Kaum Arndt-Kritiker in der Senatskommission

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Senat der Universität Greifswald

Heute wurde das Personal für die Kommission, die sich mit der möglichen Ablegung des Namenspatrons Ernst Moritz Arndt beschäftigen soll, bestimmt. Folgende Mitglieder sind nun gewählt worden:

  • Prof. Werner Stegmaier
  • Prof. Hannelore Weber
  • Prof. Reinhard Bach
  • Prof. Kyra Inachin
  • Prof. Walter Baumgartner
  • PD Dr. Mariacarla Gadebusch Bondio
  • Dr. Dirk Alvermann
  • Dr. Irmfried Garbe
  • Student Thomas Schattschneider
  • Student Korbinian Geiger

Die Initiative bewertet diese Kommission mit gemischten Gefühlen. Zwar ist es anzuerkennen, dass der Senat der Universität nun erstmals  seit 1933 kritisch seinen Namen hinterfragt, die Besetzung ist jedoch fraglich. Mit Garbe, Bach und Alvermann wurden drei bekennende und teils stark polemisierende (siehe hier oder hier) Arndt-Befürworter in die Kommission gewählt.

Gleichzeitig wurden renommierte Geschichtswissenschaftler des Historischen Instituts unserer Universität nicht in die Kommission gewählt. Ob es wohl daran liegt, dass sich beide Professoren öffentlich „kritisch“ zu Arndt geäußert  hatten? Ein Schelm der böses dabei denkt!

Entscheidend wird also sein, wie stark sich anderen – bisher noch überwiegend neutralen – Kommissionsmitglieder durch die drei Arndt-Befürworter beeinflussen lassen. Wir bieten in jedem Fall der Kommission unsere Zuarbeit und Kooperation an.

(Der Text wurde nach der Schnellmeldung aus der Sitzung am selben Tag um 19.45 Uhr überarbeitet und u.a. mit einem Foto ergänzt.)

Foto (CC): Gabriel Kords via webMoritz

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8 Antworten auf “Kaum Arndt-Kritiker in der Senatskommission

  1. David Noack

    Die Wahl von Bach und Garbe verheißt nichts gutes für die Objektivität. Wo sind die Historiker, die sich eine wissenschaftliche Debatte gewünscht haben?

    Zu den studentischen Vertretern: Hat sich kein der Initiative wohlgesinnter Student zur Wahl gestellt? Oder hatte/hätte der keine Chance gehabt?

    1. Sebastian Jabbusch

      Ich hatte mich bewußt nicht aufgestellt, da ich für eine "neutrale" Kommission war. Hätte ich von vornherein gewußt, dass eine "so" einseitige Kommission zustande kommen könnte, hätte ich mich wohl auch aufgestellt.

      Ich würde Korbinian – ja trotz seiner RCDS Mitgliedschaft und auch obwohl er auf der Vollversammlung für die Beibehaltung des Namens gestimmt hat – und Thomas Schattschneider – ja trotz seines jahrelangen Widerstands gegen jede Arndtdebatte – allerdings bisher als unentschieden betrachten.

      Beide waren und sind evt. seit langem gegen eine Arndt-Debatte gewesen. Trotzdem glaube ich, dass wir beide evt. durchaus überzeugen könnten. Ich halte beide für Studenten, die durchaus in Sachfragen zugänglich sind.

      Man hätte aber darauf achten können, auch einen "nicht-konservativen" Studenten in die Kommission zu wählen. Das stimmt…

      Fazit: Die Kommission ist sehr einseitig besetzt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!

    2. Paul Dederer

      Hi,

      ich finde es schade, dass wenige Arndt Gegner (Studenten oder Akademiker) in der Kommission sind. Es scheint mir eine Mischung aus Pros und Neutralen zu sein. Leider kenne ich nicht alle Mitglieder so genau.

      Es haben sich aber scheinbar wenige Befürworter dazu bereit erklärt in dieser Kommission mitzumachen oder sie waren nicht erreichbar um gefragt zu werden.

