „Jungsozialist“ bezeichnet, obwohl dieser kein Mitglied einer Partei ist.

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  • pommerische-zeitung-(1)Eindeutig nicht extremistisch, sondern national-konserativ schätzen wir die „Pommerische Zeitung“ ein. Sie wird vom Vertriebenenverband „Pommersche Landsmannschaft“ herausgegeben.  Die Zeitung, die sich schon 2001 für die Beibehaltung des Names aussprach, titelte diesmal  in ungebürlicher Weise „Triumpf der Fledderei“. Sie unterstellt den Arndt-Kritikern damit an Arndt eine Art Leichen-Fledderei zu betreiben. Ein bestimmter Professor (Name wird in der Zeitung genannt) an der Universität Greifswald sei an der Debatte „Schuld“, indem er seine Studenten zu der Initaitve angestiftet habe. Der Professor sei ein „Besserwessi“, der im Westen im „Beförderungsstau“ gesteckt habe.  Wir ersparen uns diese Vorwürfe zu kommentieren!
    Amüsant finden wir auch die Vorwürfe gegenüber die Iniative: Das öffentliche Vorlesen der Arndt-Texte sei einem „Schauprozess“ oder einem „Tribunal“ gleichgekommen… Das sollte man mal Leuten an der Goethe-Universität erzählen! Lest bloß nicht von Goethe vor – das wäre ein Schauprozess! Uns fällt da nicht viel mehr ein als: Verrückt!

Fazit:

Das waren jetzt alle uns bekannten / erinnerten Veröffentlichungen aus der rechtsextremen Szene. Angesichts dieser Flut wiederholen wir unsere dringenden Appell an die Universitätsleitung:

Sie sollte Ende die Zügel in die Hand nehmen und den Umbenennungsprozess selbst voranbringen. Wie lange will Sie sich noch mit diesen (hoffentlich) falschen Freunden umgeben?

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9 Antworten auf “Wie die rechtsextreme Szene Arndt verteidigt…

  1. Nik

    So mal wieder ein Versuch mit einem Kommentar durchzukommen:

    Die Rechten sind für Arndt, war ja klar, passt ihnen ja auch gut ins Konzept, genau wie "Großer Lauschangriff " und Kraftwerksbau in Lubmin…..(ersteres siehe Greifswalder Bote Seite 2)
    Sind nun etwas alle Piraten und Kraftwerksgegner Nazis? Nein.
    Also was sollen diese ständigen Querverweise auf die Rechte Szene? Diffamierung des Pro-Arndt-Lagers?
    Man kann es sich eben nicht immer aussuchen wer mit einem auf einer Seite steht.

    Denkt mal drüber nach.

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Nicht jeder der Arndt verteidigt ist ein Nazi. Das haben wir nicht gesagt und werden auch in Zukunft nicht sagen.
      Allerdings müssen sich die Arndt-Befürworter einmal mehr erklären, warum sich so viele Neonazis für Arndt aussprechen.
      Die Arndt-Befürworter sagen, dass unsere Zitate „alle“ aus dem Zusammenhang gerissen sind. Arndt sei „in Wirklichkeit“ gar kein Antisemit, sondern ein Demokrat.

      Angesichts der großen Fangemeinde in der rechtsextremen Szene erwarten wir dafür endlich mal Belege anhand von Arndts Werk. Andernfalls sind wir genötigt – so wie die Rechtsextremen – anzunehmen, dass Arndt in Wirklichkeit vor allem ein völkischer Nationalist war…

  2. Nik

    Mir geht es nicht um die "Bösen Zitate" oder ähnliches, da sind die Meinungen eh zu verschieden als das man da auf einen Grünen Diskusionszweig kommen kann.
    Mir geht es eher darum das ihr der Uni-Leitung und anderen die Pro-Arndt sind vorwerft die Rechten würde sich mit ihnen solidarisieren (Als hätte man sich das so ausgesucht) Man kann es uns nicht vorwerfen, genausowenig wie man es den Kraftwerksgegnern vorwerfen kann dass sich die Rechten gegen das Kraftwerk aussprechen oder der Piraten-Partei dass die Rechten gegen die Stasi2.0 wettern.
    Würden die Rechten auf eurer Seite stehen (egal erstmal um was es geht) würdet ihr dann so ein Drama daraus machen? Sicher nicht!
    Naja ich freu mich schon auf die Urabstimmung, da werden euch die versammelten Nazis dieser Uni mal zeigen was sie von eurer tollen Idee halten! (Achtung im letzen Satz ist Ironie versteckt, wer sie findet darf sie behalten!) 😀

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Wir werfen auch nicht der Uni-Leitung vor, dass sich die Rechtsextremen mit Ihnen solidarisieren.
      Wir stellen nur die Frage auf, ob man den Rechtsextremen nicht langsam mal den Anlass nehmen sollte, solche Solidarität mit dem Uninamenspatron zu zeigen.

      Welche Universität hat es schon gerne, dass Neonazis sagen: Hey Leute – Euren Namen finden wir geil! Fändest Du das gut?

    2. Peter Madjarov

      Das ist mal wieder typisch: Ein Vorwurf, auch wenn er noch so falsch ist, wird so oft wiederholt, bis man denkt, er sei war oder es sei zumindest etwas dran. Nochmals: WIR HABEN KEINEM DEMOKRATISCHEN ARNDT-BEFÜRWORTER VORGEWORFEN, DASS SICH RECHTSEXTREME MIT IHM SOLIDARISIEREN!
      Deine Argumentationsweise kenne ich sonst vor allem aus amerikanischen Wahlkämpfen.

  3. Nik

    Naja wir drehen uns im Kreis, meine eigentliche Antwort (die ich nun nicht geschrieben habe) würde nur wieder eine Antwort eurerseits erfordern die ich dann wieder kommentieren müßte, insofern lass ich die Sache erstmal auf sich beruhen.
    Die Urabstimmung wird zeigen ob die Studierendenschaft solche Ideen für wichtig hält.

    1. Ohne_Arndt_Team Autor

      Wie Du magst…

      Zur Urabstimmung: Die eigentliche Meinungskundgabe hat ja schon stattgefunden. Bei der Vollversammlung im Juni haben über 1200 Studenten gegen Arndt gestimmt. Die Urabstimmung soll das nur noch mal bestätigen. Wir rechnen trotz strammen Gegenwind von der nationalen Seite mit einem klarem Votum gegen Arndt von 60 % + x bei einer Wahlbeteiligung von 20 % + x.

  4. Nik

    Also rechnet ihr rund mit 1500 Stimmen von rund 12000 Studenten, dass kann man beim besten Willen nicht als Mehrheit bezeichnen!
    Naja die Welt ist eine Scheindemokratie….

    1. Uni-ohne-Arndt Team Autor

      Wer Urabstimmungen (die nichts anderes sind als eine Uni-Volksentscheid) als „Scheindemokratie“ bezeichnet, hat nicht verstanden, was Demokratie ist… Es lässt aber durchblicken von welchem politischem Ufer Du kommst, und was Du generell von der Demokratie hälst…

      Arndt hat übrigens ganz ähnlich wie Du über diese „pöbeldemokratie“ gedacht. Dass jeder Mensch das gleiche Wahlrecht hat, gefiel Arndt genausowenig wie offenbar Dir…

      Trotzdem wird sich das Uni ohne Arndt Team auch weiterhin für die Demokratie einsetzen. Wir lassen uns von Leuten wie Dir keine Angst einjagen…

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