Erfolg: Senat stimmt eine Namensprüfung zu!

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Der Senat tagt

Fast unglaublich: Der Senat hat heute einer Kommission zugestimmt, welche den Namenspatron der Universität überprüfen soll. Ein großer Erfolg für die Vollversammlung! Mit 22 Ja-Stimmen, einer Nein Stimme und etlichen Enthaltungen.

Zwar ist damit der Namen noch nicht abgelegt. Aber es ist ein weiterer Schritt genommen! *ein schöner tag*

Hier könnt ihr Euch den Senatsbeschluss herunterladen. Hinter dem Klick findet ihr unsere ganze Pressemitteilung.

Ein großer Schritt zur Umbenennung – historische Debatte im Senat

Schon dass die Debatte zustande kam, war ein historischer Erfolg! Obwohl „DIE ZEIT“ anno 1998 mit einem Artikel über den „fatalen Namenspatron Ernst Moritz Arndt“ die Diskussion eingeleitet hatte, bedurfte es über 10 Jahre, bis dieses Thema das höchste Gremium der Universität, den Senat, erreichte.

Dabei hatten schon 2001 sieben Professoren in einem wissenschaftlichen Kolloquium Arndt als für die Universität nicht haltbar erklärt. Doch erst nachdem in diesem Sommer über 1200 Studenten die Abschaffung des Namens forderten, erreichte das Thema nun den Senat.

Gestern beschloss dieser – quasi als Vorbereitung für eine mögliche Umbenennung – eine Kommission zur Prüfung der Außenwirkung des Namenspatrons einzusetzen. Der Name wurde der Universität 1933 von Herman Göring verliehen. Der Patron ist wegen seinen völkisch-nationalen, antisemitischen und rassistischen Äußerungen bereits seit Jahren in der Diskussion.

Der öffentliche Druck entstand durch mehrere Aktionen. Alles begann als einige Studenten „laut und öffentlich“ aus Arndts  rassistischen und antisemitischen Originaltexten vorlasen. Ein Student hatte sich dazu sogar als Ernst Moritz Arndt kostümiert. Passanten hatten daraufhin die Polizei wegen „öffentlicher Volksverhetzung“ gerufen. Die Polizei unterband daraufhin die Aktion.

Zwei Tage später – am 17. Juni 2009 – sprach sich dann die mit 1300 Studenten bisher zahlenmäßig größte Vollversammlung der Universität mit einer überdeutlichen Mehrheit gegen Arndt aus. Dem Beschluss der Vollversammlung ist das Studierendenparlament bereits gefolgt, indem es den Namen „Ernst Moritz Arndt“ innerhalb seines Geltungsbereiches (StuPa / AStA) abgelegt hat.

Sieben studentische Senatoren haben daraufhin im Senat den Antrag auf Einführung einer Kommission gefordert. Sie soll nun im Hinblick auf die für Januar 2010 geplant Urabstimmung alle für den Senat relevanten Informationen zu Arndts Außenwirkungen zusammenstellen. Mit der Urabstimmung (ähnlich wie ein Volksentscheid), bei der alle 12.000 Studenten der Universität stimmberechtigt sind, will die Initiative den öffentlichen Druck auf den Senat noch einmal deutlich erhöhen. Sie sammelt dazu gerade die nötigen Unterschriften unter den Studenten.

Auf der gestrigen Senatssitzung gab es jedoch zur Überraschung der Initiativgruppe, die sich für die Umbenennung einsetzt, schon jetzt ein überraschend positives Klima für eine Umbenennung. Mehrere Senatsmitglieder – auch aus den Reihen der Professoren – stellten klar, dass für sie die Arndtablehnung eigentlich klar ist. Der Name sei „offensichtlich untragbar“, so Prof. Dr. Hannelore Weber, „allein schon wegen der alle Jahre wiederkehrenden Diskussion. Dies schädigt auch unser Image“, gab sie ganz rational zu bedenken. Sie forderte sogar, dass sich die Universität nun vielmehr auf die Suche nach einem neuen „positiven oder wenigstens neutralen“ Namenspatron machen solle. Professor Dr. Jürgen Kohler sagte, ihm würde auch die Ablegung des Namens genügen. „Die Universität Oxford braucht schließlich auch keinen Namenspatron“, so der renommierte Jurist.

Mit 22 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und einigen Enthaltungen folgte der Senat dann dem leicht abgeänderten Antrag der Studenten.

Die Initiative begrüßt, dass der Senat der Universität dem Antrag der Studenten gefolgt ist und die Umbenennung prüfen lässt. „Damit stellt sich die Universität jetzt ihrem historischem Erbe. Mit der gestrigen Entscheidung sind wir der Umbenennung einen Schritt näher gekommen“, freut sich Sebastian Jabbusch von der studentischen Initiative.

Foto: Luisa Wetzel, CC, webMoritz.de

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