      Sebastian oder andere aus der Initiative hätten sich auch zum Mitmachen aufstellen lasssen können.

      Sie hätten auch eine durchaus realistische Chance gehabt da rein gewählt zu werden. Man darf eigentlich gar nicht von Chance reden, weil die Mitarbeit in der Kommission keine besonderen Kriterien hatte und es mehr als "Kommission der Willigen" bezeichnet werden kann.

      Gruß

      Paul

      1. Sebastian Jabbusch

        Danke !

        Ich denke die Initiative wird einfach zur nächsten Sitzung noch einige Kandidaten (vor allem Prof. Stamm-Kuhlmann, Buchholz, und ein oder zwei kritische Studenten) nachnominieren…

        Die jetzige Kommission wäre wohl oder übel sehr einseitig.

  2. Paul Dederer

    Noch ein paar Worte zum besseren Verständnis.

    Ich finde die Kommission insgesamt gar nicht verkehrt besetzt. Die Gespräche werde sicherlich nicht einseitig laufen, denn dazu traue ich so vielen Akademikern bzw. angehenden eine ausgewogenen Meinungsaustausch zu.

    Da in der Kommission einige Mitglieder sind, die eindeutig Pro Arndt sind, wäre es nicht schlecht gewesen, wenn man noch mehr von der anderen Seite ins Boot geholt hätte.

    Vielleicht gibt es ja auch schon genug eindeutige Arndt Kritiker in der Kommission (wie gesagt, kenne ich nicht alle genau).

    Wenn Sebastian (und die Initiative?) wie er schreibt, diese Kommission so einseitig besetzt sehen, dann frage ich mich, warum denn nicht genügend Arndt Kritiker dazu vorgeschlagen, befragt usw. wurden?

    Die studentischen Senatoren haben ganz nüchtern Leute vorgeschlagen, es gab für die Leute eine Mehrheit und in der Senatssitzung haben dann auch noch Professoren weitere Vorschläge gemacht und so wurde die Kommission erweitert und am Ende abgestimmt.

    Hinter der Zusammensetzung steckt also keine Verschwörung oder geheime Absprache. Es war eine offene
    und nüchterne Zusammensetzung bzw Wahl.

    Sebastian hat die meisten Nominierung aber schon gekannt und war also nicht so überrascht, wie er oben schreibt. "Hätte ich gewußt, dass ….."

    –> Man hätte aber darauf achten können, auch einen "nicht-konservativen" Studenten in die Kommission zu wählen. Das stimmt… <– ???

    Thomas ist doch eine "NICHT-konservativer" Student, oder hat er eine 180 Grad Wendung gemacht von der nur du Bescheid weißt?

    Gruß

    Paul

    1. Sebastian Jabbusch

      Hallo Paul,

      nur ein paar Anmerkungen:

      a) Sicher ist es gut, dass auch Arndt-Befürworter in der Kommission sind. Sonst wäre es ja gar nicht spannend und es gäbe gar keine Debatte. Im Gegenteil: Wir alle wollen uns mit ihren Argumenten – soweit vorhanden – beschäftigen. Allerdings ist mir unklar, warum renommierte Geschichtswissenschaftler wie Buchholz und Stamm-Kuhlmann gleichzeitig fehlen. Nur weil sie Arndt kritisch sehen?

      b) Sicher gibt es auch jetzt schon Arndt-Kritiker in der Kommission. Allerdings ist es das eine, wenn wir Leute dabei haben, die sich fachlich mit Arndt auskennen, oder nur Leute, die "emotional" gegen Arndt sind. Mir fehlen leider diese historisch kompetenten Fachleute in der Kommission völlig. (Übrigens ist das kein Angriff auf Prof. Inachin!! Sie ist bestimmt eine gute Historikerin. Allerdings hat sich z.B. Prof. Buchholz mehr als 15 Jahre mit Arndt beschäftigt. Und Prof. Stamm-Kuhlmann ebenfalls etliche Zeit mit ihm verbracht. Ich weiß einfach leider nicht, ob Frau Inachin Arndt gleichermaßen gut kennt…)

      c) Die Frage, warum sich die Initiative nicht für eine bessere Besetzung eingesetzt hat, will ich ganz ehrlich und selbstkritisch beantworten: Ich hab sicher auch den Fehler gemacht und mich nicht stark genug auf den Interessen der Initiative bestanden. So war ich z.B. von Anfang an bereit auch Arndt-Befürworter in die Kommission zuzulassen und wollten gleichzeitig nicht unbedingt "jeden" Arndt-Kritiker drin haben.

