Der leichtsinnige Umgang der Ostsee-Zeitung mit Neonazis

8-8-09-unterstuetzung-vom-rechten-randEs ist schon erstaunlich, aber doch erhellend: Nach diesem Artikel aus der Ostsee-Zeitung (OZ) von heute ist der Greifswalder Bote nur ein „als rechtsextrem geltendes“ Blatt. In anderen Regionen hätte man geschrieben „das rechtsextreme Blatt“. Wozu die Relativierung? Heißt diese seltsame Formulierung im Umkehrschluss, dass der Greifswalder Bote in Wirklichkeit gar nicht rechtsextrem ist? Oder ist das für die OZ umstritten?

Weitere Auffälligkeiten im Artikel, nach dem Klick…

Für uns ist ebenfalls unverständlich:

  • Warum wiederholt der Artikel die Argumente der rechtsextremen Zeitung und führt sie damit einem wesendlich größeren Publikum zu? Zwar hatten auch wir den Artikel auf unserer Seite abgedruckt, doch auf unserer Seite befinden sich auch sämtliche Gegenargumente. Ein Hinweis  auf die Gegenargumente (z.B. die Adresse zu unserer Seite) fehlt jedoch in dem OZ-Artikel.
  • Warum werden diese Argumente – wenn sie schon zitiert werden müssen – nicht relativier oder als unwahr entlarvt? Lediglich die Marx-Zitate seien „diskriminierend“. Im Umkehrschluss scheinen alle anderen Argumente wahr oder „überhaupt“ Argumente zu sein?
  • Gerade der Vorwurf gegen eines der Mitglieder der Initiative erinnert an ein altes antisemitisches Vorurteil, welches besagt, dass die Juden selbst an Ihrer Verfolgung Schuld seien. Das die OZ hier hilft solche Vorurteile zu verbreiten ohne sich davon zu distanzieren, bestürzt uns zutiefst.
  • Auch die Überschrift des Artikels kann man positiv auslegen. „Unterstützung“ ist doch erst mal etwas sehr nettes… Und der Begriff „Rechter Rand“ ist eine sanfte Formulierung für „rechtsextreme Szene“ bzw. „Neonazis“
  • Warum hat der Artikel eigentlich keinen Autoren und keine Quellenangabe?

Gut hingegen ist der Hinweis auf den Artikel in der Zeitung „Die Aula“ aus Österreich, den wir noch nicht kannten. Bitter ist jedoch: Diese Zeitung wird von dem Redakteur mit gar keinem Adjektiv mehr versehen, dabei ist diese Zeitung nachweislich „rechtsextrem“. Drei Quellen dafür:

  • Reinhold Gaertner: Die ordentlichen Rechten. Die ‚Aula‘, die Freiheitlichen und der Rechtsextremismus. Wien: Pictus Verlag 1996
  • Artikel des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands
  • Reinhold Gärtner: Die Aula, in: Stiftung Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Wien 1994, S. 278-296

Zitat:

„Unter dem maßgeblichen Einfluss des deutschen Rechtsextremisten Jürgen Schwab beschränkte sich die Aula in Themen- und Autorenauswahl mehr und mehr auf die engere rechtsextreme Szene (mit Schwerpunkt BRD). Neben deutlichen Sympathiebekundungen für rechtsextreme Parteien steht die Aula diesen heute auch unmittelbar offen. So wurde 1998 dem Bundesvorsitzenden der NPD, Udo Voigt, Raum zur Darstellung seines „Deutschen Sozialismus“ geboten.“

Unwissen kann bei der Ostsee-Zeitung in diesem Fall ausgeschlossen werden. All diese Quellen sind ohne aufwendige Recherche direkt über Wikipedia abrufbar.

Wir wollen bei all dem der Ostsee-Zeitung Greifswald keine Absicht unterstellen. Aber es bleibt dabei, dass die OZ weiterhin sehr unsensibel, aus unserer Sicht geradezu leichtsinnig, mit dem Thema Rechtsextremismus umgeht (Ein anderes Beispiel hier).

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