Quellen belegen: Arndt war „im Sinne des Führers“

Wie wurde eigentlich die Namensverleihung „Ernst Moritz Arndt“ 1933 begründet? Falls sie jetzt denken, dass das doch angesichts der Jahreszahl und Hermann Görings Unterschrift völlig klar ist, liegen Sie nicht ganz falsch. Aber die Historiker schauen lieber genau in die Quellen.

Das hat Prof. Werner Buchholz für die Amadeu Antonio Stiftung getan und uns eine Kopie geschickt. Herausgesucht hat Prof. Buchholz die Rede, die der damalige Rektor, Prof. Dr. Heinrich Laag, am 28. Juni 1933 anlässlich der Verleihung des Namens „Ernst Moritz Arndt“ hielt. Daraus der folgende Auszug:

„Noch lastet der Schandvertrag [=Frieden von Versailles 1919] auf un­se­rem deutschen Volke. Wir alle, liebe Kommilitonen, sind dazu berufen, die Fesseln zu spren­gen. Niemals wird das ein Volk erreichen, das nicht tief in der Heimat verwurzelt ist,… das glaubensmatt dem Alltag verfällt. Nur dann wird es dem deutschen Volke gelingen und uns an unserem bescheidenen Teil, wenn wir so denken, fühlen, handeln und glauben wie Ernst Moritz Arndt.

Nur wenn wir so denken, werden wir auch im Sinne des Führers unseres Volkes [Adolf Hitler] handeln, der es immer von neuem bezeugt hat, dass für den Aufstieg Deutschlands nicht in erster Linie Wirt­schaftsprogramme, Organisationsfragen und äußerliche Dinge entscheiden, sondern dass Deutschland nur dann einer besseren Zukunft entgegengeführt werden kann, wenn eine geis­ti­ge Erneuerung das Volk erfasst. Das, was Ernst Moritz Arndt gewollt hat, geht zum guten Teil in unseren Tagen in Erfüllung. Aus seinem Geist heraus lebt nicht zum wenigsten die Ge­gen­wart.

[Aus: Greifswalder Universitätsreden 37, Greifswald 1933, S. 10 f.]

Die Verleihungsurkunde des Namens trägt das Datum des 16. Mai 1933 und ist unterzeichnet von dem preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring, gleichzeitig preußischer Innenminister, sowie dem Kommissar für das preußische Kultusministerium, Bernhard Rust, als dem Leiter des zustän­di­gen Fachministeriums. Die Urkunde befindet sich im Universitätsarchiv Greifs­wald.

Spannend ist auch, wie der Namensvorschlag begründet wurde. Auch dieser Text spricht deutliche Worte…

Am 4. April 1933 hatte Prof. Dr. Walter Glawe „im Namen des Stahlhelm, B.(und) d.(er) F.(ront­kämpfer), und besonders im Namen der Stahlhelm-Hochschulgruppe unserer Universität“ [Stahlhelm = Bund der ehemaligen Frontkämpfer der konservativen DNVP, die mit der NSDAP eine Koalition bildete, mit dieser zusammen bei den Reichstagswahlen im März 1933 52% der Wählerstimmen errang und so die Fortsetzung Hitlers als Reichskanzler ermöglichte]  den Antrag gestellt, Rektor und Senat möchten, den preu­ßischen Kultusminister darum bitten, der Universität Greifswald den Namen Ernst Moritz Arndt zu verleihen. Man achte auf die kurze Zeit zwischen Antragstellung und Verleihung. Genauso spannend ist die Begründung Glawes:

In dieser Zeit des nationalen Erwachens ist die Erinnerung an den alten Greifswalder Stu­den­ten und Professor Ernst Moritz Arndt [der allerdings eigentlich vom schwedischen König Gustav IV. Adolf ernannt worden war, in dessen Diensten Arndt damals auch stand] besonders lebendig. Eure Mag­ni­fizenz haben grade in den Reden der letzten Wochen im­mer wieder auf die geschichtliche Be­deutung jenes führenden Patrioten hingewiesen. Unsere Uni­versität trägt, indem sie sich den Namen „Ernst Moritz Arndt-Universität“ beilegt, nicht nur ei­ne alte Dankesschuld ge­gen­über diesem Manne ab, sondern sie bringt auch weithin zum Aus­druck, dass sie in dem natio­nalen Kampf der Gegenwart in vorderster Front steht, ent­sprechend der von ihr auch in den letzten Jahren treu gewahrten alten nationalen Tradition.“

Unterzeichnet hat Glawe diesen Antrag als Kreisführer des konservativen Stahlhelm.

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Erneut bort sich beim Lesen all dieser Quellen die Frage: Können wir Arndt wirklich vertreten? Ist die Zeit des „nationalen Erwachens“ nicht seit 1945 verflogen? Steht Arndt noch immer „im Sinne des Führers“?

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