      Das lag u.a. daran, dass ich Thomas Schattschneider sehr viel Vertrauen geschenkt hatte, dass er für eine – zumindest ausgeglichene – Kommission sorgen würde. Allerdings verlief die Diskussion, wer in die Kommission kommt, sehr lange und ich habe immer mehr Zugeständnisse machen müssen (zumindest fühlte ich mich in den Verhandlungen dazu gezwungen). Spätestens in der Senatssitzung – als auch noch Arndt-Kritiker Prof. Stamm-Kuhlmann abgelehnt wurde – und stattdessen Arndt-Befürworter Dr. Garbe in die Kommission aufgenommen wurde, hat sich das – anfangs einigermaßen ausgewogene Verhältnis letztlich umgekehrt. Während der Sitzung wurde ich dann etwas überrollt und konnte nicht mehr schnell genug reagieren – da bin ich ganz ehrlich (und selbstkritisch). Ich fühlte mich aber auch von Thomas – der so wie ich recht genau weiß wer alles für und gegen Arndt ist – etwas allein gelassen… Zumindest im Moment habe ich sogar das Gefühl, dass er für Arndt ist. Wir werden uns morgen mit ihm zusammensetzen und versuchen das zu klären.

      – Insofern handelt es sich richtigerweise um keine "Geheimverschwörung" (hatte ich das irgendwo geschrieben?), sondern lediglich um einen extrem schlechten Kompromiss zu dem ich mich gezwungen fühlte. Ich habe erst im Nachhinein bzw. im Verlauf der Senatssitzung gemerkt "wie schlecht" der Kompromiss für uns geworden ist. Ich bin bin halt von Thomas insofern entäuscht, als das ich bisher dachte, er stände auf Seite der Initiative. Da hab ich mich wohl geirrt. Sonst hätte sicherlich an meiner Seite und nicht gegen mich gearbeitet. Daher bezeichne ich Thomas inzwischen als konservativ. Wer Thomas Arbeit im StuPa kennt, wird dem sicher zustimmen. Aber mir ist die Bezeichung eigentlich egal. Letztlich zählt, dass er den Beschluss von 1200 Studenten auf der Vollversammlung insofern nicht berücksichtigt hat, als das sich dies nicht in der Kommission widerspiegelt.

      – Gleichzeitig will ich aber nochmals betonen, dass es dabei letztlich nicht um Thomas oder gar Korbinian oder um irgend ein anderes Kommissionsmitglied geht. Jeder soll mitmachen können!! Allerdings sollten wir eben auch Arndt-Kritiker in die Kommission aufnehmen.

      == Ich denke wir werden deshalb in der nächsten Senatssitzung noch ein Mitglied aus unserer Initiative (nicht ich) und einen kritischen Geschichtsprofessor nach-nommienieren. Wir brauchen einfach den Sachverstand sowohl aus der Wissenschaft, als auch aus der Initiative auch in der Kommission.

      Genauso wie wir von der Initiative wollen, dass auch Arndt-Befürworter in der Kommission sind, sollten sich auch die Universität dafür Verständnis aufbringen, dass wir Arndt-Kritiker in der Kommission haben wollen, damit das Ganze einen guten Verlauf nimmt und das Ergebnis von uns und den Studenten auf der Straße auch angenommen wird. Sonst würde das ganze doch sehr nach "Manipulation" riechen.

      Und bei der ganzen Sache sollte doch das bessere Argument zählen und nicht mehr länger und stärker am Tischtuch zieht bei der Besetzung der Kommission?!

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